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© Univ.-Klink für Kinderchirurgie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, SALK
Abb. 1: Kolontransitkapseln
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Abb. 2: elongiertes Sigma

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Abb. 3: Kolontransitzeit 55 Stunden

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Abb. 4: Kolontransitzeit 33,6

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Abb. 5: elongiertes Sigma

 

Die Kolontransitzeitbestimmung bei Kindern mit Stuhlproblemen – sinnvoll?

Zusammenfassung:

Stuhlprobleme im Kindesalter sind häufig. Neben einer ausführlichen Anamnese und klinischen Untersuchung bedarf es auch radiologischer Untersuchungen. Bei komplexen Missbildungssyndromen mit Stuhlproblemen kommt das dynamische Becken-MRT zum Einsatz, einfachere Obstipationsformen werden mittels Defäkographie und Kolontransitzeit untersucht. Gerade die Kolontransitzeit ist eine einfache Untersuchung, welche zur Diagnosestellung und zur Verlaufskontrolle eingesetzt wird. Während diese bei Erwachsenen eine etablierte Untersuchung darstellt, gibt es bei Kindern nur einige wenige Arbeiten in der Literatur. Wir haben bei 25 Kindern mit Stuhlproblemen unterschiedlicher Pathogenese die Kolontransitzeit bestimmt. Es gibt keine einheitliche Richtzeit.

Normalzeiten bewegen sich zwischen 25 und 84 Stunden. Die durchschnittliche Kolontransitzeit unserer Patienten betrug 53,6 Stunden.

Unseres Erachtens eignet sich die Kolontransitzeit sehr gut zur Primärdia-gnostik, aber auch zur Verlaufskontrolle.

Methode:

Bei 25 Kindern mit Stuhlproblemen unterschiedlicher Pathogenese wurde wie folgt die Kolontransitzeit bestimmt:

Die Patienten erhielten an sechs Tagen röntgendichte Marker unterschiedlicher Form. Bei kleineren Kindern wurden die Kapseln eröffnet und die Marker mit etwas Nahrung auf einem Löffel verabreicht. Größere Kinder konnten problemlos die Kapseln schlucken (Abb. 1). Am siebenten Tag wurde ein Abdomen-Röntgen durchgeführt. Zeitpunkt der Markereinnahme und Zeitpunkt des Röntgens sollten möglichst gleich sein.

Die Kolontransitzeit wurde nach folgender Formel berechnet:

Kolontransitzeit = Summe der Marker 3 2,4

Patienten:

Das Patientengut umfasst 25 Kinder mit Stuhlproblemen unterschiedlicher Pathogenese. 17 Patienten entwickelten eine chronische Obstipation nach einer schmerzhaften Analfissur mit konsekutivem Stuhlverhalten. Die anderen acht Patienten weisen folgende Grunderkrankunken auf: Analatresie (2), Currarino Trias (1), Mb. Hirschsprung (2), Neuronale intestinale Dysplasie (3).

Ergebnisse:

Die häufigste Ursache von Stuhlproblemen ist eine schmerzhafte Defäkation mit Analfissur. Diese Schmerzen sind ursächlich für das folgende Stuhlverhalten verantwortlich. Ein weiterer Faktor könnte ein elongiertes Sigma sein (Abb. 2, 5).

 

Sieben von 17 Kindern wiesen in der Defäkographie ein elongiertes Sigma auf. Die durchschnittliche Kolontransitzeit dieser Patienten betrug 70,25 Stunden. Nach Therapie mit Lactulose, Natriumpicosulfat, Balaststoffgranulat konnte entsprechend dem Therapieerfolg die durchschnittliche Kolontransitzeit auf 48 Stunden gesenkt werden.

Ein Patient mit einem massiv elongierten Sigma hatte jedoch nur eine Kolontransitzeit von 55 Stunden bei einer fraglichen Anamnese von ein bis zwei Stuhlportionen pro Woche (Abb. 3). Hier konnte eine normale Passagezeit die Anamnese relativieren, da der Patient auf Nachfrage doch zweitägig Stuhl hatte.

