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 Foto: wikipedia / Wallfahrtskirche Frauenberg, Steiermark

Nach dem salomonischen Urteil gab eine der Parteien ihre Ansprüche auf das Kind auf. In der Medizin sollte hingegen mehr auf Kooperation gesetzt werden.

 Foto: Archiv

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Prof. Dr. Klemens Rappersberger Dermatologische Abteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung

 
Kinder- und Jugendheilkunde 20. Jänner 2010

Die Hilfe der anderen

Der Patient bleibt auf der Strecke, wenn sich verschiedene Fachrichtungen um die Zuständigkeit streiten. Ein Aufruf zu engerer Zusammenarbeit bei der Behandlung der Neurodermitis.

In welcher österreichischen Fachgesellschaft ist die Arbeitsgruppe Pädiatrische Dermatologie beheimatet: in derjenigen für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) oder in der für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV)? Die richtige Antwort lautet: Es gibt entsprechende Arbeitsgruppen in beiden Fachgesellschaften. Ist diese Konkurrenz sinnvoll?

 

Die Annäherung zwischen den Fachbereichen sollte weiter intensiviert werden, meint der Dermatologe Prof. Dr. Klemens Rappersberger im Gespräch mit der Ärzte Woche.

 

Suchen Pädiater die Zusammenarbeit mit Dermatologen zu spät?

Rappersberger: Ich würde nicht sagen, dass das ausschließlich die Pädiater sind. Auch Dermatologen verhalten sich gelegentlich ein bisschen regressiv, was die Zusammenarbeit betrifft. Die Neigung und Suche nach Zusammenarbeit ist ja sehr individuell und auch emotional besetzt: Lasse ich jemanden an meinen Patienten? In solche Entscheidungen fließen (immer noch) auch Selbstverständnis und Eitelkeit ein.

Wenn Sie mich auf Kinder mit Hautkrankheiten wie insbesondere Neurodermitis ansprechen, dann möchte ich zunächst festhalten, dass kranke Kinder, auch wenn „Ausschläge“ das klinische Bild bestimmen, üblicherweise primär zum Pädiater und nicht zum Dermatologen kommen. Das ist verständlich und in den meisten Fällen auch zielführend. Ich glaube nur, dass in bestimmten, ungewöhnlichen, schweren Fällen, wie dies immer wieder bei Kindern mit Neurodermitis beobachtet wird, Fachärzte beider Spezialitäten den Rat des anderen Fachspezialisten zu spät suchen: Wichtig dabei ist aber, dass in diesen Fällen bedacht werden muss, dass „das Kind als Ganzes“ krank ist. Das Ergebnis sind dann nicht wirklich optimal betreute Kinder.

 

Welche Konsequenzen hat das für die betroffenen Kinder?

Rappersberger: Zum Beispiel können verzögerte Therapien, schwerere Verlaufsformen, bakterielle und virale Superinfektionen eine beträchtliche Beeinträchtigung der Lebensqualität nicht nur des Patienten, sondern der ganzen Familie zur Folge haben. Die Ausbildung eines Kinderarztes ist in Bezug auf topische Therapien sicherlich weniger gut als jene eines Dermatologen. Die Gesamtbetreuung eines Kindes wiederum versteht der Pädiater sicherlich wesentlich besser als der Dermatologe.

Bei Kindern mit schwereren Hautkrankheiten wie Neurodermitis, wo die topische Therapie fachgerecht durchgeführt werden muss, ist daher eine enge Zusammenarbeit zwischen Pädiatern und Dermatologen sehr sinnvoll. In meinem Wirkungsbereich funktioniert das auch hervorragend.

Um diese Zusammenarbeit zu verbessern und insbesondere Eifersüchteleien zwischen den Vertretern beider Fachrichtungen zu verhindern, ist politische Arbeit innerhalb der Fachgesellschaften notwendig: Der Vorstand einer Fachgesellschaft muss diese Aufforderung zur Zusammenarbeit seinen Mitgliedern signalisieren, dann wird diese auch ganz sicher verbessert. Optimal ist es natürlich, wenn die Ärzte in Ausbildung an den Spitälern diese Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen erfahren und erleben. Der Patient ist doch nicht „das Eigentum“ eines Arztes; nur durch ein gemeinsames Vorgehen werden optimale Ergebnisse in der Betreuung des Patienten erzielt.

 

Sie haben schon versucht, die Pädiater ins Boot zu holen.

Rappersberger: In der von mir initiierten Gründung der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Dermatologie der ÖGDV sind sehr viele Kinderärzte Mitglieder. Im Gründungskomitee waren mit Prof. Dr. Zsolt Szepfalusi von der Wiener und Dr. Isidor Huttegger von der Salzburger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde auch Pädiater maßgeblich an der Gestaltung beteiligt.

Einige Jahre später wurde dann innerhalb der ÖGKJ ebenfalls eine AG Pädiatrische Dermatologie gegründet. Wir Dermatologen waren darüber nicht glücklich, weil diese eine rein pädiatrische Gruppe ist, während unsere für beide Fachrichtungen offen ist.

 

Was müsste geschehen, damit die Zusammenarbeit forciert wird?

Rappersberger: Wie bereits gesagt, der Wunsch zu engerer Zusammenarbeit muss von den Meinungsbildnern, den wichtigsten nationalen und internationalen Vertretern des Faches, signalisiert werden, damit diese an der Basis auch forciert umgesetzt wird.

In den letzten Jahren wurden jedoch bereits mehrere Gemeinschaftsveranstaltungen organisiert, auch werden zunehmend wieder Mitglieder des jeweils anderen Fachbereiches als Referenten zu den großen Tagungen eingeladen. Es ist also schon eine gewisse Annäherung erfolgt, aber diese sollte noch vertieft werden.

 

Das Gespräch führte Mag. Patricia Herzberger

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Von Mag. Patricia Herzberger, Ärzte Woche 3 /2010

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