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Foto: PhotoDisc
Manchmal ist die Angst davor schlimmer als der Piekser selbst.
 
Kinder- und Jugendheilkunde 23. September 2009

Getarnter Schmerz

Ablenkung macht Impfen angenehmer.

Mit einer Impfung endet mancher Besuch beim Kinderarzt – zum Leid vieler kleiner Patienten, die sich schon bei der Begrüßung vor einer möglicherweise bevorstehenden Spritze fürchten. Ein ausgeklügeltes Ablenkungsmanöver soll Kinder nun von diesem Trauma befreien.

Unterschiedlichste Maßnahmen wurden bisher erprobt, um Kindern den Schmerz bei Injektionen zu nehmen, mit mehr oder weniger Erfolg. Am wirksamsten, so dachten US-amerikanische Wissenschaftler nun, müsste deshalb eine Kombination verschiedener Ansätze sein, und sie überlegten sich folgende Impfprozedur: Zunächst besprühten sie die Injektionsstelle mit Ethylchlorid und bearbeiteten die Haut rundherum mit einem kammartigen Plastikgerät. Ziel von Letzterem war, die Wahrnehmung von Druck und Schmerz zu verwischen. Dann strichen sie mit einem vibrierenden Stab den anderen Arm entlang, von oben nach unten. Das Kind sollte dies gut beobachten und das Wort „Ellenbogen“ sagen, sobald das Gerät diesen berührte. Genau in diesem Augenblick injizierte der Arzt den Impfstoff. Die Wissenschaftler erprobten ihre Methode an einer Gruppe von 20 vier- bis sechsjährigen Kindern und verglichen deren Schmerzempfindung mit der von 21 Altersgenossen, die ihre Spritze auf herkömmliche Art und Weise erhielten. Alle Patienten bezifferten ihren Schmerz auf einer Gesichterskala. Auch die Eltern versuchten das Gefühl ihrer Kinder auf dieser Skala abzuschätzen. Ein objektiver Beobachter beurteilte außerdem die Schmerzreaktionen der Kinder anhand von Videoaufnahmen. Die Kinder der Interventionsgruppe zeigten signifikant weniger Schmerz als ihre herkömmlich geimpften Gefährten. Es sei an der Zeit, es nicht als unvermeidbar hinzunehmen, dass Kinder sich vor Injektionen fürchten, fordern die Autoren. Lieber sollten Ärzte etwas mehr Zeit investieren, als später ein ängstliches und traumatisiertes Kind beruhigen zu müssen.

 

 

Quelle: Berberich, F. R. et al.: Pediatrics 2009; 124: e203-e209

medizin-online.de/PH, Ärzte Woche 39 /2009

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