zur Navigation zum Inhalt
© pixelstore / fotolia.com
 
Intensiv- und Notfallmedizin 26. Jänner 2015

Hitze steigt zu Kopf

Das Patientenaufkommen in Notaufnahmen korreliert fast linear mit der Außentemperatur.

Bei Eis und Schnee landen die meisten Traumapatienten in den Notaufnahmen – könnte man meinen. US-Forscher kommen zu ganz anderen Ergebnissen: Je schöner das Wetter, desto mehr Unfall- und Gewaltopfer sind zu versorgen.

Das schöne Wetter lockt hinaus: An einem warmen Wochenende mit klar blauem Himmel sind mehr Leute auf der Straße – auf dem Motorrad, im Cabrio, auf dem Fahrrad oder zu Fuß. Klar, dass es dann gehäuft zu Kollisionen kommt und Notfallmediziner und Chirurgen alle Hände voll zu tun haben. Gefährlicher sind nur noch die Nächte nach solchen Tagen: wenn sich die Hitze in den Köpfen staut, kommt es vermehrt zu Gewaltdelikten. An sich ist das wenig erstaunlich. Interessant ist aber, wie präzise der Wetterbericht den Andrang von Traumapatienten in der Notaufnahme vorhersagen kann. Zuverlässige Daten könnten vielleicht die Personalplanung in den Kliniken erleichtern.

Warme Sommernacht: Hochbetrieb

Einen solchen Nutzen sehen jedenfalls Chirurgen um Dr. Vanessa Ho vom Jamaica Hospital Medical Center in New York. Sie analysierten Angaben zu fast 10.000 Traumapatienten, die in einem spezialisierten Zentrum in New York City in den Jahren 2000 bis 2009 behandelt worden waren. Den Zeitpunkt der Klinikaufnahme korrelierten sie mit Wetterdaten des John F. Kennedy Airports ( Ho VP et al.: World J Surg 2014, online 2. Dezember ).

Insgesamt hatten 75 Prozent der Patienten eine stumpfe Verletzung erlitten und knapp 21 Prozent ein penetrierendes Trauma, das in New York zu einem erheblichen Teil aus dem Gebrauch von Stich- und Schusswaffe resultiert. Bei den übrigen vier Prozent lagen Verbrennungen, Vergiftungen oder andere Verletzungen vor.

Der größte Andrang von Traumapatienten ist nach dieser Auswertung an einem warmen, trockenen Wochenende in der Nacht von Samstag auf Sonntag zu erwarten. Richtig viel zu tun in der Notaufnahme gibt es vor allem zwischen zwei und fünf Uhr morgens. In das Traumazentrum kamen dann bis zu sechs Patienten pro Stunden, zu anderen Wochentagen und -zeiten waren es im Schnitt weniger als einer pro Stunde. Insgesamt wurden am Wochenende 37 Prozent aller Patienten behandelt, an Samstagen kamen 45 Prozent mehr und an Sonntagen 65 Prozent mehr Patienten als an Werktagen.

Dagegen scheint Regen Hitzköpfe zu beruhigen. Hatte es in den vergangenen zwölf Stunden geregnet oder war der Himmel mit Wolken verhangen, dann benötigten ungefähr 15 Prozent weniger Patienten eine Traumatherapie als bei trockenem und sonnigem Wetter.

Ein Drittel mehr Patienten je 10°C

Das Patientenaufkommen stieg zudem fast linear mit der Außentemperatur: Pro 10 Grad Celsius nahm der Andrang um etwa 35 Prozent zu. An einem heißen Sommertag sind also mehr als doppelt so viele Patienten zu verarzten wie an einem durchschnittlichen Wintertag.

Die Differenzierung zwischen stumpfen und penetrierenden Verletzungen ergab, dass Letztere wesentlich stärker von den Tages-, Jahres- und Wochenzeiten abhängig sind. An den Wochenenden mussten fast doppelt so viele dieser Verletzungen behandelt werden wie an Wochentagen, und nachts kamen zweieinhalbmal mehr Patienten mit Stich-, Schuss und anderen eindringenden Verletzungen als tagsüber.

Zu ähnlichen Ergebnissen waren zuvor auch Forscher der Universität in Philadelphia gekommen. Sie hatten auf einem Notfallmedizin-Kongress Daten eines Traumazentrums präsentiert, das pro Monat etwa 40 Patienten mit penetrierenden Verletzungen versorgt ( SCCM 2014; Abstract 259 ). Auch hier kamen nachts etwa zweieinhalbmal mehr dieser Patienten als tagsüber, auch hier wurde umso mehr gestochen und geschossen, je wärmer, und vor allem je feuchter es war. Zehn Prozent mehr Luftfeuchtigkeit jenseits der 50 Prozent gingen mit neun Prozent mehr solcher Traumapatienten einher.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben