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Foto: Photo Disc
Viele Teenager sind davon überzeugt, dass das Kondom die sicherste Verhütungsmethode ist.
Foto: http://www.your-life.com/scripts/pages/en/home/

Auf der Internetseite www.your-life.com werden Informationen über Verhütung bereitgestellt.

 
Kinder- und Jugendheilkunde 30. September 2009

Let’s talk about Contraception

Der dritte Weltverhütungstag stand im Zeichen der Kommunikation.

Schätzungen zufolge werden in Österreich jährlich rund 40.000 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Allein 2008 wurden 2.700 Teenager Mütter, sieben von ihnen waren noch nicht einmal 15 Jahre alt. Der Weltverhütungstag am 26. September 2009 war ein Anlass dafür, für mehr Kommunikation zu plädieren.

Dr. Claudia Linemayr-Wagner, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Verhütung, glaubt, dass zwar unter den Jugendlichen über Kontrazeption gesprochen wird, dabei aber ihr Halbwissen austauschen: „Und dann, wenn man genauer nachfragt, ist plötzlich kein Wissen mehr da.“ Bei einer Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung gaben 94 Prozent der Jugendlichen an, sie wüssten über Verhütung Bescheid.

Cola-Spülung und Hüpftherapie

Vier von fünf Jugendlichen konnten jedoch den Zeitpunkt des Eisprunges nicht benennen. Es sind diese Halbinformationen, die zu ungewollten Schwangerschaften führen.

Auch ziemlich absurde Annahmen wie jene, dass eine Scheidenspülung mit Cola, ausgiebiges Duschen nach dem Sex oder sportliches Auf- und Abhüpfen der Verhütung dienen, sind unter Teenagern im Umlauf. Mehrmals pro Woche ist die Sexualpädagogin Bettina Weidinger mit nur scheinbar informierten Teenagern konfrontiert und stellt fest, dass die Jugendlichen das im Schulunterricht vermittelte Wissen nicht richtig verarbeiten, weil dabei die Gefühle zu wenig thematisiert werden. „Wenn die Lehrerin das Thema so bringt, dass es nur noch um Östrogene, Zyklus und diese Wörter geht, wird das relativ schnell langweilig“, sagt Weidinger, denn was eigentlich interessiert, werde nicht angesprochen: „Wie mache ich das? Wie komm ich an wen ran? Wie läuft das überhaupt ab? Diese Fragen werden nicht beantwortet.“

Es stellt sich die Frage, warum, bei aller Aufklärung, Menschen sich in der Sexualität nicht besser schützen. „Als vor einigen Jahren die Sicherheitsgurten eingeführt wurden und es noch keine Gurtenpflicht gab, haben die meisten Autofahrer im Straßenverkehr keinen Gurt angelegt. Das ist im Nachhinein eigentlich schwer verständlich, weil das Gurtanlegen ist ja nicht wirklich kompliziert und unangenehm und es eine sehr wirksame Präventionsmaßnahme ist“, sagt Dr. Christian Fiala, Gynäkologe und Leiter des Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch. „Auch in der Sexualität ist es so, dass viele Menschen ihr Risiko nicht wirklich einschätzen.“

Dazu komme, dass Sexualität für die meisten Menschen keine vernunftkontrollierte Handlung ist, gibt Fiala zu bedenken: „Die meisten Menschen wollen sich in dieser Situation hingeben und alles vergessen, und wenn da nicht vorher über einen wirksamen Schutz nachgedacht wurde, dann wird er eben häufig während des Geschlechtsverkehrs auch nicht angewendet.“

Information kommt nie zu früh

Daher lautet das Motto des diesjährigen Weltverhütungstags „Talk (about) contraception – Über Verhütung sprechen.“ Fiala zu der Frage, warum Kommunikation so wichtig ist: „Es gibt kein für alle Menschen übliches, bestes Verhütungsmittel, sondern es geht immer darum, die Methode zu finden, die am wenigsten stört.“ Und die könne sich im Laufe der Zeit auch ändern.

Zum Weltverhütungstag fordern die Experten ein umfassendes Maßnahmenpaket, um die Anzahl ungewollter Schwangerschaften zu reduzieren. Unter anderem soll die Sexualerziehung an den Schulen weiter verbessert werden. Laut Weidinger kann Information nie zu früh einsetzen. „Echte Information ist in Verbindung mit Emotion altersadäquat. Ich beantworte das, was gefragt wird.“ Wichtig sei auch, so Weidinger, dass die Kinder lernen, dass sie selbst entscheiden können, wann der richtige Zeitpunkt für körperliche Nähe gekommen ist.

 

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