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Kinder- und Jugendheilkunde 1. September 2009

Falsche Schreibhaltung bringt Gesundheitsprobleme

Tausende Schulanfänger beginnen in wenigen Tagen Schreiben und Lesen zu lernen. Mit der Einschulung kommen sie in eine Phase, in der Kinder einen Großteil ihrer Zeit am Schreibtisch sitzend verbringen. "Falsche Schreibhaltung kann schulische Leistungen beeinträchtigen oder zu gesundheitlichen Problemen führen", sagte der deutsche Sensomotorik-Experte Christian Marquardt am 31. August.

Durch das Verkrampfen der Schreibhand kann es zu schlechter Körperhaltung kommen. Diese wird vor allem dadurch verursacht, dass die Kinder zu viel Druck ausüben. "Durch die einseitige Belastung können Schmerzen entstehen, die sich bis in den Arm, die Schulter und den Rücken ziehen", sagt Marquardt. Aus diesem Grund geht die Lust am Schreiben verloren, was zur Beeinträchtigung schulischer Leistungen führen kann.

Allerdings ist es bei der Einschulung oft schon zu spät, da Haltungsprobleme schon im Kindergarten entstehen. "Das Verkrampfen der Schreibhand ist keine schlechte Angewohnheit der Kinder, sondern entsteht intuitiv", sagte Marquardt. Man müsse am Material ansetzen. Sessel und Tische müssen der Größe des Kindes angemessen sein. Durch die Verwendung ergonomischer Stifte soll der Schreibvorgang erleichtert werden. Außerdem ist es wichtig, dass Kinder nicht versuchen, zu komplizierte Aufgaben zu erfüllen, beispielsweise sehr klein zu schreiben, da sie dann noch mehr verkrampfen.

Linkshänder sind gefährdet
Besonders Linkshänder sind gefährdet. Sie schreiben "in die falsche Richtung", ist Gerlinde Stölzl, Leiterin des österreichischen Instituts für Linkshänder überzeugt und fordert, dass linkshändige Kinder in der Schule von rechts nach links schreiben dürfen. Durch das Schreiben von links nach rechts bilden Kinder häufig eine "Hakenhand" und verkrampfen sich. Durch diese unnatürliche Anstrengung kommt es zu Muskelverspannungen, die zu Problemen im gesamten Wirbelsäulenbereich führen können.

Spezielle Stifte bieten linkshändigen Kindern Sicherheit, da sie weniger rutschen und die Kinder beim Schreiben weniger Kraft aufwenden müssen, sagte Stölzl. "Diese Stifte wirken dem Versagensgefühl vieler linkshändiger Kinder entgegen." Durch eine "Umschulung" gebürtiger Linkshänder kann es nicht nur zu gesundheitlichen Problemen mit Wirbelsäule und Haltung kommen. Auch das Risiko verschiedener psychologischer Folgen steigt bei Menschen, die mit der für sie falschen Hand schreiben. "Bei umgelernten Linkshändern können Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen, Hyperaktivität oder Zurückgezogenheit kommen. Das kann bis zu Persönlichkeitsstörungen im Erwachsenenalter reichen", sagte Stölzl.

apa.at

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