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Allgemeinmedizin 24. April 2008

Brei mit Nebenwirkung

Bestimmte künstliche Farbstoffe und Aromen können Verhaltensänderungen bei Kindern auslösen, so die Erkenntnis einer Studie (McCann D et al., Lancet 2007; 370:1560-1567). Die britische Lebensmittelbehörde hat nun die EU aufgefordert, ein Verbot für bestimmte Zusatzstoffe in Säuglingsnahrung auszusprechen. Dies fordert DI Dr. Hans-Peter Hutter, Institut für Umwelthygiene, MedUni Wien, auch für Österreich.

Es gibt Hinweise dafür, dass bestimmte Aromastoffe nicht nur die Geschmacksempfindung und Präferenzen von Kindern lebenslang beeinflussen, sondern auch toxische Wirkungen entfalten können. „Diese Chemikalien haben keinerlei Nährwert. Farbstoffe etwa werden nur aus Marketinggründen beigesetzt – nämlich um die Attraktivität des Produktes bei Kindern zu erhöhen“, kritisiert Hutter.

Konkrete Forderungen

Manche Azo-Farbstoffe und z.B. Cochenillerot stehen in Verdacht Allergien zu verursachen, andere können sogar neurologische Auswirkungen haben: „Studien zeigen, dass die Farbstoffe E 102 (Tartrazine), 104, 110, 122, 124, 129 und das Konservierungsmittel E 211 (Natrium Benzoat) das Auftreten von Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefizitstörungen bei Kindern mit beeinflussen können“, erklärt Hutter. „Es gibt daher keine Rechtfertigung mehr dafür, dass diese Zusatzstoffe weiterhin in Lebensmitteln für Kindern verwendet werden“, meint der renommierte Toxikologe Prof. Dr. Vyvyan Howard, Universität Belfast. „Bereits aus rein vorsorglichen Überlegungen sollten sie verboten werden.“
„Die ersten Studien zu den Folgen von Zusatzstoffen in (Kinder-) Nahrungsmitteln sind bereits mehr als 30 Jahre alt (Feingold BF et al. 1975). Der Beschluss neuer EU-Reglements ist daher dringend erforderlich“, so Hutter. Bereits erlassen wurde eine EU-Richtline zur Babynahrung: Sie sieht vor, dass kommerzielle Lebensmittel für Kinder im ersten Lebensjahr keine künstlichen Zusatzstoffe enthalten und praktisch frei von Pestiziden sind. Hutter fordert die Gesetzgeber in Österreich auf, diese vernünftige Regelung umzusetzen und auf alle Lebensmittel auszudehnen, die für Kinder bestimmt sind. Ein Problem sieht Hutter in der verwaltungstechnischen Umsetzung: „Die derzeit durchgeführten stichprobenartigen Kontrollen auf verbotene Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Dergleichen Substanzen zu finden ist jedenfalls kein einfaches Unterfangen und kostet auch viel Geld.“

Quelle:
Presseaussendung der Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt

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