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Intensiv- und Notfallmedizin 28. November 2013

Viele Kontakte — großes Risiko

Patientenbetreuung auf einer Intermediate Care Station erfordert hohes Hygiene-Bewusstsein.

Krankenhausinfektionen sind nach wie vor ein massives Problem. 20 bis 30 Prozent der Infektionen kÖnnten durch die Einhaltung von Hygienemaßnahmen vermieden werden (BMG 2012). Eine große Herausforderung stellen die auf hohem Niveau stagnierenden Infektionsraten mit resistenten Erregern dar. Infektionen mit resistenten und multiresistenten Erregern (MRE) verlängern die Behandlungsdauer, verstärken Schmerzen, erhöhen die Sterblichkeit und die Behandlungskosten.

Patienten auf einer Intermediate Care (IMC)-Station sind besonders gefährdet, eine nosokomiale Infektion zu erwerben. Ihre Grunderkrankung, operative, diagnostische und therapeutische Eingriffe sowie das Vorhandensein von unterschiedlichen Kathetern und Drainagen erhöhen ihr Risiko. Nicht zu unterschätzen ist die hohe Anzahl der Kontakte mit medizinisch-pflegerischem Personal, da für den Patienten jeder Händekontakt ohne vorherige Desinfektion ein übertragungsrisiko ist.

Man spricht nur dann von einer nosokomialen Infektion, also einer im Krankenhaus erworbenen Infektion, wenn diese bei Aufnahme weder bestand noch in der Inkubationsphase war. Das Vorliegen einer nosokomialen Infektion bedeutet nicht, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Infektion und der medizinischen Behandlung besteht und es ist keine automatische Schuldzuweisung gegenüber dem medizinisch-pflegerischen Personal.

Frühdienst auf der IMC-Station — stellen Sie sich folgendes Szenario vor:

Sie haben in Ihrer Frühschicht drei Patienten zu betreuen. Sie begrüßen Ihren ersten Patienten, fragen ihn nach Schmerzen, überprüfen seine Katheter und Ableitungen, hören seine Lunge und den Darm ab, dokumentieren dies, bereiten seine Medikation vor und verabreichen diese über einen zentralen Venenkatheter. Zeitgleich möchte einer Ihrer anderen Patienten beim Abführen unterstützt werden. Sie eilen zu ihm, organisieren den Toilettenstuhl, helfen ihm bei der Mobilisation und — der Patient versichert Ihnen, auf keinen Fall auf einem Stuhl im Zimmer Stuhlgang machen zu können. Sie befreien ihn vom Monitor, befestigen Infusomaten und Perfusoren am Infusionsständer und begleiten ihn ins Bad. Ihr dritter Patient benötigt Unterstützung beim Abhusten. Und er kann wirklich gut und produktiv abhusten...

All diese Tätigkeiten benötigen Ihre maximale Konzentration, viel Empathie, Geschick, Können und Schnelligkeit. Und es wird eine weitere Kernkompetenz von Ihnen erwartet. Sie sollen und müssen mit einem hohen Hygieneverständnis agieren, damit Sie keine übertragung einer Infektion verantworten müssen.

Wie häufig müssen Sie sich während dieses Szenarios die Hände desinfizieren?

Hygiene benötigt Rahmenbedingungen

Gute Hygienestandards können nicht nur durch eine einzelne Maßnahme erreicht werden, sondern benötigen sog. Maßnahmenbündel. Der Deutsche Pflegerat weist schon im Jahr 2010 darauf hin, dass die konsequente Umsetzung von Hygieneregeln, eine bessere Personalausstattung und verbesserte räumliche Ausstattungen Hauptursachen für die niedrigen Infektionsraten in den Niederlanden seien.

Hygiene benötigt Personal

Kontinuierlich sicher durchgeführte Hygienemaßnahmen benötigen ausreichend Personal für die direkte Patientenversorgung. Schon 2002 publizierte Needleman im New England Journal of Medicine, dass eine Erhöhung der Betreuungsstunden durch qualifiziertes Pflegepersonal Harnwegsinfektionen und Pneumonien deutlich reduziert. Für die indirekten Hygienemaßnahmen wie Reinigung, Versorgung oder Speisenversorgung benötigen die Kliniken nicht nur ausreichend, sondern auch gut ausgebildetes und motiviertes Personal.

Hygiene benötigt Experten

Neben Hygienefachärzten und Hygienefachpersonal (fest angestellt oder beratend tätig) und hygienebeauftragten ärzten soll laut Krink-Empfehlung (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention) pro Station eine sog. Link Nurse/Hygienebeauftragte in der Pflege benannt sein. Sie soll dafür sorgen, dass die Regelungen und Vorgaben zur Vermeidung von Keimübertragungen und der Entstehung nosokomialer Infektionen allen Mitarbeitern bekannt sind, und darauf achten, dass diese auch konsequent angewendet werden.

In der Chirurgischen Klinik Heidelberg stellt jede Station eine Hygienebeauftragte, deren Aufgabe es ist, den „Hygiene-Alltag“ zu beobachten, Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten und im steten Dialog mit den Kollegen zu sein. Im Rahmen der Teambesprechung werden Informationen, Neuerungen und Anregungen weitergegeben.

Der Hygienebeauftragte

Grundsätzlich kann jeder Mitarbeiter diese Aufgabe bekleiden. Wichtigste Voraussetzung ist das Interesse und die Freude am Thema Hygiene, ein sehr gutes eigenes Hygieneverhalten und eine sehr gute kommunikative Kompetenz. Die Hygienebeauftragten der einzelnen Stationen gehören dem Hygienebeauftragtenkreis der Klinik an und treffen sich alle zwei Monate. Die Treffen dienen dem Austausch und der Analyse von Hygienebelangen, der Abstimmung gemeinsamer Ziele, der Koordination von Fortbildungen und der aktuellen Einschätzung des Hygieneverhaltens bei MRE-Patienten. Hygienebeauftragte ärzte haben die Möglichkeit eine einwöchige Fortbildung zu absolvieren. Mittlerweile werden auch schon Kurse für Link Nurses angeboten.

Der Heidelberger Wundexpertenkreis, der aus den Pflege-Wundexperten der einzelnen Stationen des Gesamtklinikums Heidelberg besteht, hatte als Ziel für das Jahr 2009 formuliert, ihre Kollegen durch stetige Aufklärung und Diskussion während übergaben und Besprechungen nachhaltig davon überzeugen zu wollen, auf das Tragen von Ringen, Unterarmschmuck und Nagellack im Berufsalltag zu verzichten. Das stetige Nicht-Hinnehmen und das Verweisen auf Hygienerichtlinien und die TRBA (TRBA 250 = Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe) findet besonders bei den hygienebewussten und hygieneverantwortlichen Kollegen sehr guten Anklang und wird intensiv unterstützt.

Um die Mitarbeiter in einer Klinik auf den unsachgemäßen Umgang mit benutzten Instrumenten hinzuweisen, der sich immer wieder im Alltag einschleicht, hatte das Hygieneteam eine kreative Idee:

Sobald die Hygienebeauftragten oder die Wundexperten ein unkorrektes Versorgen entdeckten, wurde ein Photo gemacht und dies im Stationsstützpunkt und Arztzimmer nur mit dem Titel „Risikomanagement“ aufgehängt. Damit wurden die Mitarbeiter auf Fehlerquellen aufmerksam gemacht ohne einzelne bloß zu stellen. Gleichzeitig wurde auf die Gefahr der Verletzung und Kontamination für alle Kollegen hingewiesen. Der Erfolg der Maßnahme ließ nicht lange aus sich warten. Durch diese Veröffentlichung des Missstandes haben auch andere Kollegen Mut gefasst, an Vorschlägen zur Verbesserung des Hygieneverhaltens mitzuarbeiten.

Hygiene benötigt Fortbildungszeit

Neben spezifischen Fortbildungen zum Thema Hygiene kann jede Fortbildung so gestaltet werden, dass das Thema Hygiene und insbesondere Händehygiene immer mit angesprochen wird.

Praxistipp: Die Hygienebeauftragten gestalten jährlich einen Hygienetag. Die 20 Mitglieder organisieren Informationsstände zu den unterschiedlichsten Themen und stehen den gesamten Tag für alle Mitarbeiter der Klinik Rede und Antwort. Damit die Diskussion und das Nachfragen vor Ort angeregt werden, wird ein Quiz mit 20 Fragen ausgerichtet — mit Gewinnchance.

Hygiene benötigt Raum und Zeit

Ein- und Zweibettzimmer, Nasszellen und Toiletten in jedem Zimmer und ausreichend Raum zwischen den Patientenbetten sind Garanten für eine bessere Hygiene. Arbeitsmaterialien müssen ausreichend vorhanden sein, damit keine Zeit für die Organisation und die Vorbereitung verloren geht, sondern diese Zeit sinnvoll für Hygienemaßnahmen genutzt werden kann. Aufgaben und Zuständigkeiten im Stationsalltag sind stetig zu evaluieren, zu diskutieren und anzupassen, da nicht selten antiquierte Prozesse jeden aus hygienischer Sicht sinnvollen Ablauf ad absurdum fuhren.

Hygiene benötigt Vorbilder

Führungskräfte, Praxisanleiter, Lehrer für Pflegeberufe sind ohne Zweifel die wichtigsten Vorbilder. Im Alltag stellt sich häufig die Frage, wer Führungskräfte auf ein nicht hygienekonformes Verhalten hinweisen soll, kann und darf.

Hygienemaßnahmen müssen einfach in den pflegerischen Alltag zu integrieren sein

Alle Maßnahmen, die dazu führen, dass Stationsabläufe strukturiert und einfach gestaltet werden können, helfen — direkt und indirekt — die Hygiene und insbesondere die Händehygiene zu verbessern.

Einige Beispiele:

  • Händedesinfektionsmittelspender an jedem Patientenbett und im Eingangs- bzw. Ausgangsbereich jedes Zimmers
  • Hygienecenter mit allem erforderlichen Equipment bei Patienten mit MRE (multiresistenten Erregern)
  • Desinfektionstücherspender in unterschiedlichen Ausführungen

Standard-Hygienemaßnahmen

Die Standardhygiene beinhaltet alle Maßnahmen, die bei der Pflege und Behandlung jedes Patienten einzuhalten sind. Alle aufgeführten Empfehlungen basieren auf den aktuellen Kategorien der Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention aus dem Jahr 2010 und sind ihrem Evidenzgrad entsprechend gekennzeichnet ( Tab. 1 ).

Flächen- und Umgebungshygiene

Für alle Flächen, eingesetzte Materialien/Instrumentarien und Verfahren muss für den jeweiligen Bereich ein angepasster Hygieneplan mit konkreter Vorgehensweise vorliegen ( Tab. 2 ).

Kontaminierte Flächen sind ein potentielles Risiko sowohl für Patienten als auch für das Personal. Eine mangelhafte Flächenhygiene kann Ursache der Weiterverbreitung von Erregern sein.

Praxistipp: Als ein einfaches und sehr effektives Entscheidungsmuster kann folgende Regel gelten: Je näher eine Fläche am Patienten ist und je näher ein Gegenstand an den Patienten kommt, umso häufiger muss desinfizierend gereinigt werden. Es werden keine Materialien ins Bett des Patienten gelegt, da das Bett als kontaminiert gilt. Flächen und Gegenstände, die sichtbar kontaminiert sind, müssen sofort desinfizierend gereinigt werden.

Flächendesinfektion:

  • Flächen, auf denen aseptische Arbeiten ausgeführt werden, sind grundsätzlich desinfizierend zu reinigen (Kat. 1B).
  • Zur Dosierung werden automatische dezentrale Desinfektionsmittel-Dosiergerate empfohlen (Kat. 1B).
  • Die zu desinfizierende Oberfläche muss mit einer ausreichenden Menge des Mittels unter leichtem Druck abgerieben werden (Nass-Wischen) (Kat. 1B).
  • Putzeimer und andere Behältnisse müssen nach Abschluss der Reinigungs-/Desinfektionstätigkeit gründlich gereinigt werden (Kat. 1B).
  • Gebrauchslösungen von Desinfektionsmitteln dürfen maximal einen Arbeitstag lang verwendet werden (Kat. 1B) (Bundesgesundheitsblatt 2004).
  • Bei Kontamination mit organischem Material (Blut, Sekrete, Faeces etc.) sollte bei der Desinfektion zunächst das sichtbare Material mit einem in Desinfektionsmittel getränkten Einwegtuch, Zellstoff o. ä. aufgenommen (Einmalhandschuhe tragen) und das Tuch verworfen werden. Anschließend ist die Fläche wie üblich zu desinfizieren (Kat. IB).
  • Auf Sprühdesinfektionen soll verzichtet werden, da diese Methode nicht die erwartete Wirkung erreicht und personalgefährdend ist. (Kat. IB) (Bundesgesundheitsblatt 2004)

Wie häufig soll desinfizierend gereinigt werden?

  • Nach jedem Patientenwechsel
  • Bei sichtbarer Kontamination
  • Patientennahe Fläche 1-mal pro Schicht

Umgang mit Medizinprodukten und Material: Medizinprodukte werden je nach Art der Anwendung und Aufbereitung in verschiedene Gruppen eingeteilt:

  • Unkritische — kommen i.d.R. nur mit intakter Haut in Kontakt, z. B. Stethoskop, Waschschüssel, EKG-Elektroden
  • Semikritische — kommen mit Schleimhaut oder krankhaft veränderter Haut in Berührung, z. B. Spekula, Endoskope
  • Kritische — durchdringen Haut oder Schleimhaut, kommen in Anwendung mit Blut, Blutprodukten oder sterilen

Arzneimitteln, z. B. OP-Instrumente Wiederverwendbare unkritische Medizinprodukte können in der Regel laut einem Hygieneplan auf Station desinfizierend gereinigt werden; semikritische und kritische Produkte werden in der Zentralsterilisation aufbereitet (Bundesgesundheitsblatt 2001).

Wasserhygiene: Mittlerweile wird in vielen Bereichen mit immunsupprimierten, abwehrgeschwächten und besonders infektionsgefährdeten Patienten zur Pflege von Haut- und Schleimhaut steril gefiltertes Wasser mit Hilfe endständiger Bakterienfilter bereitgestellt.

Händehygiene

Die Vermeidung und Bekämpfung nosokomialer Infektionen kann nur erfolgreich sein, wenn sog. Maßnahmenbündel etabliert werden. Einer der einfachsten, günstigsten und zugleich wichtigsten Bausteine solch eines Maßnahmenbündels zur Vermeidung nosokomialer Infektionen ist die Händedesinfektion.

Händehygiene beinhaltet:

  • Händewaschung mit einer schwach sauren (pH 5,5) oder pH-neutralen Waschlotion
  • Händedesinfektion
  • Hautpflege

Anleitung zur Händedesinfektion: Sie benötigen 3 ml Händedesinfektionsmittel (2—3 Hube) — farbstoff- und parfumfrei — das auf die gesamte Handfläche reibend verteilt wird, d. h. die Hände müssen nass sein. Desinfiziert werden beide Handflächen — innen und außen-, alle Finger inklusive der beiden Daumen und abschließend alle Fingerkuppen und Fingernägel. Die Mindesteinwirkzeit beträgt 30 Sekunden. Die sehr strikte 6-Punkte-Regel der Händedesinfektion weicht immer mehr der eigenverantwortlichen Methode, d. h. mittels individueller Technik selbst auf vollständige Benetzung achten, da diese Methode in vergleichenden Tests die besseren Ergebnisse erzielte. Bei bestimmten Erregern z. B. Noro-Viren, müssen viruzide Desinfektionsmittel verwendet werden, die eine längere Einwirkzeit benötigen z. B. 2-mal 30 Sekunden (Kampf 2009).

