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Prim. Mag. Dr. Günther Sumann, Leiter des Institutes für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Salzkammergut-Klinikum Vöcklabruck
 
Intensiv- und Notfallmedizin 14. September 2015

„Ich selbst bin immer nur dort hinaufgestiegen, wo ich meine Ausrüstung noch selbst tragen konnte.“

3 Fragen, 3 Antworten zu Höhenkrankheiten

Dr. Günther Sumann war schon oft in extremen Höhen unterwegs. Er hat Trekkings und Expeditionen im Himalaya als Arzt begleitet, mehrwöchige Radtouren in den Anden und in Ladakh unternommen und Fünf- und Sechstausender bestiegen. Vom Expeditionstourismus auf den Everest hält er wenig.

Wie viele Touristen verträgt der Himalaya?

Sumann: Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Die beruflichen Verpflichtungen lassen uns kaum Zeitreserven für mehrwöchige Unternehmungen. Daneben sollte man noch viel Zeit für die persönliche Vorbereitung aufbringen. Die meisten meiner Unternehmungen haben wir in einer Gruppe von Freunden selbst organisiert. Heute hätte ich dafür nicht mehr ausreichend Zeit. Wenn man sich trotzdem den Wunsch nach Abenteuer und beeindruckenden Bergerlebnissen erfüllen will, ist man zunehmend auf organisierte Unternehmungen und Expeditionen angewiesen. Damit ist man schon Teil von „touristischen“ Unternehmungen. Ich glaube, man sollte hier nicht leichtfertig urteilen und mit dem Finger auf andere zeigen.

Wenn es um sehr anspruchsvolle Expeditionen auf Achttausender oder auf extrem schwierige Berge geht, sollte man keinesfalls glauben, dass man sich mit Geld ein Abenteuer erkaufen kann, ohne entsprechend leistungsfähig zu sein. Aushängeschild im negativen Sinne ist der Expeditionstourismus auf den Everest. Davon halte ich wenig! Man sollte sich nicht mehr zumuten, als man kann. Ich selbst bin immer nur dort hinaufgestiegen, wo ich meine Ausrüstung noch selbst tragen konnte.

Wie viele Einsätze fliegt Ihr Team jedes Jahr, um Personen mit akuter Bergkrankheit, Höhenlungenödem (HAPE) oder Höhenhirnödem (HACE) zu bergen?

Sumann: Alpine Hubschraubereinsätze aufgrund von höhenmedizinischen Problemen sind bei uns selten. Symptome im Sinne einer Akuten Bergkrankheit treten wahrscheinlich häufig auf, werden jedoch von den Betroffenen oft nicht als solche erkannt. Heftige Kopfschmerzattacken, Schlaflosigkeit und Inappetenz sind auf hoch gelegenen Schutzhütten häufig zu beobachten. Schwere Formen der Bergkrankheit wie HAPE oder HACE sind in unseren Höhenlagen unter 4.000 m selten, aber sehr wohl möglich. Die Größenordnung liegt bei etwa einem Fall eines Höhenlungenödems pro Saison in den Tiroler Bergen.

Ich selbst hatte vor Jahren als Christophorus-Notarzt am Fuße des Kaunertaler Gletscherschigebiets auf 2.700 m Höhe den seltenen Fall eines HAPE bei einem vier Monate alten Säugling zu behandeln.

Geschehen diese Notfälle aus einer Unvernunft heraus?

Sumann: In den Alpen rechnet man selbst nicht mit höhenbedingten Gesundheitsproblemen. Hier werden wahrscheinlich die Betroffenen meistens von den Symptomen überrascht und erkennen diese kaum als Höhenprobleme. Trotzdem spielt es selbstverständlich eine Rolle, ob man sein Verhalten an die eigene Kondition und die alpinen Anforderungen anpasst.

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