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Abb. 1: Eltern wenden sich an den Kinderarzt, wenn ihr Kind Hautprobleme hat.
© OA Dr. Irina Grigorow, LKH Leoben

Abb. 2: Windeldermatitis

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Abb. 3: Bei gesunder Babyhaut kann man deren Pflege individuell den Eltern überlassen. Es ist Aufgabe des Kinderarztes, präventiv-informativ zur Seite zu stehen.

 
Kinder- und Jugendheilkunde 19. Jänner 2010

Babyhaut und ihre Pflege

mit besonderer Berücksichtigung des Windelbereiches

Eltern wenden sich an den Kinderarzt, wenn ihr Kind Hautprobleme hat. Ihr Wissen über die „normale“ Babyhautpflege beziehen sie jedoch meist von Hebammen, Großmüttern, Freundinnen, aus Büchern, Zeitschriften und dem Internet. Dieses Wissen beruht wiederum auf Tradition, Erfahrung, Herkunft und Mythen. Es gibt dafür kaum eine Evidenz.

Ein historischer Rückblick :

In der Antike pflegte man kranke Kinder mit Salben aus diversen Pflanzen und Kräutern, aus Butter, Erde, Pferdehaut, Fisch- u. Schweinefett, Asche und Pech.

Die Germanen badeten das Neugeborene im kalten Flusswasser.

Die Griechen, bei denen Kinderreichtum für große Fruchtbarkeit sprach und somit Ansehen brachte, testeten die Gesundheit ihrer Neugeborenen, indem sie diese in ein Weinbad tauchten. Blieb das Kind dabei unbeschadet, galt es als gesund. Das Badewasser war warm; die Käseschmiere wurde durch Zusatz von Salz und Soda entfernt; Ohren und Augen wurden mit Öl gesäubert.

Im Mittelalter wurde das Neugeborene in einen mit Olivenöl getränkten Verband gewickelt, dann wurde es im warmen Wasser gebadet, dem Salz, Honig und zerstoßene Rosenblätter beigefügt wurden. Man empfahl, das Kind einmal täglich zu baden und zwei- bis dreimal täglich zu reinigen. Ein Milchzusatz sollte eine zarte Haut bewirken; sanfte Bewegungsübungen der Gelenke während des Bades versprachen die Entwicklung zu einem guten Reiter. Körper und Mundhöhle wurden nach dem Bad mit einem Gemisch aus geschlagenem Ei und Wein eingerieben.

In der Renaissance und im Barock, etwa bis zum Ende des 18. Jh. hatte die Körperpflege für Groß und Klein keinen Stellenwert. Schmutz bewahrte angeblich das Neugeborene vor bösen Blicken. Hauterkrankungen und Ungezieferbefall nahmen zu; diese wurden nicht behandelt, sondern überschminkt oder überklebt. Ungeziefer wurde auf Pelze „umgeleitet“. Die Hautpflege bestand nicht aus Baden, sondern aus Parfümieren und Pudern.

Die hohe Säuglingssterberate und der Verlust an Männern durch Kriege führte Anfang des 20. Jh. zu einem Umdenken. So wurde z.B. 1907 in Berlin die ‚Reichsanstalt zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reich’ gegründet mit den Aufgaben „ Mütterberatung, Säuglingsbehandlung, wissenschaftliche Forschung“.

In den nun folgenden 100 Jahren waren die Empfehlungen nur leicht variierend. Die Säuglinge wurden 1x täglich bei 35 bis 37 Grad mit Wasser und Kinderseife gebadet; bei gereizter Haut verwendete man Kamillen- od. Kleiezusätze. Oder man pflegte sie mit Erdnuss-, Oliven- oder Paraffinöl. Für Gesäß und Hautfalten nahm man Puder, Lanolin, Vaselin. Die Kinder wurden nicht mehr gefatscht, sondern durften Luft- und Sonnenbäder genießen.

Evidenz in der Körperpflege:

So ausführlich man über die Babyhautpflege der letzten 3000 Jahre berichten könnte, so wenig Evidenz basierte Daten gibt es heute über deren Nutzen.