Während der Arbeit auf der Station werden weder Ringe noch Unterarmschmuck, auch keine Uhren, getragen. Die Fingernägel sind, mit den Fingerkuppen abschließend, kurz geschnitten zu halten und unlackiert.

Sollten Sie sich mit Sekreten, Ausscheidungen oder Exsudat kontaminiert haben, so waschen Sie zuerst Ihre Hände und führen erst nach einem gründlichen und vollständigen Abtrocknen die Händedesinfektion durch.

Praxistipp: Die Gefahr der Sensibilisierung der Haut bis zur Ausbildung einer manifestierten Händedesinfektionsmittelunverträglichkeit steigt mit dem Nichteinhalten der korrekten Trocknung der Hände nach dem Händewaschen. Schwitzen Ihre Hände nach dem längeren Tragen von Handschuhen, so ist es sinnvoll, diese mit einem Papiertuch zuerst zu trocknen und dann erst zu desinfizieren.

Die fünf Momente der Händehygiene — Wann desinfiziere ich meine Hände?

(http://www.aktion-sauberehaende.de http://www.aktion-sauberehaende.de

  • Vor Patientenkontakt
  • Vor jeder aseptischen Tätigkeit
  • Nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten und nach dem Ausziehen von Handschuhen
  • Nach Kontakt mit dem Patienten
  • Nach Kontakt mit der Patientenumgebung

Die Hände werden gewaschen und desinfiziert:

  • Vor Dienstbeginn
  • Nach Dienstschluss
  • Nach Toilettengang
  • Vor einer Pause
  • Nach dem Naseputzen werden die Hände immer desinfiziert.

Praxistipp

  • Waschen Sie Ihre Hände mit Wasser und Seife nur bei sichtbarer Verschmutzung und nach möglicher oder stattgefundener Kontamination mit Clostridium difficile. Desinfizieren Sie Ihre Hände nach dem Waschen nur, wenn diese vollständig getrocknet sind.
  • Vermeiden Sie Staunässe in Handschuhen. Sollten Sie Handschuhe länger tragen müssen, dann gönnen Sie Ihren Händen vorher eine Hautschutzcreme.
  • Eine Hautpflege mit einer speziellen Handcreme sollten Sie nach dem Händewaschen, vor Pausen, vor Besprechungen und nach Dienstschluss durchführen.

Verbesserung der Händehygiene-Compliance

Mit diesen Maßnahmen können Sie die Compliance der Händehygiene auf Ihrer Station verbessern:

  • Um die Hautverträglichkeit von Händedesinfektionsmitteln zu verbessern, sollten diese farbstoff- und parfumfrei sein.
  • Unterschiedliche Handschutzcremen sollten zur Verfügung gestellt werden.
  • Es ist sinnvoll, eine Auswahl unterschiedlicher Desinfektionsmittel bereitzustellen, damit jeder Anwender ein Produkt seiner Wahl verwenden kann.
  • Auf einer IMC-Station sollte wie auf einer Intensivstation ein Spender pro Patientenbett und ein Spender im Ausgangsbereich vorhanden sein, damit die Händedesinfektion erleichtert wird und sich der Desinfektionsmittelverbrauch dadurch erhöht. Messen Sie Ihren Händedesinfektionsmittelverbrauch, damit alle Kollegen den Erfolg der Optimierungsbestrebungen mitverfolgen können.
  • Das gesamte Personal sollte regelmäßig in der Technik der Händehygiene geschult werden — am günstigsten mittels Unterstützung einer Schwarzlichtlampe.

Das Tragen von Handschuhen

Handschuhe reduzieren das übertragungsrisiko von Erregern, bieten aber keinen absoluten Schutz vor Kontamination, da stets eine Perforationsgefahr besteht. Schutz- oder OP-Handschuhe nur anziehen, wenn die Hände trocken sind. Bei Feuchtigkeits- und Desinfektionsarbeiten sollten immer Handschuhe getragen werden. Nach dem Ablegen der Handschuhe sind die Hände immer zu desinfizieren.

