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Kinder- und Jugendheilkunde 19. Jänner 2010

Jahresrückblick 2009 und Vorschau auf 2010

Wie in den Vorjahren darf ich auch heuer anlässlich des Jahreswechsels einen Rückblick auf das Jahr 2009 aus pädiatrischer Sicht machen, und gleichzeitig einen kurzen Ausblick auf das kommende Jahr 2010.

Zunächst möchte ich dieses Jahr abschließen mit meinem Dank an den Springer-Verlag und namentlich an die leitende Redakteurin von „Pädiatrie & Pädologie“, Dr. Renate Höhl. Auch im vergangenen Jahr hat sie mit größtem Einsatz Themen zusammengetragen, Autorinnen und Autoren um ihre Beiträge gebeten, und diese fast immer auch erhalten. Auch für das Jahr 2010 hat Frau Dr. Höhl schon wieder ein sehr interessantes Themenprogramm zusammengestellt.

Mein Dank gilt ebenso den Autorinnen und Autoren, welche – meist in ihrer Freizeit – fundierte Fortbildungsartikel erstellt haben als Service für ihre Kolleginnen und Kollegen. Es ist keinesfalls selbstverständlich, derartige Beiträge für ein Journal zu schreiben, welches weder mit einem Honorar, noch mit Impactpunkten locken kann. Gerade durch diese hochwertigen Beiträge ist und bleibt „Pädiatrie & Pädologie“ jedoch ein führendes Medium der österreichischen pädiatrischen Fortbildung!

Das Jahr 2009 war auch aus pädiatrischer Sicht gekennzeichnet durch die „Schweinegrippe“. Dieses Thema hat vor allem die Gesundheitspolitik massiv in Anspruch genommen und eigentlich paralysiert. Es ist äußert bedauerlich, dass von Seiten der Pädiatrie bei den Gesundheitsbehörden kaum weitere Themen adäquat platziert werden konnten. So wurde der vor drei Jahren eingerichteten „Ständigen Kommission im Bundesministerium für Gesundheit“ auch klar signalisiert, dass im Jahr 2009 große finanzielle Mittel durch die Pandemie gebunden und dadurch keine zusätzlichen Ausgaben für Kinder und Jugendliche denkbar seien.

 

So blieben auch im Jahr 2009 wichtige Anliegen der Pädiatrie unbehandelt oder zumindest unerfüllt. Einige Beispiele darf ich konkret erwähnen:

  • Das Thema „Arzneimittelsicherheit“ und die Zulassung von Arzneimitteln auch für Kinderfristet in Österreich weiterhin ein stiefmütterliches Dasein. Dem von der EU ausgesprochenen Auftrag zur Arzneimittelforschung auch auf nationaler Ebene ist Österreich bisher nicht entsprechend nachgekommen. Das von der ÖGKJ ausgearbeitete Projekt „O.K.ids“ wird vom Bundesministerium seit Jahren wohlwollend behandelt und gleichzeitig auf die lange Bank geschoben.
  • Unzufriedenstellend bleibt auch die Situation der Rehabilitation für Kinder und Jugendliche. Etwa 6.000 - 7.000 Betten für Erwachsene stehen gezählte 50 Kinder-Rehabetten gegenüber. Zwar wurde vom Bundesministerium für Gesundheit beim ÖBIG/GÖG ein Plan zur pädiatrischen Rehabilitation in Auftrag gegeben und gemeinsam mit Vertretern der Pädiatrie erarbeitet, dieser wird aber seither vom Hauptverband unter Verschluss gehalten.
  • Nicht gelöst ist bisher auch das Problem der Selbstbehalte für Physio- , Logo-, Ergo- und Psychotherapie. Abhängig von lokalen Regelungen haben Eltern pro Therapiestunde 20 bis 50 Euro Beitrag zu leisten, wodurch diese Therapiemaßnahmen oftmals unterbleiben. Eine viel beachtete gemeinsame Pressekonferenz gemeinsam von ÖGKJ und „Politischer Kindermedizin“ hat volle Kostenübernahme durch die Krankenversicherungsträger gefordert. Auch dieses Anliegen ist allerdings bisher nicht zufriedenstellend gelöst.

Die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) hat seit Jänner 2009 mit Prof.Dr.Klaus Schmitt aus Linz einen neuen Präsidenten, der in seinem Arbeitsprogramm einige Schwerpunkte anführt, darunter die oben genannte Befreiung von Selbstbehalten für Kinder und Jugendliche, aber z.B. auch das Thema „Adipositas“. Professor Schmitt ist diese Schwerpunktthemen mit viel Elan und Optimismus angegangen, und es ist ihm zu wünschen, dass er im Lauf seiner dreijährigen Funktionsperiode zumindest einen Teil seiner Projekte auch erfolgreich abschließen kann.