Zwei neue, kontrollierte Studien lassen sich von der Kinder-Dermatologie der Charité Berlin nennen, mit folgenden Ergebnissen :

  1. Baden oder Waschen? Das Baden mit klarem Wasser ist dem Waschen mit dem Waschlappen vorzuziehen, da beim Baden der transepidermale Wasserverlust geringer ist und der Feuchtigkeitsgehalt im Stratum corneum höher bleibt.
  2. Verwendung von Pflegeprodukten? Die zweimal wöchentliche Verwendung von Pflegeprodukten (Waschgel, Creme) verbessert bei der gesunden Babyhaut die physiologische Hautschutzbarriere im Vergleich zur ausschließlichen Reinigung mit klarem Wasser; der Wasserentzug aus der Haut ist geringer.

 

Europäische Pädiater und Dermatologen haben schließlich ein Konsenspapier erstellt für evidenzbasierte, einheitliche Pflegeempfehlungen für die intakte, gesunde Babyhaut (Blume-Peytavi U. et al. J Eur Acad Dermatol 2009;23(7):751-759) :

 

  • Zwei- bis dreimal wöchentliches Baden
  • Beginn des regelmäßigen Badens, sobald der Nabelschnurrest abgefallen ist
  • Die Raumtemperatur sollte über 22 Grad, die Wassertemperatur zwischen 37 und 38 Grad liegen.
  • Die Badedauer sollte maximal fünf bis zehn Minuten betragen.
  • Milde, flüssige Badezusätze haben eine positive Wirkung auf die Babyhaut.
  • Nach dem Baden Eincremen der Babyhaut

 

Grundlage für Untersuchungen sind natürlich die Besonderheiten der Babyhaut. Man konnte z.B. zeigen, dass die Entwicklung der Hautschutzbarriere noch lange nicht nach der Geburt abgeschlossen ist, sondern fast das ganze erste Lebensjahr benötigt. Babyhaut ist dünn; der Zusammenhalt der Hornlagen ist noch schwach; Kollagen- und Elastinfasern sind kürzer und dünner, die Haut ist daher weniger elastisch. Ekkrine Schweißdrüsen und Talgdrüsen funktionieren noch unzureichend, was zu Schwankungen des Lipidgehaltes und des pH-Wertes führt. Die Mikroflora der Haut ist noch unvollständig entwickelt.

Die Babyhaut ist empfindlicher, kann leichter austrocknen bzw. der Feuchtigkeitsgehalt ist variabel; Bakterien und Pilze können leichter eindringen.

 

Windeldermatitis :

Im Windelbereich ist die Säuglingshaut am meisten durch mechanische und chemische Irritation gefährdet, sodass die Windeldermatits im ersten und zweiten Lebensjahr die häufigste Hauterkran- kung ist.

Ursachen :

  • Der verlängerte Hautkontakt mit Urin und Stuhl führt zur Mazeration.
  • Stuhlbakterien setzen den hautirritierenden Ammoniak frei, sodass der lokale Haut-pH-Wert ansteigt; dadurch werden Enzyme (Lipase, Protease) im Stuhl aktiviert, die abermals die Hautbarriere zerstören.
  • Der luftdichte Abschluss der Windel begünstigt die chemische Irritation, hinzu kommt die mechanische Reibung.
  • Es besteht ein erhöhtes Risiko nach Durchfall oder antibiotischer Therapie.
  • Eine sekundäre Kolonisation mit Candida albicans ist möglich.

Klinik :

Perianal und an der Haut der konvexen Stellen von Gesäß, Oberschenkeln und Leisten entwickeln sich Rötung und unscharf begrenzte, erythematöse Papeln und Patches. Persistierende oder rezidivierende Entzündungen führen zu Erosionen oder noch tieferen Defekten, den so genannten Jaquet-Ulzera.

Bei Candidabefall entstehen satellitenartig um den Hauptentzündungsherd scharf begrenzte Papeln mit marginaler, weißlicher Schuppung auf erythematösem Grund. Die Satellitenläsionen können bis zu den Oberschenkeln od. zum Abdomen reichen. (Bilder 2, 3 und 4)

Das Kind hat Schmerzen, ist unruhig, besonders beim Windelwechseln.

