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Abb. 1: Da es für RSV-Infektionen nur eine symptomatische Behandlung gibt, stellt der monoklonale Antikörper Palivizumab (Synagis®) den einzigen Schutz vor den potentiellen Risiken dieser Infektion dar.
 
Kinder- und Jugendheilkunde 24. Februar 2010

RSV-Schutz: Die Saison ist noch nicht vorbei

Auf eine konsequente Impfprävention bei Frühgeborenen und andere Risikogruppen ist zu achten.

Der monoklonale Antikörper Palivizumab reduziert bei Frühchen die Morbidität im ersten Lebensjahr. Sie ist daher bei Frühgeborenen und anderen Risikogruppen während der RSV-Saison indiziert. Keinesfalls sollte übersehen werden, dass die RSV-Saison bis in den April dauern kann.

Das Respiratory Syncytial Virus (RSV) ist die häufigste Ursache für schwere Infektionserkrankungen der unteren Atemwege bei Säuglingen und Kindern. Epidemiologische Daten zeigen, dass alle Kinder bis zum zweiten Lebensjahr eine RSV-Infektionserkrankung durchlaufen (Cardenas et al, Expert Rev. Anti Infect. Ther 2005; 3(5): 719-726). Schon beim sonst gesunden Kind verläuft die RSV-Infektion meist, jedoch durchaus nicht immer banal. Spitalseinweisungen sind keine Seltenheit (Cardenas et al, Expert Rev. Anti Infect. Ther 2005; 3(5): 719-726), und rund 20 Prozent der Kinder zeigen nach RSV-Infektionen häufige „Wheezing“-Episoden innerhalb des ersten Lebensjahres. Ein deutlich erhöhtes Risiko, im Zuge einer RSV-Infektion schwere, im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Komplikationen zu entwickeln, haben Frühchen (bei Vorliegen zusätzlicher Risikofaktoren auch so genannte „late preterms“), sowie Kinder mit neuromuskulären Erkrankungen oder angeborenen Erkrankungen des Herzens bzw. der Atemwege.

„Late preterms“

Gerade das Risiko der „late preterms“, also der bis zur 35. SSW Geborenen, sollte nach Ansicht von Experten nicht unterschätzt werden. Studiendaten zeigen, dass diese Kinder im Vergleich zu Reifgeborenen ein um rund 50 Prozent kleineres Lungenvolumen sowie ein unreiferes Immunsystem haben. Hinsichtlich der maternalen IgG Spiegel nach der Geburt starten Frühchen mit einer um 50 Prozent schlechteren Ausgangbasis, erreichen jedoch ebenfalls die niedrigsten Werte im 4. bis 6. Lebensmonat (Yeung CY, Hobbs, JR. Lancet. 1968;7553:1167-70). Leider mehren sich auch die Hinweise, dass diese Kinder die eingeschränkte Lungenfunktion während des späteren Lebens nie ganz aufholen können (Friedrich et al., Am J Resp Crit Care 2007 176 (12): 1269 – 1273), und es wird befürchtet, dass die Lungenfunktion durch eine RSV-Infektion weiter beeinträchtigt werden kann.

RSV Schutz

Da es keine Therapie, außer die symptomatische Behandlung für RSV-Infektionen gibt, stellt der monoklonale Antikörper Palivizumab (Synagis®) den einzigen Schutz vor den potentiellen Risiken einer RSV-Infektion dar. Palivizumab bindet an das Glykoprotein F des RSV und verhindert das Eindringen in Wirtszelle sowie die Vermehrung des Virus. Die Viruselimination erfolgt schließlich durch die Makro- phagen.

 

Synagis® ist als 50 mg/100 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung im Handel. Indikationsstellung, Erstverordnung und Erstverabreichung während der RSV Saison werden durch das Krankenhaus vorgenommen, die weitere Verschreibung und Verabreichung erfolgt durch Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde.

Indikationsstellung

Bei der Indikationsstellung wird flexibel und anhand eines Scores vorgegangen, der den Geburtstermin und zahlreiche weitere Risikofaktoren beinhaltet. Werden mindestens vier Punkte erreicht, ist Synagis® indiziert. Auch wird die Indikation in einer vermuteten starken Saison großzügiger gestellt als in einer erwarteten schwachen Saison. Basis für diese Entscheidung sind die Einschätzungen und Warnungen virologischer Institute.

Die Bewilligung erfolgt individuell und ist somit auch bei Hochrisikokindern mit weniger als vier Punkten möglich, wenn nach Einschätzung des behandelnden Arztes ein hohes Risiko besteht. Das betrifft auch Hochrisikogruppen, die von der Österreichischen Gesellschaft zusammengefasst wurden und die mit beträchtlichem RSV Risiko verbunden sind. Hierher gehört z.B. das klinische Bild eines Floppy Infant Syndroms. Zu beachten ist, dass auch das Down Syndrom in diese Gruppe gehört.

Prophylaxe Plan

Für Koordination und Eintrag in den Mutter-Kind-Pass sind die jeweils verantwortlichen Experten (Neonatologie, Kardiologie, Pulmologie, Neurologie) zuständig, ein Prophylaxe Plan wird festgelegt und per Arztbrief dem Kinderarzt mitgeteilt. Experten betonen, wie wichtig es ist, die Eltern von Anfang an über die Bedeutung des RSV-Schutzes (und vor allem deren termingerechte Verabreichung) zu informieren und in den Prozess ein- zubinden.

Im Krankenhaus erfolgt nicht nur die Indikationsstellung, sondern auch die erste Verabreichung von Palivizumab. Für die Folgeverabreichungen ist der niedergelassene Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde zuständig. Wichtig ist dabei, dass die empfohlenen Intervalle eingehalten werden. Gemäß den aktuellen Empfehlungen der ÖGKJ soll die zweite Verabreichung nach einem Intervall von 25 Tagen erfolgen, danach wird die Immunisierung monatlich während der RSV Saison wiederholt. Insgesamt sind also sechs oder sieben Verabreichungen möglich. Es wird dringend empfohlen, das Intervall von 30 Tagen nicht zu überschreiten und bei terminlichen Schwierigkeiten, etwa auf Grund von Feiertagen, die Verabreichung vorzuverlegen.

Infektionen mit dem RS-Virus treten stark saisonal gehäuft auf. Mit einer erhöhten Infektionsgefahr ist in Mitteleuropa zwischen November und April zu rechnen, wobei in den vergangenen Jahren eine Tendenz zur Verlängerung der RSV-Saison in Österreich zu erkennen war. Am Ende der Saison kann auch bereits ein Termin für den Beginn der kommenden RSV- Saison im Herbst vereinbart werden.

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Mit freundlicher Unterstützung der Abbott GmbH.

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