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Abb. 1: Das Auditorium der Tagung; Vortragssaal im Renaissance Salzburg Hotel Congress Center
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Eduard Zentner, ehemaliger Gemeinderat für Kindergärten, Schulen und Sport in Irdning, Steiermark

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Mag. Claudia Posch von Styria vitalis

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DDr. Peter Koler,
Psychologe und Pädagoge aus Südtirol

 
Kinder- und Jugendheilkunde 22. September 2009

Gemeindearbeit statt Komasaufen

Gesunde Teenager? – Teil 3

Ausgehend von „Gesunde Teenager: Was können wir tun?“ (Heft 2/09) via „Über das Bild muss man es schaffen“ (Heft 3/09) sind wir nun bei Teil 3 unserer Serie über Gesundheitsförderung bei Jugendlichen gelandet. „Gesundheitsförderung trifft Jugendarbeit“ war der Titel der Veranstaltung, welche im September 2008 in Salzburg stattfand. Mag. Dietmar Schobel hat diese Serie für Sie verfasst.

Lesen Sie nun Teil 3: Wie kann die Gesundheit von Jugendlichen erhalten und gefördert werden? – Projekte und Kam- pagnen in Österreich und Südtirol sollen diese Frage in der Praxis beantworten.

In der 2.600-Seelen-Gemeinde Irdning verläuft das Leben meist beschaulich. Nur an den Wochenenden nicht. Dann zieht es hunderte Teenager in die örtliche Disco. Der Tanztempel liegt mitten im Zentrum, und am Sonntagmorgen bietet der nahe Kirchenpark nicht jenen Anblick, den sich die Kirchgänger wünschen würden. Das Spektrum an liegen gelassenem Müll umfasst so ziemlich alles, was zuvor der Berauschung dienlich war oder unerwünschte Liebesfolgen verhindern konnte.

„Weil sich immer mehr Bürger beschwerten, haben wir versucht, in der Jugendarbeit neue Akzente zu setzen und 2002 das Projekt „youth@work“ gestartet“, berichtete Eduard Zentner, ehemaliger Gemeinderat für Kindergärten, Schulen und Sport in der steirischen Marktgemeinde, bei einer Tagung zum Thema „Gesundheitsförderung trifft Jugend- arbeit“. Die vom Fonds Gesundes Österreich veranstaltete Konferenz fand im September 2008 in Salzburg statt. Sie sollte unter anderem Praxisbeispiele dafür präsentieren, wie das Wohlbefinden von Teenagern im Sinne des umfassenden bio-psycho-sozialen Gesundheitsbegriffs der Weltgesundheitsorganisation WHO gefördert werden kann.

Für die Gemeinde arbeiten

In Irdning wurde versucht, die Jugendlichen besser in die Gemeinde zu integrieren. Bei dem Projekt „youth@work“ haben Zwölf- bis 18-Jährige die Möglichkeit, in verschiedenen Einrichtungen des Ortes stundenweise mitzuhelfen. Eine Arbeitsstunde ergibt einen „Punkt“, was vom „Arbeitgeber“ in einer Art Sammelkarte bestätigt wird. Wenn ein Teenager also zum Beispiel auf dem örtlichen Bauhof bei der Mülltrennung geholfen hat, dann stempelt dessen Leiter dafür seine Punktekarte ab.

Weitere Arbeitsmöglichkeiten sind, den Senioren im örtlichen Altenheim Gesellschaft zu leisten, Nachhilfe zu geben oder im Kindergarten mitzuhelfen. Wer genügend Punkte gesammelt hat, erhält dafür auf dem Gemeindeamt Gutscheine. Für drei Punkte gibt es zum Beispiel eine Kinokarte, vier sind in verschiedenen Gastronomiebetrieben eine Pizza und ein alkoholfreies Getränk wert, sechs können beim Reitverein gegen eine Lehrstunde am Pferderücken eingetauscht werden.

900 Gutscheine

Seit dem Start der Initiative sind rund 3.600 Arbeitsstunden geleistet und rund 900 Gutscheine ausgegeben worden. Derzeit sind 160 Jugendliche für das Projekt angemeldet. „Durch die Initiative hat sich das Image von Jugendlichen in Irdning verbessert. Außerdem identifizieren sich jetzt auch viele Teenager selbst mehr mit ihrem Heimatort“, sagte Zentner zusammenfassend. Nur eines habe sich durch „youth@work“ nicht geändert: „Am Sonntag müssen allerdings nach wie vor um fünf Uhr früh die Straßenkehrer der Gemeinde mit der Säuberung des Kirchenparks beginnen.“

Nachhaltige Strukturen

Mag. Claudia Posch von Styria vitalis, der steirischen Einrichtung für Gesundheitsförderung, stellte in Salzburg die Initiative „Generationenübergreifende Kooperation“ (GeKo) vor. Diese soll auf regionaler Ebene im Bezirk Liezen Strukturen schaffen, die die Entwicklung von Projekten in einzelnen Gemeinden – wie etwa „youth@work“ – erleichtern und deren Bestehen nachhaltig sichern.

Das „organisatorische Herzstück“ von GeKo ist die „Großgruppe“, innerhalb derer sich Teilnehmer aus allen beteiligten Gemeinden treffen. Das können Ärzte und Sozialarbeiter aus den einzelnen Orten sein, aber auch Gemeindepolitiker, Vertreter von Vereinen und anderen Organisationen oder Geldgeber. Bei GeKo gibt es auch einen regionalen Projektfonds. „Damit es möglich ist, flexibel und kurzfristig Geld an lokale Initiativen zur Gesundheitsförderung für Jugendliche zu vergeben“, erklärte Posch.