Therapie :

Windeln mit absorbierendem Gelkissen erreichen im Vergleich zu Stoffwindeln oder Windeln ohne Gelkissen eine gute Trockenheit, wodurch das Risiko der Entstehung einer Windeldermatitis gesenkt werden kann. Bei bestehender Entzündung sollten die Windeln häufig gewechselt werden (etwa alle drei bis vier Stunden) bzw. es sind Windelpausen empfohlen, um die Haut durch Luft abtrocknen zu lassen und um eine Okklusion zu vermeiden.

Die Gesäßhaut sollte mit warmem Wasser oder mit Babyöl (z.B. Olivenöl) gereinigt werden; bei stärkerer Entzündung mit adstringierenden Schwarztee- oder Tamolensitzbädern. Anschließend sollte die Haut nur durch Abtupfen getrocknet werden. Dafür eignet sich auch die vorsichtige Anwendung eines Föns mit niedriger Temperatur und ausreichendem Hautabstand.

Die Reinigung mit Feuchttüchern bei bestehender Windeldermatitis ist eher umstritten, da sie die Haut erst recht reizen und so die Abheilung verzögern können.

Weiche Zinkpaste mit den Bestandteilen Vaseline und Paraffin ist sekretbindend, schützt die Haut vor irritierenden Substanzen und führt zur Regeneration.

Bei Candidasuperinfektion zusätzlich antimykotische Lokaltherapie z.B. mit Nystatin, Clotrimazol, Miconazol.

Mit topischen Glucocorticoiden sollte man sehr zurückhaltend sein. Sie sind meist nicht erforderlich. Durch die Okklusion können lokale Nebenwirkungen wie Hautatrophie, Granulombildung, Infektionen leichter auftreten und auch die transkutane Steroidresorption ist erhöht. Bei hartnäckigen Verläufen sollte man die übrige Therapie überprüfen und auf Superinfektionen achten. Bei Steroidindikation, sollten Klasse-I-Präparate (Hydrocortison) kurzfristig angewendet werden, ev. in Kombination mit einem Antimykotikum.

Vorsicht ist geboten bei Pflanzenextrakten, die durchaus auch hautreizende Eigenschaften haben können.

Pflegeprodukte :

Eltern wird am freien Markt eine Vielfalt an Pflegeprodukten angeboten, über deren Ingredienzien sie in Broschüren oder ganz besonders im Internet sehr unterschiedliche und vor allem widersprüchliche Informationen erhalten.

Recht amüsant ist in diesem Zusammenhang die Lektüre von Elternplattformen. Ein Vater schreibt z.B. sehr erbost über seine Erfahrungen mit hochgepriesenen Naturprodukten. Der durch solche hervorgerufene „Paviancharakter des Pos“ seines Kindes erholte sich erst nach Anwendung von paraffinhältigen Cremes. Andere wiederum wettern gegen zu viel Chemie und schwören auf rein natürliche Rezepturen. Die dritte Gruppe lässt an die Kinderhaut nichts anderes als Wasser und Windeln.

Um als Kinderfacharzt sattelfest argumentieren zu können, lohnt sich ein Streifzug durch häufig verwendete Inhaltsstoffe in der fast unüberschaubaren Palette an Babypflegeprodukten.

1. Naturstoffe

Über Jahrtausende hat man in der Volksmedizin die heilende Wirkung aus Pflanzenauszügen verwendet; dies war der Ausgangspunkt der Pharmakologie; das Wissen darüber entsprach der jeweiligen Erfahrung. Erst in den letzten Jahrzehnten ist man bemüht, Wirkung und Nebenwirkung dieser Substanzen mit Daten zu belegen. Wichtig für die Qualität der Naturstoffe in der Hautpflege sind ihre Herkunft, Zusammensetzung, Verarbeitung und Reinheit (z.B. keine Pestizidbelastung). Kritisch kann man ihnen ein Allergierisiko, wenn auch mit sehr unterschiedlicher Potenz entgegenhalten.