  • Nicht sterilisierte Handschuhe werden getragen:
    Zum Waschen des Patienten, Unterstützung und Durchführung der Mundpflege
  • Zur Blutentnahme und zum Anlegen von peripheren Verweilkanülen
  • Bei Kontaktgefahr mit potentiell oder sichtbar kontaminiertem Material (Urin, Stuhl, AP-Beutel)
  • Vor jedem Kontakt mit Flächendesinfektionsmittel
  • Sterile Handschuhe werden getragen:
  • Zum Verbandwechsel von Wunden, Kathetern, Drainagen
  • Zum Trachealkanülenwechsel
  • Zum endotrachealen Absaugen
  • Bei invasiven Maßnahmen wie z. B. ZVK-Anlage, Einschwemmen von Rechtsherzkathetern, Bronchoskopien, Einlegen von Thoraxdrainagen

Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Zu den persönlichen Schutzmaßnahmen zählen alle Maßnahmen, die dem Eigenschutz dienen und das übertragungsrisiko reduzieren. Neben der zweifellos wichtigsten Maßnahme der Händehygiene zählen Kleidung, Schutzkittel, Mundschutz und Schutzbrillen dazu.

Kleidung: In der Regel wird auf IMC-Stationen Bereichskleidung getragen, die der sichtbaren Abgrenzung zu anderen Bereichen dient. Bereichskleidung ist keine Schutzkleidung, wird mittels Schutzkleidung (Schutzkittel) bei zu erwartender Kontamination geschützt und mindestens täglich, aber sofort bei stattgefundener oder sichtbarer Kontamination gewechselt. Mitbehandler ohne Bereichskleidung, wie Physiotherapeuten und Konsiliarärzte, tragen während des direkten Patientenkontakts Schutzkittel.

Schutzkleidung (z. B. Schutzkittel): Schutzkittel werden bei allen Patientenkontakten mit möglicher Kontamination eingesetzt z. B.

  • Bei der Unterstützung von Ausscheidungen (Stuhl, Urin, Blut, Sekrete, Erbrechen)
  • zum Schutz vor Nässe bei der Körperpflege (ggf. Plastikschürzen)
  • Bei Verbandwechseln
  • Bei Mobilisationen und jedem nahen Kontakt mit dem Patienten (Pflege)

Mundschutz-Nasenschutz

Unterschieden wird zwischen chirurgischen Masken und sog. FFP (“face filtering piece”) Typ 2 oder 3.

Alle Masken

  • müssen gut sitzen und dicht am Gesicht anliegen
  • werden nicht „herunterhängend“ getragen, sondern nach Beendigung der Maßnahme sofort entsorgt
  • sind kontaminiert. Deshalb müssen die Hände, nachdem die Maske angefasst wurde, desinfiziert werden.

Chirurgische Masken

  • Verhindern die übertragung von aerogen übertragenen Infektionen vom Behandler zum Patienten und vom Patienten zum Behandler (Influenza, Meningokokken, Noro-Virus).

FFP Typ 2 oder 3

Sind partikelfiltrierende Atemschutzmasken zum Eigenschutz bei der Behandlung von Patienten mit z. B. Tuberkulose oder SARS.

Schutzbrillen: Sind zum Kontaminationsschutz der Augen gedacht mit potenziell infektiösem Material oder bei bestehenden Infektionen z. B. Influenza, Hepatitis B und C während Punktionen, Bronchoskopien und Intubationen

Angehörige auf IMC-Stationen

  • werden immer in die Händehygiene eingewiesen.
  • benötigen nur spezielle Schutzkittel, wenn ihre Angehörigen MRE besiedelt oder umkehrisoliert sind.
  • benötigen eine Mund-Nasen-Maske, wenn sie oder ihre Angehörigen eine Infektion haben.

