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Intensiv- und Notfallmedizin 10. Jänner 2014

Präkordialer Faustschlag

Mehr Schaden als Nutzen?

Seit fast 100 Jahren werden pulslose ventrikuläre Tachykardien oder Kammerflimmern von Notfallmedizinern zunächst versuchsweise mit einem präkordialen Faustschlag behandelt. Wie effektiv dies ist, wurde allerdings noch wenig untersucht. Australische Wissenschaftler haben das nun nachgeholt. Analysiert wurden die Daten von mehr als 400 Notfalleinsätzen bei Patienten mit Herzstillstand, die nachweislich ventrikuläre Tachykardien oder Fibrillationen aufwiesen. Nahezu jeder vierte Patient erhielt einen Schlag aufs untere Sternum, die übrigen eine sofortige Defibrillation. Ergebnis: Bei 16,5% der vor die Brust Geschlagenen änderte sich der Rhythmus: 4,9% gelangten zurück zur Spontanzirkulation, bei doppelt so vielen aber verschlechterte sich das Rhythmusbild. Außerdem musste bei drei der fünf erfolgreich Behandelten wegen eines erneuten Herzstillstands schließlich doch der Defi angelegt werden.

Sofortige Defibrillation ließ die Spontanzirkulation deutlich häufiger zurückkehren, nämlich in 57,8% der Fälle. Verschlechterungen durch Defi ereigneten sich bei 12,3%. Insgesamt erhielten in beiden Gruppen rund 90 Prozent der Patienten irgendwann während des Transports oder in der Klinik ihren Spontanrhythmus zurück. Lebend entlassen wurden jeweils etwa 70 Prozent.

Fazit der Autoren: Die Ersttherapie mit präkordialem Faustschlag verschlechtert die Lage von Patienten mit Herzstillstand häufiger, als sie sie verbessert.

Nehme Z et al.: Resuscitation 2013; 84 (12): 1691–96

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