Einige Beispiele von Naturstoffen:

Calendula officinalis (Ringelblume): Schon Hildegard von Bingen hat eine entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Wirkung der Ringelblume beschrieben. Mittlerweile können diese Effekte anhand der bisher erhobenen Daten als gesichert gewertet werden. Die allergisierende Potenz der Pflanze wird aber sehr unterschiedlich bewertet. Einige Ergebnisse sprechen für ein geringes Allergierisiko bzw. für eine gute Verträglichkeit. Eine Arbeitsgruppe der Dermatologie Innsbruck (u.a. mit Prof. Aberer) stellte an einem Normalkollektiv von 443 Personen allerdings eine Allergisierungsrate von zwei Prozent fest und wertete dies als ernstzunehmendes Risiko. Die bei uns erhältlichen Calendula-Präparate sind als entzündungshemmende homöopathische Arzneimittel gesetzlich zugelassen.

 

Echte Kamille (Chamomilla recutita): Ihre entzündungshemmende Wirkung wird in vielen Badezusätzen, Salben, Tinkturen, Seifen, Lotionen, Feuchttüchern usw. genützt. Die echte Kamille ist eine der ältesten und wichtigsten Arzneipflanzen. Sie ist eine der wenigen Pflanzen, deren Wirkung experimentell belegt ist. Ihre Sensibilisierungspotenz ist sehr gering oder gar nicht vorhanden. Für die beschriebenen Kontaktallergien war meist eine andere Kamillenart verantwortlich, meist die Stinkende Hundskamille (Anthemis cotula) mit sehr hoher allergischer Potenz. Die große Nachfrage nach Kamille machte den Import (über 60%) der Pflanze notwendig; der Hauptlieferant ist Argentinien. Bei importierter Kamille häufen sich jedoch Verfälschungen bzw. es steigt der Anteil an der Hundskamille, die wiederum einen größeren Anteil an Allergenen beinhaltet. Eine mittelstarke Sensibilisierungspotenz wird auch der römischen Kamille nachgesagt.

 

Olivenöl (Olea europea): Die pflegende und wundheilende Wirkung wird seit Jahrhunderten in der Volksmedizin genützt, wobei in Anbaugebieten das Olivenöl als fast allheilendes Elixier verehrt wurde. Es wurde schon im Altertum verwendet als fiebersenkendes, nerven- u. seelenheilendes Mittel, bei Vergiftungen, als Aphrodisiakum, zur Mundhygiene, bei Magenbeschwerden, bei Lepra. Das Olivenöl besteht großteils aus einfach ungesättigten Fettsäuren und ist dem Hautfett ähnlich; es dringt leicht ein und bindet auch in tieferen Schichten Feuchtigkeit. Weiters enthält es u.a. Vitamin E und A.

2. Konservierungsmittel

Lange Lagerung, Sauerstoffzufuhr nach dem Öffnen und Übertragung von Hautkeime bei der Entnahme des Präparates können zu einer verderbenden Keimkontamination des Produktes führen, weshalb häufig Konservierungsstoffe beigefügt werden. Ihre oft hohe allergisierende Potenz und teilweise der Verdacht auf toxische oder kanzerogene Wirkung lassen sie in einem etwas zweifelhaften Licht erscheinen. So ist man zunehmend bestrebt, Produkte ohne Konservierungsstoffe insbesondere für die Babypflege zu bewerben. Man liest auf den Packungen z.B. „Parabenfrei“.

Parabene konservieren zuverlässig über Jahre; ihre Allergiepotenz wird als eher niedrig eingestuft. Es wird ihnen aber angelastet, dass sie durch eine östrogenartig hormonelle Aktivität Brustdrüsengewebe zu einem unkontrollierten Wachstum anregen könnten. Dabei weist das am häufigsten eingesetzte Methylparaben die geringste Östrogenwirkung auf. Aufgrund der noch unvollständigen Studienlage über diese umstrittene Theorie lässt sich deren Wertigkeit noch nicht einschätzen und es liegen derzeit sehr unterschiedliche Empfehlungen über den Einsatz von Paraben vor.

Immer häufiger wird auf halogenorganische Verbindungen verzichtet. Man erkennt diese synthetischen Konservierungsmittel an den Wortteilen `Bromo`, `Jodo`, `Chloro` (z.B. Chlorphenesin). Sie haben ein nachweislich sehr hohes Sensibilisierungspotential, und in Tierversuchen konnte teilweise eine kanzerogene Wirkung beschrieben werden.

Unter anderem auf Drängen der Umweltorganisation Greenpeace hat man z.B. 2005 in der EU per Gesetzt den Einsatz von MDG (Methyldibromoglutaronitrile) verboten.

