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© Johnson & Johnson GmbH
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Abb. 1: Baden zwei Mal wöchentlich ist besser geeignet als Waschen mit einem Waschlappen, da es sich etwas positiver auf die Hautschutzbarriere auswirkt.

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Abb. 2: Messwerte der Studie (4), TEWL Baden vs. Waschen

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Abb. 3: Säuglinge, die zweimal wöchentlich mit einem milden Babywaschgel gebadet und anschließend bzw. nur mit einer Babypflegecreme eingecremt wurden, wiesen einen signifikant niedrigeren TEWL- und einen höheren SCH- Wert auf als diejenigen, die ausschließlich mit klarem Wasser gereinigt wurden.

 
Kinder- und Jugendheilkunde 21. September 2009

Baden oder Waschen?

Was kann der Kinderarzt empfehlen?

Die optimale und altersgemäße Hautpflege bei Neugeborenen und Säuglingen ist ein wichtiges Thema für Eltern, Hebammen und ärztliche Ratgeber. Zu Recht, denn die Ergebnisse neuer Publikationen (1-3) zeigen, dass die Hautschutzbarriere von Säuglingen nicht, wie oft angenommen, bereits nach vier Lebenswochen mit Erwachsenenhaut vergleichbar ist. Sie belegen für den Zeitraum des ersten Lebensjahres und sogar darüber hinaus, dass sich die Beschaffenheit der Säuglingshaut signifikant von der Erwachsener unterscheidet.

Die neuen Erkenntnisse erfordern ein Umdenken in der Pflege und begründen die Notwendigkeit einheitlicher, altersgemäßer Pflegeempfehlungen. Nur so kann eine bestmögliche Versorgung der Neugeborenen- und Säuglingshaut gewährleistet werden. Als wissenschaftliche Grundlage dienen neben umfangreichen Studien von Johnson & Johnson unter anderem zwei aktuelle klinische Studien der Klinik für Dermatologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin mit Neugeborenen (4-5), welche die Auswirkungen verschiedener Pflegeroutinen auf die physiologische Funktion der Säuglingshaut untersucht haben. Diese Untersuchungsergebnisse fanden Berücksichtigung bei der Entwicklung von Pflegeempfehlungen für Neugeborene und Säuglinge innerhalb der Charité–Universitätsmedizin Berlin. Sie sind unter anderen auch Grundlage für die Johnson & Johnson GmbH, erste evidenzgestützte Pflegeempfehlungen zum Thema Baden und Waschen für die gesunde Säuglingshaut zu entwickeln, um Eltern und beratenden Fachkreisen Orientierung im Umgang mit dem Nachwuchs zu geben.

Wir sprachen mit der Studienleiterin, Prof. Dr. Ulrike Blume-Peytavi, Leiterin der Kinderdermatologie des Klinischen Forschungszentrums für Haar- und Hauterkrankungen und Leitende Oberärztin an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Charité – Universitäts-medizin Berlin.

 

Pädiatrie & Pädologie: Wir freuen uns, Sie als Leiterin der beiden neuen Studien über Babypflege zu einem Gespräch gewonnen zu haben. – Warum kursieren derart viele unterschiedliche Hautpflegeempfehlungen, und was sind mögliche Folgen?

 

Blume-Peytavi: Viele Pflegeroutinen sind kulturell geprägt und basieren auf tradierten Erfahrungen oder schlichtweg auf Mythen. Bisher fehlte eine wissenschaftliche Grundlage, die für Klarheit hätte sorgen können. Die gängige Forschungsmeinung geht davon aus, dass das Stratum corneum nach etwa vier Wochen an die neuen Bedingungen ex utero angepasst und voll entwickelt ist. Dementsprechend halten viele eine spezielle Hautpflege für Säuglinge nicht für notwendig. Leider kann aber eine falsche Hautpflege mittelfristig einer gesunden Hautbarriere entgegenwirken und die Hautgesundheit gefährden. Es besteht also Handlungsbedarf.

 

Was zeigen die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, und ergeben sich daraus Konsequenzen für die Babypflege?

 

Blume-Peytavi: Aktuelle Studien haben die Entwicklung des Stratum corneum über einen längeren Zeitraum hinweg untersucht. Sie zeigen, dass entscheidende Hautparameter mindestens im gesamten ersten Lebensjahr nicht mit den Werten Erwachsener vergleichbar sind. Babyhaut weist eine höhere Durchlässigkeit von Wasser auf und zeigt keinen konstanten Feuchtigkeitsgehalt (1, 2, 3). Das bedeutet, es besteht die Gefahr, dass sie schneller austrocknet, dadurch verletzlicher wird und möglicherweise ihre Schutzfunktion nicht mehr zuverlässig ausüben kann. All dem sollte in der Hautpflege Rechnung getragen werden. Um in der gegenwärtigen Vielfalt von Empfehlungen und Ratschlägen Orientierung geben zu können, ist meines Erachtens die Formulierung anwendungsorientierter, evidenzgestützter und standardisierter Pflegeempfehlungen sinnvoll.

