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Abb. 1: Bildung von Entzündungsmediatoren aus n-6 PUFAs und Hemmung durch n-3 PUFAs (modifiziert nach Goldberg & Katz 2007)

Abb. 2: Die aid Ernährungspyramide „Getreide plus“ für Kinder

Abb. 3: Verteilungen der erreichten Prozentanteile der Empfehlung für Lebensmittelgruppen, Jungen, 12 bis 17 Jahre; angegeben sind Median, Interquartilbereich, Minimum und Maximum (ohne Ausreißer und Extremwerte) EsKiMo-Studie

Abb. 4: Verteilungen der erreichten Prozentanteile der Empfehlung für Lebensmittelgruppen, Mädchen, 6 bis 11 Jahre; angegeben sind Median, Interquartilbereich, Minimum und Maximum (ohne Ausreißer und Extremwerte) EsKiMo – Studie

 
Kinder- und Jugendheilkunde 9. November 2009

Rheuma bei Kindern

Kann die Ernährung auch hier die Erkrankung beeinflussen?

Die häufigste rheumatische Erkrankung im Kindesalter ist die juvenile idiopathische Arthritis (JIA). Rheumatische (chronisch-entzündliche) Erkrankungen der Gelenke bei Kindern sind selten. Die Zahl der Neuerkrankungen/Jahr (Inzidenz) wird mit 3,5 / 100.000 angegeben. Die Zahl der Erkrankungen (Prävalenz) wird mit 20 / 100.000 registriert. Somit ist 1 von 5000 Kindern in Deutschland an Gelenkrheuma erkrankt.

Dabei ist die Ätiologie und Pathogenese dieser Erkrankung nicht bekannt. Unterteilt wird die JIA in sieben Subgruppen (gemäß der ILAR-Klassifikation 1997).

Der Verlauf der Erkrankung ist sehr unterschiedlich und deshalb im Einzelfall schwer vorhersehbar. Bis zu ein Drittel der betroffenen Patienten zeigen nach mindestens zehn Jahren Nachbeobachtungszeit eine Remission der Erkrankung, die übrigen zwei Drittel sind je nach Subklasse noch unterschiedlich stark betroffen. Die Therapie der juvenilen idiopathischen Arthritis ist nur symptomatisch und beruht auf der Pharmakotherapie in Verbindung mit regelmäßiger Physiotherapie. Weitere Säulen der Therapie sind die Ergotherapie und die psychologische Führung der Patienten und deren Eltern.

Das Ziel der Therapie ist eine Beseitigung der Schmerzen, Unterdrückung der Gelenkentzündungen, Erhaltung der Gelenkfunktion, Prävention vor Komplikationen und eine Krankheitsbewältigung mit Hilfen für den Alltag.

So wie bei allen Erkrankungen, die aufgrund mangelnder Kenntnisse über Ätiologie und Pathogenese nicht kausal behandelt werden können, eröffnet sich ein Feld für alternative Methoden. Nach Schätzungen und Erhebungen suchen etwa 70 Prozent der Patienten mit JIA bzw. deren Eltern nach Alternativen zur klassischen Behandlung. Regelmäßige Nachfragen bei den Selbsthilfegruppen und den spezialisierten Rheumafachkliniken nach Ernährungsrichtlinien für Kinder mit JIA bezeugen das Interesse der Eltern an dieser zusätzlich erhofften Therapiemög- lichkeit.

Ernährungsempfehlungen

Das Entzündungsgeschehen wird über die Ernährung durch Bildung von Entzündungsmediatoren aus n-6 PUFAs und Hemmung durch n-3 PUFAs bei der entzündlichen, rheumatoiden Arthritis des Erwachsenen beeinflusst.

 

Die Ernährungsempfehlungen beinhalten daher eine Reduktion von tierischen fettreichen Lebensmitteln, Verzehr von fettarmen Milchprodukten, die Umsetzung der Empfehlung „Fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag“ und die Bevorzugung von n-3 fettsäurereichen Fischsorten und Pflanzenölen.

Für Kinder liegen diesbezüglich keine Studien vor. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie empfiehlt eine ausgewogene Ernährung, mit einem für Kinder und Jugendlichen ausreichenden Angebot an Energieträgern, Vitaminen und Spurenelementen.

Eine ausgewogene, vollwertige, altersentsprechende Ernährung für Kinder nach dem aid -Ernährungspyramidenmodell beinhaltet:

  • einen geringen Verzehr tierischer Lebensmittel, damit verbunden eine geringe Zufuhr an Arachidonsäure. Die drei Portionen Milch- und Milchprodukte sichern die Calcium-Zufuhr.
  • eine ausreichende Menge an Obst und Gemüse „Fünf am Tag“, damit wird die Zufuhr an Antioxidantien gesichert.
  • Die Fettart (sichtbare Fette) kann definiert werden durch das Symbol der Ölflasche und Streichfett.