Die übrigen Patienten ohne elongiertes Sigma hatten eine durchschnittliche Kolontransitzeit von 81, 25 Stunden. Unter gleicher Therapie und Steigerung der Trinkmenge verringerte sich die Kolontransitzeit auf 41 Stunden. Die Kolontransitzeit diente zur Dokumentation des Behandlungs- erfolges.

 

Bei den acht Patienten mit oben genannten Grunderkrankungen wurde die Kolontransitzeit zur Verlaufskontrolle eingesetzt. Die Patienten mit neuronaler intestinaler Dysplasie wurden nach Rectumbiopsie konservativ behandelt (Natriumpicosulfat, Lactulose, Ballaststoffgranulat). Eine Patientin mit regelmäßiger Stuhlentleerung hatte demnach eine Kolontransitzeit von 40 Stunden, ein Patient mit dreitägigen Stuhlintervallen eine Transitzeit von 70 Stunden. Bei Compliance Probleme eines dritten Patienten verschlechterte sich die Kolontransitzeit von 72 auf 132 Sunden!

Die Patienten mit Analatresie (rectovesicale Fistel, rectoprostatische Fistel) hatten unter Bowel-Management Kolontransitzeiten von 40,8 und 45.

Auch klinisch hatten die Patienten keine Stuhlprobleme. Hier diente die Kolontransitzeit als Parameter für erfolgreich erlerntes und durchgeführtes Bowel-Management durch die Eltern.

Der Patient mit Currarino Syndrom (präsacrales reifes Teratom, Rectumstenose, os sacrum Dysgenesie, Hufeisenniere, neurogene Blasenentleerungsstörung) hatte ebenfalls unter suffizientem Bowel-Management eine Passagezeit von 26,4 Stunden.

Der Patient mit Mb. Hirschsprung (kurze Form) hatte anamnestisch Stuhlprobleme. Eine Re-Biopsie ergab Ganglienzellen ohne Hinweise für NID.

Unter konservativer Therapie (s. oben) betrug die Kolontransitzeit 33,6 Stunden (Abb. 4). Ein zweiter Patient mit Mb. Hirschsprung hatte nach bioptisch gesicherter ausreichender Resektion trotzdem Stuhlprobleme und infolge mangelnder Compliance der Eltern eine Passagezeit von 105 Stunden. Hier konnte den Eltern anhand des Röntgenbildes die Problematik verdeutlicht werden und eine entsprechende Therapie eingeleitet werden.

Zusammenfassung:

Die Stuhlgewohnheiten bei Kindern sind sehr verschieden. Die Norm bewegt sich zwischen ein- bis zweimal täglich bis dreimal wöchentlich, bei gestillten Säuglingen fünf- bis sechsmal täglich bis einmal in 14 Tagen. Dies zeigt auch die Tabelle mit Kolontransitzeiten gesunder Kinder in verschiedenen Untersuchungen (Tabelle 1).

 

Obstipation wird generell als Stuhlretention infolge unvollständiger Stuhlent-leerung definiert. Bei chronischer Obstipation liegt eine Beschwerdedauer von mehr als drei Monaten vor. Die Stuhlfrequenz kann, muss aber nicht vermindert sein. Dies spiegelt sich auch in den Anamnesen wieder, welche oft schwierig zu erheben sind und bezüglich des Wahrheitsgehaltes oft sehr zweifelhaft sind.

 

Stuhlprobleme können zu zentralen Familienthemen werden, die unterschiedlichsten Verdrängungsmechanismen können gesehen werden.

