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Rasche Entlastung

Dekompression bei CPR: Schneller ist besser.

Die Geschwindigkeit, mit der sich der Thorax in den Entlastungsphasen einer CPR in den Ausgangszustand zurückbewegt, korreliert mit der Chance des Patienten, den Herzstillstand (in guter neurologischer Verfassung) zu überleben.

Bei der Reanimation per Herzdruckmassage (cardiopulmonary resuscitation; CPR) kommt es nicht nur darauf an, dass die Qualität der Kompressionen stimmt, sprich Tiefe (5–6 cm), Frequenz (100–120/Minute) und Anteil (Kompression:Entlastung=1:1). Zur Optimierung des Blutflusses ist dazwischen auch eine vollständige Entlastung des Thorax notwendig. Ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg der CPR scheint die Geschwindigkeit zu sein, mit der diese Entlastung erreicht wird (cardiac compression release velocity; CCRV). US-Daten zufolge sind Überlebensaussichten und neurologische Prognose besser, wenn sich der Brustkorb schneller wieder ausdehnt ( Kovacs A. et al., Resuscitation 4/2015 ).

Lineare Assoziation zwischen CCRV und Überleben

Bei der kardiopulmonalen Reanimation von 981 Erwachsenen mit außerklinischem Herzstillstand war die CCRV mit Hilfe des in Defibrillatoren integrierten Beschleunigungsmessers bestimmt worden. Sie betrug im Schnitt 324,7 mm/s.

Der CCRV-Wert korrelierte mit dem Überleben: Bei schneller Dekompression (min. 400 mm/s) überlebten 22,8 % der Patienten, bei mittelschneller 12,0 % und bei langsamer (max. 300 mm/s) nur 6,7 %. Ein ähnlicher Zusammenhang zeigte sich mit dem neurologischen Ergebnis.

Auch unter Berücksichtigung anderer Einflüsse war eine schnelle Dekompression im Vergleich zu einer langsamen mit einer signifikanten Verbesserung von Überleben und neurologischem Ergebnis verbunden. Im Hinblick auf die Prognose quoad vitam brachte zudem auch die Steigerung von einer mittleren auf eine hohe CCRV einen signifikanten Vorteil. Jeder Anstieg der CCRV um 10 mm/s erhöhte das Chancenverhältnis für das Überleben um 5,2 %. Bei Patienten mit schockbarem Rhythmus korrelierten ebenfalls beide Erfolgsparameter mit dem CCRV-Wert.

„Leaning“ gefährdet CPR-Erfolg

Die Studienautoren um Alexander Kovacs, College of Medicine Phoenix, erklären die positive Wirkung einer schnellen Dekompression mit dem höheren Sog im Brustkorb, der den venösen Rückstrom zum Herzen verbessert. Welche CCRV bei der Herzdruckmassage erreicht wird, hängt zum einem von der Thoraxphysiologie ab, lässt sich aber auch vom CPR-Anwender beeinflussen: Wenn er sich während der Entlastungsphase weiter auf das Brustbein stützt („leaning“), kann das neben der Vollständigkeit auch die Geschwindigkeit der Dekompression beeinträchtigen.

springermedizin.de, Ärzte Woche 21/2015

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