Eine wesentliche Neuerung gab es im Jahr 2009 auch auf dem Gebiet der Facharztprüfung. Um den Kolleginnen und Kollegen eine optimale Vorbereitung darauf zu ermöglichen, wurde eine in Umfang und Schwere der Realprüfung entsprechende Testprüfung erstellt und eine Software zur automatischen Bewertung erarbeitet. Die Testprüfung kann von der Homepage der ÖGKJ www.docs4you.at jederzeit heruntergeladen und ausgeführt werden. Auch „Fortgeschrittene“ können sich hier selbst testen.

Das Jahr 2009 konnte auch wieder mit einigen vielbeachteten Fortbildungsveranstaltungen aufwarten. Die Fortbildungstagung in Obergurgl und der Pädiatrische Frühling in Seggau sind nur einige Beispiele gut funktionierender Fortbildungsveranstaltungen.

Die Jahrestagung in Graz mit dem Thema „Was wird aus unseren Kindern“ war mit etwa 600 Tagungsteilnehmern besonders gut besucht. Erfrischend waren dort auch die Präsentationen der jungen Kolleginnen und Kollegen, welche im „Young Invetigators’ Corner“ erstmals Gelegenheit hatten die Ergebnisse ihrer Diplomarbeiten vorzustellen. Die Präsidentin der Jahrestagung 2010, Frau Primaria Wiesinger, hat bereits zugesagt auch in Linz eine derartige wissenschaftliche Sitzung einzuplanen.

Dem sehr wichtigen Thema „Prävention“ widmete sich zuletzt die ÖGKJ-Fortbildungstagung in Feldkirch.

Der gute Besuch aller Fortbildungsveranstaltungen und das großartige Engagement der Veranstalter beweist, wie ernst die Verpflichtung zur Weiterbildung von den österreichischen Pädiaterinnen und Pädiatern genommen wird.

Für das Jahr 2010 darf ich schon jetzt auf folgende Veranstaltungen aufmerksam machen:

  • Jahrestagung der ÖGKJ in Linz vom 30. 09. – 02. 10. 2010 mit dem Hauptthema „In die Wiege gelegt“
  • Fortbildungstagung der ÖGKJ in Leoben vom 29. 10. – 30. 10. 2010 – „Pädiatrie MMX (2010)“ Bei dieser Fortbildungstagung versuchen wir erstmals das Format eines umfassenden „Pädiatrie-Update“. In vierzehn Vorträgen sollen dabei alle Hauptgebiete der Pädiatrie behandelt werden unter dem Gesichtspunkt „Was gibt es Neues?“ Neue diagnostische und therapeutische Verfahren sollen dabei ebenso dargestellt werden wie neue Geräte und Heilbehelfe. Als kleines „Zuckerl“ wird der Kongressbesuch im Rahmen einer Abendveranstaltung den Ausstellungsbesuch von „Alexander der Große“ mit beinhalten!
  • 4. Jahrestagung „Politische Kindermedizin“ in Salzburg vom 12.-13. 11. 2009 – mit dem Thema „Das beste Gesundheitssystem der Welt ?“

 

Auch „Pädiatrie & Pädologie“ bietet im Jahr 2010 zwei neue Rubriken. Unter dem Titel „Jugend forscht“ können Studierende der Humanmedizin Diplomarbeiten mit pädiatrischer Thematik in Kurzform präsentieren und damit einer breiten Leserschaft zur Kenntnis bringen.

Neu eingeführt wird auch die Rubrik „Kasuistik“. Insbesondere jungen Kolleginnen und Kollegen werden eingeladen, interessante Fallbeiträge mit anschaulichem Bildmaterial einzusenden. In einer Zeit, da es immer schwieriger wird, Kasuistiken in SCI-gelisteten Journals unterzubringen, sehen wir in „Pädiatrie & Pädologie“ eine gute Gelegenheit dafür, auch wegen des nicht zu unterschätzenden „Teaching-Effekts“ derartiger Publikationen.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass nach der „Schweinegrippe“ auch wieder andere wichtige Themen der Pädiatrie ihrer Bedeutung entsprechend behandelt werden können; mit den Themen Adipositas, soziale Vernachlässigung, Gewalt, Alkohol- und Drogenmissbrauch seien nur einige davon genannt.

„Pädiatrie & Pädologie“ wird mit seinen Beiträgen auch weiterhin versuchen, über die jeweils aktuellen Entwicklungen zu berichten und diese für seine 7500 Leser und Leserinnen ansprechend aufzubereiten. Ich bitte Sie daher, unserer Zeitschrift auch im nächsten Jahr die Treue zu halten.

Ich wünsche Ihnen für 2010 viel Glück und Erfolg, vor allem aber Zufriedenheit und beste Gesundheit.

Reinhold Kerbl

1 LKH Leoben, Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde und Herausgeber von „Pädiatrie & Pädologie“

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