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Abb. 1: Anlässlich der 35. Jahrestagung der Gesellschaft für Neuropädiatrie, die heuer von 23. bis 26. April bereits das zweite Mal in ihrer Geschichte in Graz stattfand, lud Tagungspräsidentin Ao. Univ.-Prof. Dr. Barbara Plecko zu einem Pressegespräch. (
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35. Jahrestagung und 6. Fortbildungsakademie

Gesellschaft für Neuropädiatrie

Im Bereich der Neurowissenschaften gibt einen rasanten Wissenszuwachs, welcher nur durch eine weitere Spezialisierung der Fachärzte zu bewältigen ist.

Die Tagung, die 700 Teilnehmer zählte und Vorträge von 20 Experten auf dem Gebiet der Neuropädiatrie anbot, befasste sich mit allen Teilbereichen der Neuropädiatrie und präsentierte einen Fokus auf „Orphan diseases“, seltene Erkrankungen mit einer Prävalenz von unter 1:2000. Prof. Plecko berichtete über den enormen Fortschritt der Neuropädiatrie in Diagnose und Therapie in den letzen Jahren. „Die Betreuung dieser meist schwer kranken Patientinnen und Patienten ist sehr zeit- und personalintensiv“, erläuterte Plecko ihre Arbeit und appelliert um Akzeptanz für die meist schwer kranken Kinder innerhalb der Bevölkerung und der Gesundheitspolitik.

Der enorme Wissenszuwachs in Gebiet der Neuropädiatrie, die sich mit neurologischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen, angeborenen Stoffwechselerkrankungen und seltenen Erbkrankheiten beschäftigt, erfordert eine immer bessere Spezialisierung und optimierten Wissenstransfer, wozu nicht zuletzt diese Tagung beitrug.

 

Prof. Dr. med. Florian Heinen, Präsident der Gesellschaft für Neuropädia-trie, fasste die Aufgabe der Neuropädiatrie zusammen: „Die Medizin soll eine möglichst gute Partizipation der Patienten am normalen Leben ermöglichen.“ „Das Zusatzfach Neuropädiatrie ist innerhalb der Pädiatrie sehr angesehen und für Pädiater sehr attraktiv“, so Heinen. Vor einigen Jahren wurde das Zusatzfach Neuropädiatrie auch in Österreich anerkannt. „Die Neuropädiatrie war immer ein besonderes Anliegen von mir!“, bestätigte auch Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Müller, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz. „Der Kinderfacharzt ist für die hochspezifische Diagnostik und Therapie dieser Kinder nicht ausgebildet, daher sind ein bis zwei hochspezialisierte Zentren für Neuropädiatrie in Österreich notwendig!“, unterstrich Müller seine Forderung nach der Schaffung einer eigenen Abteilung für Neuropädiatrie, welche de facto in Graz schon vorhanden sei und nur mehr am Papier bestätigt werden müsse. Ebenso sei an der Medizinischen Universität Graz inzwischen ein europäisches Referenzlabor für Stoffwechselerkrankungen vorhanden. Im Entwicklungsplan der MedUni Graz ist die Einrichtung einer solchen Abteilung seit längerem geplant, diese wäre somit die erste universitäre Abteilung für Neuropädiatrie in Österreich.

 

Etwa 20 Prozent der Patienten an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz werden vom Team der Neuropädiatrie betreut. In der Steiermark gibt es für die Betreuung dieser Patienten sieben Kinderneurologen pro 1 Million Einwohner, womit die Steiermark im Vergleich mit Rest-Österreich schlecht versorgt ist (12,5 pro 1 Mio. Einwohner). Auch dieser Umstand ist für Müller und Plecko ein Grund, die Neuropädiatrie auszubauen, um die Versorgung der Patienten zu optimieren.

 

„Im Bereich der Neurowissenschaften gibt es in den letzten Jahren einen rasanten Wissenszuwachs, welcher nur durch eine weitere Spezialisierung der Fachärzte bewältigbar ist“, erläutert Prof. Dr. med. Ingeborg Krägeloh-Mann, Vertreterin der Gesellschaft für Neuropädiatrie innerhalb der Europäischen Gesellschaft für Neuropädiatrie und Tagungs- präsidentin der nächsten Tagung, die 2010 in Mannheim stattfinden wird.

Die neuropädiatrische Forschung trägt mit ihren Erkenntnissen auch ganz wesentlich zum Verständnis der Hirnentwicklung bei, was auch Auswirkungen auf Therapiekonzepte der Erwachsenenneurologie hat.

 

Im Rahmen der Tagung der Gesellschaft für Neuropädiatrie werden jedes Jahr der Emil-Becker-Preis sowie ein Jungforscherpreis vergeben. Dieses Jahr ging der Jungforscherpreis an Friederike Möller von der Universität Kiel. Sie erhielt den Preis für den Nachweis der Bedeutung tiefer Hirnzentren in der Entstehung generalisierter epileptischer Anfälle mittels EEG und funktioneller Magnetresonanztomographie. Der Emil-Becker-Preis ging an Peter Rosenbaum aus Montreal, einen Pionier der Erforschung der kindlichen Cerebralparese.

Quelle: Pressekonferenz zur 35. Jahrestagung und 6. Fortbildungsakademie, 23.-26. April 2009, Graz

Dr. Thomas Trabi

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Dr. Thomas Trabi, Pädiatrie & Pädologie 3/2009

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