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Jutta Busch, Birgit Trierweiler-Hauke (Hrsg.)
Heidelberg 2013
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Literatur

  1. Bundesgesundheitsbl — Gesundheitsforsch — Gesundheitsschutz2001 Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten 44 11151126Bundesgesundheitsbl — Gesundheitsforsch — Gesundheitsschutz (2001) Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten. 44:1115–1126. Springer, Heidelberg
  2. Bundesgesundheitsblatt — Gesundheitsforschung — Gesundheitsschutz (2002) 45: 907–924. DOI 10.1007/s00103-002-0499-8. Springer, Heidelberg
  3. GKampf2009 Einfluss der Einreibetechnik auf die benötigte Einreibezeit und die Benetzung der Hand bei der hygienischen Händedesinfektion HygMed 34 2431Kampf G et al. (2009) Einfluss der Einreibetechnik auf die benötigte Einreibezeit und die Benetzung der Hand bei der hygienischen Händedesinfektion. HygMed 200934:24–31
Tabelle 1: Kategorien in der Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention. (Mod. nach Bundesgesundheitsblatt 2010)
Kategorie 1A Diese Empfehlung basiert auf gut konzipierten systematischen Reviews oder einzelnen hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien.
Kategorie 1B Diese Empfehlung basiert auf klinischen oder hochwertigen epidemiologischen Studien und strengen, plausiblen und nachvollziehbaren theoretischen Ableitungen.
Kategorie II Diese Empfehlung basiert auf hinweisenden Studien/Untersuchungen und strengen, plausiblen und nachvollziehbaren theoretischen Ableitungen.
Kategorie III Maßnahmen, über deren Wirksamkeit nur unzureichende oder widersprüchliche Hinweise vorliegen, deshalb ist eine Empfehlung nicht möglich.
Kategorie IV Anforderungen, Maßnahmen und Verfahrensweisen, die durch allgemein geltende Rechtsvorschriften zu beachten sind.
Tabelle 2: Ausschnitt Desinfektionsplan Intensivstationen. Mit freundlicher Genehmigung der Uni-Klinik Heidelberg
WasWannWieWomitWer
Med.-Tech.-Geräte Täglich bei Gebrauch, Nach Patientenwechsel Wischdesinfektion, Desinfektionsmittel antrocknen lassen, nicht trocken wischen Incidin Plus 0,5% Pflegepersonal, Versorgungspersonal
RR-Geräte, Stethoskop Täglich, Nach Gebrauch Wischdesinfektion, Desinfektionsmittel antrocknen lassen, nicht trocken wischen, Wischdesinfektion, Desinfektionsmittel antrocknen lassen, nicht trocken wischen Bacillol Plus, Incidin Plus 0,5% ärzte, Pflegepersonal, Versorgungspersonal
Röntgenplatte Nach Gebrauch Wischdesinfektion, Desinfektionsmittel antrocknen lassen, nicht trocken wischen Bacillol Plus Röntgenassistenten
Mundpflegetablett Täglich Tablett, Salben etc.: Wischdesinfektion, Pflegelösungen erneuern Bacillol Plus, Incidin Plus 0,5% Pflegepersonal, Versorgungspersonal
Laryngoskopspate Nach Gebrauch In Desinfektionsmittel einlegen, Nach Einwirkzeit reinigen und mit Trinkwasser abspülen Sekusept Plus 1,5%/1 h ärzte, Pflegepersonal
Verband-, Material-, Kurvenwagen etc. Nach Gebrauch, Mind. Monatlich Außen Wischdesinfektion. Desinfektionsmittel antrocknen lassen, nicht trocken wischen. Wischdesinfektion. Desinfektionsmittel antrocknen lassen, nicht trocken wischen (außen und innen) Bacillol Plus, Incidin Plus 0,5% Pflegepersonal, Versorgungspersonal

 

: Kontinuierlich sicher durchgeführte Hygienemaßnahmen benötigen ausreichend Personal für die direkte Patientenversorgung.

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