Ein besonderes Augenmerk in dieser Substanzklasse verdient Triclosan. Es soll eine leberschädigende Wirkung haben, und unter Lichteinfluss kann kanzerogenes Dioxin freigesetzt werden (dies reichert sich in Gewässern an). Freut man sich daher, dass es in Babypflegeprodukten meist nicht mehr eingesetzt wird, so findet man es dafür als „Bakterien-u. Geruchskiller“ wegen der antiseptischen u. antibiotischen Wirkung andernorts, z.B. in Deodorants u. in Zahncremes (ein Nachweis in der Muttermilch ist möglich); ev. sogar in Kinderzahncremes; in Desinfektions- und Reinigungsmitteln, die auch im medizinischen Bereich Anwendung finden; in Textilien (besonders in Sportkleidung); Toilettenpapier; ja sogar im Kinderspielzeug.

Die Befürchtung der Entwicklung von antibiotikaresistenten Keimen (z. B. Staphylococcus aureus) ist bei so häufigem Einsatz von Triclosan sicher nicht ganz unberechtigt.

Formaldehyd ist einer der altgedienten Konservierungsstoffe. Es ist zwar zugelassen, wird aber wegen seiner ebenso möglicherweise kanzerogenen Wirkung in letzter Zeit für Babypflegeprodukte nicht mehr verwendet.

3. Mineralöl

Ein seit über 100 Jahren verwendeter Grundstoff von Hautpflegeprodukten sind die aus Erdöl erzeugten hochgereinigten Paraffine, als Paraffinöl (Paraffinium liquidum) od. als Petrolatum (Vaseline). Sie sind wachsartig, geruch- und geschmacklos, ungiftig bzw. gut verträglich, nicht allergisierend, Wasser abstoßend, frei von Herbiziden und Insektiziden. Da sie keine ungesättigten Fettsäuren haben, können sie im Unterschied zu Pflanzenölen keine Peroxide bilden und so auch nicht ranzig werden. Es erübrigt sich daher auch der Zusatz von Konservierungsmitteln oder Antioxidantien. Sie reduzieren den transepidermalen Wasserverlust und erhöhen so den Feuchtigkeitsgehalt in den oberen Hautschichten. Andererseits wird ihnen jedoch ein austrocknender Effekt zugeschrieben. Kritiker meinen, dass Paraffin auf der Haut einen öligen Film bilden könne, wodurch Flüssigkeit und Toxine eingeschlossen würden. Die normale Hautatmung sei dadurch beeinträchtigt, ein Hitzestau könne sich bilden.

 

Eine Mischung aus Paraffin, Wasser und Wollwachs ergibt das Lanolin. Wollwachs entstammt wiederum dem Sekret der Talgdrüsen von Schafen; es ist somit ein Rohprodukt, das natürlich entsprechend gereinigt werden muss. Dennoch enthält es Wollwachsalkohole, die letztlich für eine Sensibilisierung oder Hautreizung mit Rötung und Schwellung verantwortlich sein können. Lanolin findet Anwendung in der Babyhautpflege und soll auch die Wundheilung fördern. Meist wird noch Olivenöl zugefügt, um die Geschmeidigkeit zu verbessern.

4. Silikon

In der Kosmetik und Hautpflege, so auch in Babypflegeprodukten, werden oft als Schmiermittel Silikonöle als Grundlage eingesetzt, die die Haut geschmeidig machen sollen. Es handelt sich um einen industriellen Kunststoff aus polymeren Silicium-Sauerstoffverbindungen. Man erkennt sie meist an den Endungen `-one` oder `-onol` wie z.B. Dimethicone. Sie weisen eine unterschiedliche, teils schlechte Wasserlöslichkeit auf, sodass der von ihnen gebildete Pflegefilm auf der Haut nur schwer wieder zu entfernen ist. Da sie biologisch kaum abbaubar sind, wird eine Umweltbelastung nicht ausgeschlossen.

5. Emulgatoren

Zur Durchmischung von Flüssigkeiten bzw. zur Herstellung von Emulsionen als Grundlage von Lotionen od. Cremes werden Polyethylenglycol (PEG) u. dessen Derivate oder Tenside eingesetzt.

