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© Ruchos/iStock/Thinkstock
Es gibt gute Gründe direkt nach einem Hundebiss Antibiotika zu verabreichen.
 
Intensiv- und Notfallmedizin 24. Februar 2015

Den letzten beißen die Antibiotika

Hundebisse prophylaktisch versorgen.

Notfallmäßig zu versorgende Bisswunden stammen am häufigsten von Hunden. Diesen Wunden sagt man nach, besonders infektionsanfällig zu sein. Patienten könnten von der vorbeugenden Gabe eines Antibiotikums durchaus profitieren.

An welchen Merkmalen gebissene Risikokandidaten zu erkennen sind, haben US-Forscher um Meg Tabaka von der Stanford School of Medicine im Zuge einer Beobachtungsstudie herauszufinden versucht. Rund 500 Patienten, die von Hunden gebissen worden waren, hatten sich an der Untersuchung beteiligt. Die Infektionsrate der Wunden lag bei 5,2 Prozent. Sie war damit deutlich niedriger als in früheren Untersuchungen, wo Infektionsraten bis zu 45 Prozent errechnet worden waren.

Es zeigte sich, dass vor allem stichartige Bisse zu Infektionen führten - also Bisswunden, die bis in die Lederhaut reichen und deren Tiefe ihre Breite übersteigt. Die Infektionsrate betrug hier 10,5 Prozent im Vergleich zu 3,7 Prozent aller anderen Wunden. Allerdings spielte es auch eine Rolle, wo die Bisse lokalisiert waren und ob die Wunde verschlossen wurde. Bisse im Kopf-Hals-Bereich etwa wiesen ebenfalls eine überdurchschnittliche Infektionsrate auf (7,7%). Gleiches galt für Wunden, die genäht wurden (7,0%). Hinzu kam, dass Bisse ins Gesicht aus kosmetischen Gründen häufig verschlossen wurden, sodass beide Faktoren zusammenwirkten.

In der statistischen Analyse kristallisierten sich damit zwei Faktoren heraus, die mit einer höheren Infektionsrate einhergingen: stichartiger Wundtyp und Wundverschluss. Das zahlenmäßige Verhältnis infizierter zu nicht infizierten Wunden lag bei stichartigen im Vergleich zu anderen Bisswunden rund viermal und nach Wundverschluss verglichen mit nicht verschlossenen Wunden rund dreimal höher (Odds Ratio 4,1 bzw. 3,1). „Stichartige und während der Behandlung verschlossene Bisswunden sind hoch infektionsgefährdet“, folgert Tabaka aus seinen Ergebnissen. Bei solchen Wunden solle daher eine prophylaktische Gabe von Antibiotika erwogen werden.

Originalpublikation: Tabaka ME et al. Predictors of infection from dog bite wounds: which patients may benefit from prophylactic antibiotics? Emerg Med J 2015, online 29. Januar

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