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Anhaltende Psychose nach Ingestion des Pilzes Amanita muscaria

Amanita muscaria ist ein Pilz mit einer leuchtend roten oder orangen Kappe mit kleinen weißen Flecken. Er enthält Isoxazol-Derivate, Ibotensäure, Muskimol und Muscazon und andere Toxine, wie etwa Muskarin. Die Dauer der klinischen Symptome nach dem Verzehr von Amanita muscaria ist üblicherweise nicht länger als 24 Stunden. Wir berichten über eine über fünf Tage anhaltende paranoide Psychose nach der Einnahme von Amanita muscaria. Ein 48-jähriger Mann mit völlig blander medizinischer Anamnese sammelte und aß Pilze, die er als Amanita caesarea agnostizierte. Eine halbe Stunde nach der Einnahme begann er zu erbrechen – anschließend schlief er ein. Er wurde komatös mit krampfartigen Zustand aufgefunden. Bei Eintreffen im Spital war er komatös – seine sonstige klinisch physikalische und neurologische Untersuchung ergab einen normalen Befund. Die Creatin-Kinase betrug 8,33 μkat/l. Die übrigen Laborbefunde und das Schädel-CT waren normal. Das toxikologische Screening ergab keinen Hinweis auf Medikamente im Blut und im Harn. Unser Pilzexperte identifizierte Amanita muscaria in den übrig gebliebenen Pilzen. Dem Patienten wurde aktivierte Tierkohle gegeben. 10 Stunden nach Einnahme des Pilzes erwachte er. Zu diesem Zeitpunkt schien er völlig orientiert. 18 Stunden nach der Einnahme verschlechterte sich der Zustand wieder; der Patient wurde verwirrt und zunehmend unkooperativ. Danach trat ein paranoid psychotisches Zustandsbild mit visuellen und akustischen Halluzinationen ein, welches fünf Tage lang anhielt. Ab dem sechsten Tag nach Einnahme begannen die psychotischen Symptome zu verschwinden. Ein Jahr später ist der Patient ohne jede Therapie und ohne Symptome psychiatrischer Erkrankung. Wir folgern daraus, dass eine paranoide Psychose mit visuellen und akustischen Halluzinationen noch 18 Stunden nach Einnahme von Amanita muscaria auftreten und bis zu fünf Tage lang anhalten kann.

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