Alle Projektinteressierten und Jugendlichen aus einer Region können bei diesem Fonds um Finanzierungen ansuchen. Ein Projekt, das im Rahmen von GeKo bereits umgesetzt wurde, ist etwa die „Fresh di Up“-Bar des Liezener Vereins Avalon. Diese mobile Theke soll es Veranstaltern von Festen und Feierlichkeiten auf unkonventionelle Art ermöglichen, ihren Gästen schmackhafte alkoholfreie Drinks anzubieten.

Nachdenken statt nachschenken

Mit dem Thema Alkohol hat sich auch die vom Fonds Gesundes Österreich im Vorjahr bundesweit durchgeführte Werbe-Kampagne „Nachdenken statt Nachschenken“ auseinandergesetzt. Im Rahmen der Informations-Offensive haben sich unter anderem 3.600 Handelsbetriebe und 1.900 Tankstellen verpflichtet, ihre Unternehmenspolitik an der „Nachdenken statt Nachschenken-Charta für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu orientieren“, so Mag. Christoph Hörhan. „Dass die Kampagne etwas bewirkt hat, zeigen zwei Umfrageergebnisse“, meinte der Leiter des Fonds Gesundes Österreich bei der Tagung in Salzburg: „Während 2006 bei einer Umfrage nur 34 Prozent der Jugendlichen berichteten, dass Gastronomen die Altersgrenze beim Alkoholverkauf kontrolliert hätten, waren es Anfang 2008 schon 42 Prozent.“

Ein „Gelbe-Zähne-Simulator“

Speziell für Teenager wurde auch die Website www.free-your-mind.it/de/ gestaltet. Sie enthält unter anderem Rubriken zu den Themen „Euroverheizen leicht gemacht“, „Rauchen und Sex“ sowie einen „Gelbe-Zähne-Simulator“. Eine erste Evaluation zeigt, dass bei den jugendlichen Kursabsolventen sowohl Reduktionen des Konsums als auch in Einzelfällen Nikotinabstinenz erreicht werden konnten.

Ein anderes Südtiroler Projekt zur Gesundheitsförderung und Suchtprävention heißt „Pit Stop“. Seit 2003 wird Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf verschiedenen großen Partys und Festen angeboten, an einem Stand eine Art „Boxenstopp“ zu machen. Sie finden dort nicht nur Informationsmaterial zu psychoaktiven Substanzen und Risikoverhalten, sondern können sich auch an Wasser, Obst und Süßigkeiten laben. Jugendarbeiter stehen für Gespräche zur Verfügung und auf Wunsch wird ein kostenloser und anonymer Alkoholtest durchgeführt. Wer mag, kann den „Pit Stop“ aber auch einfach nur als kurze Auszeit betrachten und sich ein wenig von allzu exzessivem Feiern erholen.

Freude an Bewegung fördern

Durch das Projekt „Erlebniswelt Sport“ will das „Forum Prävention“ Kindern und Jugendlichen aus Grund- und Mittelschulen die vielfältigen Möglichkeiten zeigen, sich zu bewegen und gleichzeitig etwas für die Gesundheit zu tun. An Austragungs- orten wie den Talferwiesen in Bozen, den Sportanlagen in Brixen oder dem Oberschulzentrum in Mals präsentieren möglichst viele verschiedene Sportvereine gleichzeitig ihre Angebote – von Badminton über Modern Dance und Kunstturnen bis zu Yoga und Zirkus-Artistik.

Schulklassen können bei den verschiedenen Bewegungsformen zusehen oder diese gleich ausprobieren. „2008 konnten wir so 39 Sportangebote vorstellen, die sonst in dieser Vielfalt nicht unbedingt zugänglich sind“, sagte DDr. Koler und betonte: „Uns ist dabei wichtig, dass nicht der Wettkampfgedanke im Vordergrund steht, sondern die Freude an der Be- wegung.“

Mag. Dietmar Schobel Tagung „Gesundheitsförderung trifft Jugendarbeit“, 19. 9. 2008, Salzburg
Gesunde Bewegung und Rauchreduktion in Südtirol
Der Psychologe und Pädagoge DDr. Peter Koler präsentierte auf der Tagung „Gesundheitsförderung trifft Jugendarbeit“ Südtiroler Projekte zur Gesundheitsförderung und Suchtprävention bei Teenagern. „2007 haben wir ein Programm zur Nikotinreduktion oder zum Nikotinausstieg für Jugendliche entwickelt. Denn bislang gab es noch keine derartige Initiative speziell für Teenager“, sagte der Direktor des Bozener „Forum Prävention“.
So ist das Projekt „Free Your Mind“ entstanden, das laut Koler „den Trend zum Nichtrauchen bei Jugendlichen stärken“ und „Ausstiegshilfen für jugendliche Raucher, welche ihr Rauchverhalten ändern wollen“ anbieten soll. Dazu zählt unter anderem die Möglichkeit, sechs Wochen lang kostenlos an einem Gruppenkurs zur Rauchreduktion teilzunehmen. Die Zahl der Teilnehmer ist auf maximal zehn Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren beschränkt.

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