 

Bestimmte tierische Fette, die die Bildung von Entzündungsstoffen fördern, sollen bei JIA reduziert werden. Einseitige Diäten, die häufig aus dem Erwachsenenbereich stammen, sollen gemieden werden.

In welchem Maß sollen aber bestimmte tierische Fette reduziert werden? Zur Beurteilung können die Ergebnisse der EsKiMo-Studie (Ernährungsstudie als KiGGS-Modul, die von Januar-Dezember 2006 die Ernährungsgewohnheiten der 6- bis 17-jährigen Deutschen erfasst hat) herangezogen werden. Die Ergebnisse basieren auf dem Vergleich der gewonnen Daten mit den Empfehlungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung für eine optimierte Mischkost (OptimiX) und den D-A-CH- Referenzwerten.

Bei den meisten Kindern und Jugendlichen übersteigt der Fleisch- und Wurstkonsum deutlich den OptimiX-Verzehrsempfehlungen. Dies gilt insbesondere für die 12- bis 17-jährigen Jungen. Von ihnen essen 86 Prozent mehr als die empfohlenen Mengen, 19 Prozent verzehren sogar mehr als das Dreifache. Auf Grund dieser Tatsache ist das Fettsäuremuster un- günstig.

 

Die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen verzehren deutlich weniger Obst und Gemüse als empfohlen. Bei den 6- bis 11-jährigen erreichen nur sieben Prozent die OptimiX-Vorgaben. Viele verzehren noch nicht einmal die Hälfte der empfohlenen Gemüsemenge.

 

Die Ernährung für Patienten mit JIA kann schon verbessert werden, wenn sie auf die Einhaltung der Verzehrsmengen von OptimiX hin überprüft wird.

 

Eine Osteoporoseprophylaxe in Form einer ausreichenden Zufuhr von Vitamin D und Calcium ist bei der JIA angezeigt, wenn Cortison zur Unterdrückung der Entzündung systemisch (Tabletten oder Infusion) eingesetzt werden muss. Für Calcium werden die Zufuhrempfehlungen von den meisten 12- bis 17-jährigen Jugendlichen erreicht. Eine Ausnahme bildet die Gruppe der 6- bis 11-jährigen Mädchen. Hier liegt der Median bei ca. 80 Prozent der Ca-Zufuhr im Vergleich zu den Referenzwerten. Eine individuelle Überprüfung der Ca-Zufuhr ist daher not- wendig.

1 Diätassistentin, Ernährungsberaterin/DGE Medizinische Hochschule Hannover Abteilung Kinderheilkunde I

Literatur:

 

1. G. Heubner, M. Grosche, M. Gahr, Therapie der juvenilen idiopathischen Arthritis, Monatsschr. Kinderheilkunde 2002, 150:445-451

2. G.B.M. Mensik, C. Kleiser, A. Richter, Robert Koch Institut Berlin, Lebensmittelverzehr bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Ergebnisse des Kinder- Jugendgesundheitssurveys (KiGGS), Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsschutz 2007, 50:609-623, Springer Verlag

3. EsKiMo, ausgewählte Ergebnisse, Ernährung 2007, 1:405-409, Springer Gesundheits- und Pharmazieverlag

4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Stellungnahme aus dem Bereich Wissenschaft, Ernährung kann (entzündlich) rheumatische Erkrankungen beeinflussen, Mai 2008

Zur Person
Katrin Schlüter
Diätassistentin, Ernährungsberaterin/DGE Medizinische Hochschule Hannover
Abteilung Kinderheilkunde I
Carl-Neuberg Str. 1
D-30625 Hannover
E-mail:
Auch für Kinder mit Rheuma gilt die Empfehlung einer ausgewogenen, vollwertigen, altersentsprechende Ernährung.
Eine Ernährungsumstellung der gesamten Familie ist empfehlenswert. Eltern haben eine Vorbildfunktion in der Essensauswahl, dem Essverhalten und der Mahlzeitenzusammenstellung. Eine liebevolle und konsequente Esserziehung im Kleinkindalter soll erfolgen. Im Kindes- u. Jugendalter soll die Eigenverantwortlichkeit gefördert werden. Es soll keine „Diät“ einhalten, sondern ein gesundes Essen in der Familie „gelebt“ werden. Aus diesen Aussagen ergibt sich, dass die Ernährungsumstellung langfristig erfolgen muss.
In Ernährungsberatungsgesprächen kann ein individueller Ernährungs-Check erfolgen und daraufhin dem Patienten oder der Familie angepasste Ernährungsempfehlungen ausgesprochen werden. Folgende Fragestellungen sollten dabei beachtet werden:
  • Liegt eine ausreichende Ca-Zufuhr vor?
  • Wie hoch ist der Konsum an tierischen Produkten?
  • Werden nur zwei bis drei Fleischportionen pro Woche verzehrt?
  • Kann der Fettgehalt der tierischen Produkte optimiert werden?
  • Kann die Fettauswahl bei Margarine und Öl optimiert werden?
  • Wird täglich Obst und Gemüse gegessen?
Fazit für die Praxis

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