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© Sissi Furgler Fotografie
Prof. Dr. Lars Peter Kamolz ist Abteilungsleiter der Plastischen Chirurgie des LKH-Universitätsklinikums Graz.
 
Intensiv- und Notfallmedizin 10. November 2015

„In den vergangenen zehn Jahren hat es vor allem bei der Lokaltherapie beachtliche Verbesserungen gegeben“

3 Fragen, 3 Antworten

Die wiedererlangte Lebensqualität hat sich aufgrund der Fortschritte in der Brandverletztenbehandlung deutlich verbessert; es ist aber noch immer Luft nach oben. Die ausschließliche Behandlung von Brandverletzungen in dafür spezialisierten Abteilungen (von der Akutphase bis zur rekonstruktiven Phase) und die aktive Beteiligung dieser an der Forschung und Prävention wären ein wichtiger Schritt nach vorne.

Was hat sich in den verganenen Jahren in Hinblick auf die Brandverletztenbehandlung getan?

Kamolz: Gerade auf dem Gebiet der Brandverletztenbehandlung hat sich sehr viel getan. Da immer mehr Patienten auch schwerste Verbrennungen routinemäßig überleben, hat sich das Hauptaugenmerk in Verbrennungsbehandlung auf die Qualität der Behandlung und damit auf die wiederzuerlangende Lebensqualität gerichtet. Die frühzeitige Rekonstruktion der geschädigten Haut hat an Bedeutung zugenommen, aber auch in der präklinischen Versorgung haben sich deutliche Veränderungen ergeben; von der ausgeprägten Kühlung des Patienten wurde z. B. Abstand genommen – es wird eher geschaut, dass der Patient nicht auskühlt. Aber auch in der Flüssigkeitssubstitution ist man deutlich restriktiver geworden und die gegebenen Volumina haben sich deutlich reduziert.

Vor allem im Bereich der Lokaltherapie hat es signifikante Verbesserungen gegeben. Es kommen immer bessere Verbandsmaterialien zum Einsatz, die zu einer Reduktion der notwendigen Verbandswechsel und zu einem besseren Abheilen der eher oberflächlichen Verbrennungen geführt hat. Insgesamt steht den Ärzten eine noch größere Vielzahl an Verbands- und Hautersatzmaterialien und Transplantationstechniken zur Verfügung. Dieses führt einerseits zu einer deutlich verbesserten Behandlungsqualität, macht aber auch die Behandlung noch etwas komplexer, sodass die Patienten heute noch mehr als vor zehn Jahren von der Behandlung an einem Zentrum, wie z. B. in Graz, profitieren.

Welche Notfälle von schweren Verbrennungen sehen Sie häufig in der Klinik und Ihr Rat zur Prävention?

Kamolz: An unserem interdisziplinären Zentrum in Graz sehen wir vor allem zwei Altersgruppen mit Verbrennungen bzw. Verbrühungen. Im Kindesalter stehen die Verbrühungen im Vordergrund. Im Erwachsenenalter sind eher klassische Verbrennungen bzw. Stromunfälle die Regel, wobei es hier saisonale Unterschiede gibt. Klassisch sind beispielsweise die Grillunfälle im Sommer oder die Advent- und Christbaumbrände in der Weihnachtszeit.

Prävention wäre eigentlich in vielen Bereichen relativ einfach. Beispielsweise das Anbringen von Herdschutzgitter in der Küche würde sicherlich die Anzahl an Verbrühungen reduzieren, die sich häufig durch das Herunterziehen eines, mit kochendem Wasser gefüllten, Topfes ereignen. Aber auch das Anbringen von Rauchmeldern würde die Anzahl an Hausbränden mit tödlichem Ausgang reduzieren. Eine zusätzliche Altersgruppe, der wir in Zukunft spezielle Aufmerksamkeit schenken müssen, ist die Gruppe der älteren Menschen, denn auch hier würde nämlich der Prävention eine wichtige Aufgabe zukommen und viele sinnlose Unfälle vermeiden.

Woran forschen Sie derzeit in Bezug auf Brandverletzungen?

Kamolz: An unserer Forschungseinheit für Geweberegeneration und Geweberekonstruktion befassen wir uns einerseits sehr intensiv mit der Entwicklung neuer Hautersatzmaterialien und Transplantationstechniken, andererseits mit der Entwicklung von Substanzen, die die Zellschädigung, die sich im Rahmen einer Verbrennung ereignet, reversibel macht und es damit ermöglicht, dass sich das geschädigte Gewebe erholt; d. h. Geweberegeneration anstelle Gewebereparation.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt, den wir zusammen mit den Kollegen in Linz betreiben, ist die Optimierung und Objektivierung der Tiefen- und Flächenbestimmungen von Verbrennungen; ein wichtiger Punkt, da z. B. die Flüssigkeitssubstitution entscheidend durch die beteiligte Körperoberfläche bestimmt wird.

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