Sie werden heute in Babypflegeprodukten kaum oder gar nicht mehr verwendet. Babyhaut ist dünner und durchlässiger als Erwachsenenhaut; durch Emulgatoren passieren Substanzen wie z. B. Duftstoffe, Konservierungsmittel u. ä. leichter die Barriereschicht, bzw. es ist auch die Austrocknung der Haut begünstigt. Bei Anwendung von pharmakologischen Produkten könnte allerdings die leichtere Hautpenetration durch PEG auch gewünscht sein.

6. Duftstoffe

Nach wie vor findet man auch in manchen Kinderhautprodukten diverse Duftstoffe, deren Allergiepotenzial oft beträchtlich hoch ist:

  • Isoeugenol aus Nelkenöl, für eine blumig-würzige Note,
  • Zimtalkohol für den Duft nach Veilchen oder Hyazinthe,
  • Hydroxycitronella.

Der aus den Balsambäumen gewonnen Perubalsam ist ein Gemisch aus etwa 250 Inhaltsstoffen und ist in der Kosmetik seit 2005 durch die EU wegen der ansteigenden Zahl an Kontaktallergien verboten; an seiner Stelle wird nun das als unbedenklich geltende Perubalsamöl verwendet.

In geringen Spuren kann man auch Moschusprodukte finden, natürlich nur solche, die auch zugelassen sind. Ihr Einsatz (wie z. B. die polyzyklische Verbindung Cashmeran) ist jedoch umstritten, da sie sich im Fettgewebe anreichern und möglicherweise leberschädigend sein können. Man liest auch über eine Anreicherung in der Muttermilch und über eine kanzerogene Wirkung im Tierversuch.

7. Vitamine

Manche Marken bewerben den Zusatz des Provitamins Dexpanthenol, das in der Haut zum Vitamin B5, der Pantothensäure, umgewandelt wird. Neben einer juckreiz- und entzündungslindernden Wirkung soll es tief in die Haut eindringen und dort Wasser binden. Es soll die Elastizität verbessern, die Neubildung von Hautzellen unterstützen und somit die Regeneration begünstigen. Insgesamt ist es gut verträglich, wobei aber auch Kontaktallergien beschrieben sind.

Die Liste der Ingredienzien ließe sich nun beliebig weiterführen.

Zur Beruhigung sei erwähnt, dass in Österreich alle verwendeten Produkte toxikologisch und dermatologisch auf ihre Unbedenklichkeit geprüft werden. Windeln und Feuchttücher unterliegen als Hygieneprodukte den Anforderungen des österreichischen Lebensmittelgesetzes. Lotionen und Lösungen in feuchten Hygieneprodukten (z.B. Feuchttücher) unterliegen der Kosmetik-Verordnung, die ebenfalls im Lebensmittelgesetz verankert ist. Das österreichische Produktsicherheitsgesetzt entspricht den europaweit geltenden Anforderungen der „General Product Safety Directive“. Um diesen Anforderungen nachkommen zu können, haben die Hersteller von Markenprodukten strenge Qualitäts-und Sicherheitssysteme.

Vom Konsumenten wird jedoch Wachsamkeit abverlangt, da sich die Inhaltsstoffe des von ihm bevorzugten Produktes immer wieder ändern können, weil die Firmen natürlich ständig um Verbesserung - in welchem Sinne auch immer - bemüht sind.

1 LKH Leoben, Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde

Zur Person
OA Dr. Irina Grigorow
in Graz geboren und aufgewachsen; hat hier die Schule besucht und das Medizinstudium absolviert.
Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin in Kärnten und Steiermark.
Ausbildung zum Facharzt für Kinder-und Jugendheilkunde am LKH-Leoben in der Steiermark
Fazit für die Praxis
Bei gesunder Babyhaut kann man deren Pflege individuell den Eltern überlassen. Es ist aber auch die Aufgabe des Kinderarztes präventiv-informativ zur Seite zu stehen, wobei dies bei dem großen Angebot an Produkten und Informationsquellen nicht immer einfach ist.
Wahrscheinlich hat in den meisten Fällen das Motto „Weniger ist mehr“ Gültigkeit.
In Krankheitsfällen wie bei der Windeldermatitis muss natürlich ärztlicherseits ein entsprechendes Behandlungsregime empfohlen werden.

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