Literatur:

 

1.) Di Lorenzo C, Flores AF, Reddy SN, et al: Use of colonic manometry to differentiate causes of intractable constipation in children. J Pediatr 120: 690-695, 1992

 

2.) Meunier P, Lois D, Jaubert de Beujeu M: Physiologic investigation of primary chronic constipation in children: Comparison with the barium enema study. Gastroenterol 87:1351-1357, 1984

 

3.) Grosse K-P, Keller KM, Behrens R, Becker M (1990) Chronische Obstipation im Kindesalter. Richtlinien der Arbeitsgruppe Obstipation im Kindesalter der Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE). Monatsschr Kinderheilkd (1990) 138:231-233 und der Kinderarzt (1990) 21: 1049-1050

 

4.) Lumb PD, Moore L (1998) Back to the drawing board. Intestinal neuronal dysplasia typ B: not a histilogical entity yet. Virchows Arch 432:99-102

 

5.) Zaslvsky C, da Silveira TR, Maguilnik I: Total and segmental colonic transit time with radio-opaque markers in adolescents with functional constipation. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 27:138-142, 1998

 

6.) Abrahamsson H, Antov S, Bosaeus I: Gastrointestinal and segmental colonic transit time evaluated by a single abdominal x-ray in healthy subjects and constipated patients. Scand J Gastroenterol 23:72-80, 1988

 

7.) Metclaf AM, Phillips SF, Zinsmeister AR, et al: Simplefied assesment of segmental colonic transit. Gastroenterol 92:40-47, 1987

 

8.) Wagner S, Shankar KR, Turnock RR, Lamont GL, Baillie CT: Colonic transit time – what is normal? J of ped surgery 39:166-169, 2004

 

9.) Gutierrez C, Marco A, Nageles A, Tebar R: Total and segmental colonic transit time and anorectal manometry in children with chronic idiopathic constipation.J Pediatr.Gastroenterol Nutr.2002 Jul;35(1):31-8

 

10.) Bouchoucha M, Devroede G, Renard P, Arhan P, Barbier JP, Cugnenc PH: Compartmental analysis of colonic transit reveals abnormalties in constipated patient with normal transit. Clin.Sci (Lond) 1995 Aug;89(2):129-35

 

11.) Corraziari E, Cucchiara S, Staiano A, Romaniello G, Tambuirini O, Torsoli A, Aurrichio S: Gastrointestinal transit time, frequency of defecation and anorectal manometry in healthy and constipated children. J Pediatr.1985 Mar;106(3):379-82

 

12.) Messina M, Meucci D, Di Maggio D, Garzi A, Lagana C, Tota G: Idiopathic constipation in children: 10-year-expirence. Pediatr.Med.Chir, 2000 Jul-Aug; 21(4):187-91

Tab. 1: Kolontransitzeiten gesunder Kinder
UntersuchungAnzahl Pat.AlterKTTOberes Limit
Arhan et al 23 < 15a 29 62,0
Corraziari et al 78 2 mo bis 12a 25 32,4
Bautista et al 10 6-14a 37,8 50,2
Tota et al 15 3-14a 22,3 25
Gutierrez et al 30 2-14a 29,08 45,68
Eigene Pat. 25 4-15a 39.6 84
Fazit für die Praxis
So betrachtet, eignet sich die Kolontransitzeit zur Primärdiagnostik und zur Verlaufskontrolle. Die Einnahme der Kolontransitkapseln ist altersunabhängig leicht möglich und die Compliance der Eltern unserer Erfahrung nach sehr gut. In modernen Durchleuchtungsanlagen ist die Strahlenbelastung tolerabel. Bezüglich der variierenden Norm-Kolontransitzeit erscheint uns ein Bezug auf den Patienten individuell sinnvoll.
Immer wieder sieht man bei obstipierten Kindern ein elongiertes Sigma. Die pathogenetische Bedeutung ist oft schwierig. Gerade hier stellt sich die Kolontransitzeitbestimmung als wertvolle Zusatzuntersuchung dar, wenn es um eine eventuelle Operationsindikation bei Therapieresistenz geht.

C. Heil, G. Schimpl 1, Pädiatrie & Pädologie 3/2009

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