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Kinder- und Jugendheilkunde 1. Oktober 2009

Perioperative Thromboseprophylaxe bei Kindern

Perioperative venöse Thromboembolien (VTE) können auch Kinder betreffen. Bisher wurden nur wenige Leitlinien zur Risikoeinschätzung und Prophylaxe entwickelt und publiziert. Es ist unbekannt, ob diese in der klinischen Praxis angewendet werden. Der Artikel beschäftigt sich mit den Unterschieden der Hämostase des heranwachsenden Kindes, der Risikoeinschätzung, Wahl und Dosierung einer antithrombotischen Behandlung sowie den Schwierigkeiten beim Monitoring und Nebenwirkungen der Therapie einschließlich HIT. Weiters werden die aktuellen Leitlinien besprochen.

Aktuell basiert die Risikostratifizierung und perioperative VTE-Prophylaxe hauptsächlich auf Kohortenstudien, Fallserien, Fallberichten und Expertenmeinungen. Viele Empfehlungen beruhen lediglich auf den Ergebnissen von klinischen Studien bei Erwachsenen. Primär gesunde Kinder, die sich kleineren chirurgischen Eingriffen, wie einer Zirkumzision, Herniotomie oder Appendektomie, unterziehen müssen, benötigen keine antithrombotische Prophylaxe. Kinder mit mehreren Risikofaktoren, wie schweren Grunderkrankungen, Langzeitimmobilisierung, zentralvenösen Kathetern (ZVK), und Kinder, die schon einmal eine VTE erlitten haben, sollten eine VTE-Prophylaxe erhalten.

Ältere Kinder (Tanner II+) sollen entsprechend den Leitlinien für Erwachsene behandelt werden. Standard Heparin/unfraktioniertes Heparin und niedermolekulares Heparin sind die am häufigsten empfohlenen Antikoagulantien. Die Entscheidung zur VTE-Prophylaxe hängt ganz wesentlich von der Einschätzung des Risikos durch einen erfahrenen Arzt ab. Risiko Scores und Behandlungsleitlinien können die Entscheidung unterstützen. Es braucht dringend kontrollierte klinische Studien, die in Zukunft eine auf Evidenz basierende Entscheidung für das perioperative VTE-Risiko und die Sicherheit und Wirksamkeit einer antithrombotischen Prophylaxe/Therapie für Kinder erlauben.

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