 

Sie haben kürzlich in zwei klinischen Studien an der Hautklinik der Berliner Charité verschiedene Pflegeroutinen untersucht – mit einem besonderen Studiendesign.

 

Blume-Peytavi: Ja, das Studiendesign untersuchte in beiden Studien die Auswirkungen verschiedener Pflegeroutinen über einen Zeitraum von vier bzw. acht Wochen direkt an Neugeborenen und Säuglingen unter sehr exakt kontrollierten Bedingungen. Bisher gab es nur wenige Forscher-gruppen, die Ergebnisse über einen vergleichbar langen Zeitraum und so streng kontrolliert vorgelegt haben.

 

Welche Ergebnisse haben Sie in Bezug auf die Pflegeroutinen Baden und Waschen erhalten?

 

Blume-Peytavi: In einer der beiden aktuellen klinischen Studien haben wir den Einfluss von Baden und Waschen auf die natürliche Anpassung und Funktion des Stratum corneum bei gesunden Neugeborenen untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass Baden zwei Mal wöchentlich besser geeignet ist als Waschen mit einem Waschlappen. Die Hautfeuchtigkeit war an manchen Körperstellen signifikant höher, wenn die Säuglinge gebadet wurden. Baden wirkt sich daher etwas besser auf die natürliche

Barriereentwicklung der Haut aus. (4).

 

Außerdem haben Sie die Auswirkungen von Babywaschgel und Babypflegecreme auf die Hautschutzbarriere untersucht. Was haben Sie heraus- gefunden?

 

Blume-Peytavi: Wir haben in einer weiteren klinischen Studie festgestellt, dass sich zweimal wöchentliches Baden mit einem milden Babywaschgel und anschließendes Eincremen bzw. nur Eincremen mit einer Babypflegecreme an einigen Körperstellen positiv auf die Funktion der Hautschutzbarriere auswirkt – im Vergleich zu einer ausschließlichen Reinigung mit klarem Wasser. Die Haut zeigte hierbei einen signifikant niedrigeren transepidermalen Wasserverlust (TEWL) und eine höhere Hydration im Stratum corneum (SCH) an einigen Körperregionen (5).

 

Was gilt es bei der Auswahl der Babypflegeprodukte zu beachten?

 

Blume-Peytavi: Die Produkte sollten in jedem Fall altersgemäß, das heißt speziell für Babys, entwickelt worden sein. Nur dann können sie den besonderen Bedürfnissen der Säuglingshaut gerecht werden und die natürliche Anpassung der Hautschutzbarriere positiv beeinflussen.

 

Planen Sie weitere Studien zu diesem Thema?

 

Blume-Peytavi: Es gibt eine Vielzahl weiterer wissenschaftlicher Fragestellungen, die für die Pflege der Neugeborenenhaut von großem Interesse sind. Sie betreffen vor allem den Stellenwert der Hautpflege für den Erhalt einer optimalen Hautbarriere sowie die Prävention von Hauterkrankungen. In erster Linie sind hier die Hautpflege des Frühgeborenen und die Pflege der Windelregion zu nennen.

 

Vielen Dank für das informative Gespräch!

Mit freundlicher Unterstützung der Johnson & Johnson GmbHLiteratur:

 

(1) Nikolovski, J. et al. (2008): Barrier function and Water-Holding and Transport Properties of Infant Stra-tum Corneum. J Invest Dermatol 128, 1728-1736.

(2) Stamatas, G.N., Martin, K. (2009): Baby Skin vs. Adult Skin Structure, Function and Composition. Cosm Toilet 124(4), 50-53.

(3) Stamatas, G.N. et al. (2009): Infant Skin Microstructure Assessed In Vivo Differs from Adult Skin in Organization and at the Cellular Level. Ped Dermatol (in press).

(4) Garcia Bartels et al. (2009): Influence of bathing or washing on skin barrier function in newborns during the first four weeks of life. Skin Pharmacol Physiol. 22(5):248-257

(5) Garcia Bartels et al. (2009): Effect of standardized skin care regimens on neonatal skin barrier function in different body areas. Ped Dermatol (in press).

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