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Abb. 1: Keine Sonnenexposition ohne Sonnenschutz!
 

Sonnenschutz – Update 2010

Prim. Doz. Dr. Robert Strohal, Leiter der Dermatologischen Abteilung des LKH Feldkirch im Gespräch mit Dr. Renate Höhl.

Pädiatrie & Pädologie: Was ist generell zum Thema „Sonnenexposition von Kindern und Jugendlichen 2010“ zu sagen?

Strohal: Wichtig ist: Innerhalb des ersten Lebensjahres sollten Säuglinge keine direkte Sonnenbestrahlung erhalten. Für ältere Kinder gilt dann: Keine Sonnenexposition ohne Sonnenschutz! Die Eltern sollten aber, was ältere Kinder betrifft, nicht „das Kind mit dem Bad ausschütten“: Für unsere Breiten ist normalerweise der Sonnenschutzfaktor 30 ausreichend. Die andauernde Verwendung eines sehr hohen Sonnenschutzfaktors (z. B. 50) ist in Österreich in der Regel nicht erforderlich und kann auch kontraproduktiv für die Kinder sein (Stichwort: Vitamin D Produktion). Insgesamt gilt sowieso, dass der textile Sonnenschutz dem reinen „Einschmieren“ vorzuziehen ist.

Aktuell gibt es eine rege Diskussion über das Verbot des Besuchs von Solarien für Jugendliche unter 18 Jahren. Was sagen Sie dazu?

Die neue Regelung ist zu begrüßen und von größter Notwendigkeit, weil wir wissen, dass die starke UV-Exposition im kindlichen und jugendlichen Alter einen wesentlich höheren Einfluss auf die Krebsentwicklung hat als beim Erwachsenen. Dazu gibt es Daten: Menschen, die ihre Kindheit und Jugend in Australien verbrachten und anschließend in einem nördlicheren Land lebten, weisen die Hautkrebsfrequenz auf, die sie in Australien hätten und nicht jene, welche der aktuellen, nördlichen geographischen Breite entspräche.

Gibt es Neuigkeiten, was Sonnenschutzmittel betrifft?

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Sonnenschutzmitteln: biologische, welche die UV Strahlung in Wärme umwandeln, und physikalische, welche das Licht zurückstrahlen, wobei der physikalische Sonnenschutz bis dato als kosmetisch wenig zufrieden stellend galt. Neueste Galeniken haben es nun ermöglicht, Sonnencreme mit rein physikalischem Sonnenschutz mit kosmetisch akzeptablen Eigenschaften auf den Markt zu bringen. Trotzdem wird die Behautpung, dass biologische Sonnenschutzmittel potenziell problematische Eigenschaften aufweisen würden, von der Mehrzahl der Dermatologen nicht geteilt.

Ist Sonnenschutzkleidung für Kinder in unseren Breiten angebracht?

Eltern sollten über den Sonnen-Hauttyp ihres Kindes informiert sein: Die vier Sonnen-Hauttypen definieren die Sonnenempfindlichkeit der Haut. In unseren Breiten macht die konstante Verwendung von UV-dichter Spezialkleidung bei sehr hellhäutigen Kindern vielleicht noch Sinn, ist ab dem Hauttyp III aber sicher hinter- fragen.

Es geht grundsätzlich darum, mit der Sonne vernünftig umzugehen: Das heißt, den Sonnenschutz mit T-Shirt, Sonnencreme nach Hauttyp, Sonnenhut und -brille zu forcieren und in der Zeit der circadian stärksten Sonnenstrahlung, von elf Uhr vormittags bis 15 Uhr nachmittags, die Exposition zu meiden.

Welche Sonnen-assoziierten Hautveränderungen bei Kindern müssen dem Dermatologen vorgestellt werden?

Kinder, die auffallend viele Muttermale haben, sollten dem Hautarzt vorgestellt werden. Dies gilt auch für Kinder, welche pigmentierte Läsionen mit Veränderungen nach der ABCDE- Regel aufweisen. Das maligne Melanom ist bei Kindern zwar selten, kann aber vorkommen.

Sonnenschutz ist ein so wichtiges Thema; was kann der Kinderarzt hier unterstützend tun?

Die wesentlichste unterstützende Aufgabe des Kinderarztes ist es, zu sensibilisieren.

Der Kinderarzt soll selbst die Haut als Organ erkennen und zumindest Aufklärung über den Hauttyp des Kindes und die damit notwendigen Sonnenschutzmaßnahmen geben. Der Kinderarzt sollte Eltern ferner dahingehend aufklären, dass sie ihre Kinder zu Ausflügen im Rahmen des Kindergartens oder der Schule nicht ohne entsprechenden Sonnenschutz ziehen lassen dürfen.

Wo können sich Kinderärzte zum Thema „Kinderhaut und Sonnenschutz“ informieren?

Es gibt zahlreiche informative Broschüren von der Österreichischen Krebshilfe, weiters bieten die meisten führenden Sonnenschutzfirmen Material an, das man auch dem Patienten anbieten kann.

 

Danke für das interessante Gespräch!

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