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Unklarer Hautbefund? An Pilzerkrankung denken!

Dermatologie

Dermatomykosen im Kindesalter rechtzeitig erkennen und behandeln!

Pilzinfektionen im Kindesalter manifestieren sich klinisch in unterschiedlichen Krankheitsbildern: Die Palette reicht von banalen Nagelveränderungen bis zur schweren generalisierten Dermatitis. Mykosen der Haut und der Schleimhäute sind grundsätzlich gut therapierbar, ihre Diagnose wird aber nicht selten verschleppt. Da Mykosen bei Kindern tendenziell zunehmen, ist es wichtig, sie in die Differenzialdiagnose einzubeziehen.

Das Erregerspektrum der Dermatomykosen umfasst Dermatophyten, Hefen und Schimmelpilze; Hefen und Schimmelpilze führen erst dann zu klinisch relevanten Krankheitsbildern bei Kindern, wenn eine ausgeprägte Abwehrschwäche des Wirts vorliegt.

Im Gegensatz zu den Dermatophyten, welche aus Infektionsquellen in der Umgebung stammen, gehören die meisten Candidaspezies zur menschlichen Flora. Eine Infektion mit Candida geht nur an, wenn das Immunsystem der Haut geschwächt ist. Dies gilt auch für Schimmelpilze, wobei die Abwehrschwäche noch stärker ausgeprägt sein muss, um ein Angehen einer solchen Pilzinfektion zu ermöglichen. Schimmelpilze führen auch bei immunsupprimierten Kindern kaum jemals zu Hauterscheinungen.

Für Dermatophytosen hat sich der Begriff Tinea durchgesetzt, wir unterscheiden Tinea capitis, Tinea corporis, Tinea pedium und Tinea unguium. Eine Behandlung dieser Erkrankungen setzt eine exakte Diagnose voraus. Sie richtet sich ferner nach Lokalisation, Tiefe der Infektion und Kontagiosität. Die klinische Verdachtsdiagnose bedarf einer Sicherung durch Nativpräparat und Pilzkultur. Bei Tinea capitis und großflächigen Formen der Tinea corporis ist eine rein topische Behandlung nicht ausreichend, eine Kombination mit systemischer Therapie wird empfohlen – auch, um eine Ansteckung von Kontaktpersonen zu verhindern.

Im Kindesalter spielen ferner Blastomykosen, welche durch Hefe- oder Sprosspilze verursacht werden, eine Rolle; von Bedeutung sind insbesondere Infektionen mit Candida albicans.

 

Candida albicans ist nur bedingt pathogen; sie findet sich als harmloser Saprophyt auf Haut und Schleimhäuten. Eine manifeste Candidose ist daher in der Regel Ausdruck einer Abwehrschwäche oder einer gestörten Hautbarriere des Wirts. Ein klassisches Beispiel einer gestörten Hautbarriere finden wir bei der Windeldermatitis. Prädisponierende Faktoren für eine Candidose sind Stoffwechselerkrankungen, wie z. B. Diabetes mellitus, Adipositas, connatale Immundefekte, HIV Infektion, maligne Erkrankungen sowie Säuglingsalter und Frühgeburtlichkeit. Candidosen nehmen weltweit zu.

Die Candidosen liegen entweder als oberflächliche, tiefe oder intertriginöse Formen vor. Eine Sonderform ist die chronische mukokutane Kandidose, welche häufig bereits in der Kindheit beginnt.

Die Therapie der Candidosen sollte ebenfalls erst nach dem Nachweis des Erregers erfolgen: Nativpräparat und Kultur sind die Methoden der Wahl, wobei eine Speziesdifferenzierung heute durch Verwendung eines Chromagars möglich ist.

Vor Beginn der Candidosetherapie sollten jene Faktoren, welche das Angehen der Pilzinfektion begünstigten, erfasst und ausgeschaltet werden. Zur Anwendung kommen verschiedene Antimykotika, die in erster Linie topisch angewandt werden. In schweren Fällen ist eine systemische Antimykotikagabe unumgänglich.

Bei intertriginösen Candidosen besteht das therapeutische Konzept aus Reinigung und Austrocknung der betroffenen Areale. Bei der Candidose im Windelbereich kommt antimykotikumhaltigen Pasten besonderer Wert zu.

Zusammenfassend sollten Dermatomykosen gerade bei unklaren Haut- und Schleimhautbefunden in die differentialdiagnostischen Überlegungen mit einbezogen werden. Der Behandlungserfolg steht und fällt mit der Elimination von Prädispositionsfaktoren und dem gezielten Einsatz von Antimykotika.

 

Quelle: D. Bruch-Gerharz, T. Ruzicka „Dermatomykosen im Kindesalter“; Monatsschrift Kinderheilkunde 2008 – 156:132.138

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