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Intensiv- und Notfallmedizin 12. September 2012

Welt-Sepsistag 13. September: "Stop sepsis, save lives"

Beinahe jede Sekunde stirbt weltweit ein Mensch an Sepsis. "Stop sepsis, save lives!"


"Stop Sepsis, save lives!" unter diesem Motto findet am 13. September der erste Welt-Sepsis-Tag statt. Weltweit soll durch unterschiedliche Aktivitäten auf diese Erkrankung aufmerksam gemacht werden. Die Initiative wird von Selbsthilfegruppen, intensivmedizinischen Gesellschaften und anderen Organisationen getragen.


"Ca. 18 Millionen Menschen erkranken jährlich an Sepsis, und damit kostet Sepsis jedes Jahr mehr Menschen das Leben als Karzinome der Prostata, der Brust oder Erkrankungen wie HIV zusammen." sagt Prof. Dr. Andreas Valentin, Präsident der FASIM - des Verbandes der intensivmedizinischen Gesellschaften Österreichs.

Sepsis - so Valentin weiter - ist eine der weltweit häufigsten aber gleichzeitig von der Öffentlichkeit am wenigsten wahrgenommenen Erkrankungen. Durch den Welt-Sepsis- Tag soll in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Erkrankung geschaffen werden, weil durch besseres Wissen und Aufklärung Diagnosen rascher gestellt, Behandlungen schneller eingeleitet und die Behandlungszeiten verkürzt werden können. So können die Mortalität und schwere Langzeitfolgen der Erkrankung gesenkt werden. Bei einer schweren Sepsis steigt - wenn diese nicht behandelt wird - jede Stunde die Mortalität. Unbehandelt nimmt eine Sepsis in den meisten Fällen einen tödlichen Verlauf.

Sepsis und "Blutvergiftung"

"In der Öffentlichkeit wird Sepsis sehr oft grob vereinfachend mit Blutvergiftung gleichgesetzt. Sepsis ist aber keine Vergiftung, sondern entsteht, wenn durch eine Infektion Bakterien, in selteneren Fällen Viren, Pilze und Parasiten in den Körper eindringen und körpereigenes Gewebe und Organe angegriffen werden. Wenn Sepsis nicht frühzeitig erkannt und sofort behandelt wird, sind septischer Schock, Multiorganversagen und Tod eine häufige Folge", so Prim. Univ.-Prof. Dr. Walter Hasibeder, Abteilungsleiter der Anästhesie, Intensiv- und Palliativmedizin des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Ried. Bei der Sepsis kommt es zu einer generellen Aktivierung des Immunsystems, das zunehmend gegen eigenes auch gesundes Körpergewebe vorgeht, dieses schädigt und es zu einem zunehmenden Versagen des Herzkreislaufsystems, der Lunge, Niere, Leber, Zentralnervensystems, Blut und des gesamten Verdauungstraktes führt.

Weltweit sterben mehr als 6 Millionen Kinder und 100.000 Mütter pro Jahr an dieser Erkrankung. Trotz dieser Zahlen sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung neuer Therapien vergleichsweise gering. Weltweit stirbt jede dritte Sekunde ein Mensch an Sepsis. Die Krankheit ist mit einer Sterblichkeit zwischen 30 und 60% die gefährlichste Folge einer Infektion.

15.000 - 20.000 Sepsiserkrankungen pro Jahr in Österreich

"Daten aus Europa und den USA zeigen dass etwa 200 - 300 Fälle von Sepsis pro 100.000 Einwohner pro Jahr auftreten" ergänzt Univ. Prof. Dr. Philipp Metnitz, Leitender Oberarzt an der Abteilung für Allgemeine Anästhesie und Intensivmedizin am AKH Wien. "Auf Österreich umgelegt sind das etwa 15.000 - 20.000 Fälle pro Jahr. Etwa zwei Drittel dieser PatientInnen müssen wegen auftretender Organdysfunktionen an Intensivstationen behandelt werden. Die Schwere des Krankheitsbildes "Sepsis" äußert sich trotz über die Jahre verbesserter Prognose in der nach wie vor sehr hohen Sterblichkeit: fast jede(r) zweite PatientIn verstirbt. Somit stellt Sepsis mit etwa 6.000 bis 7.500 Todesfällen pro Jahr in Österreich die dritthäufigste Todesursache nach Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems und bösartiger Neubildungen dar. Sepsis führt damit zu mehr Todesfällen als zum Beispiel der akute Herzinfarkt".

Die Quellen der Erkrankung

Der Vergleich mit Studien aus den USA und Europa zeigt, dass Atemwegsinfektionen (mit 63%), gefolgt von Infektionen des Bauchraums (mit 25%) die häufigste Erkrankungsquelle von Patientinnen und Patienten mit schwerer Sepsis sind. Die intensivmedizinischen Behandlungskosten von Patienten mit schwerer Sepsis liegen in Deutschland bei ca. 1,77 Milliarden Euro pro Jahr, das bedeutet, dass ca. 30% des Budgets für Intensivmedizin in die Behandlung der schweren Sepsis investiert werden. Dazu kommen die Spätfolgen der Sepsis, z.B. ist die körperliche Leistungsfähigkeit der PatientInnen über einen Zeitraum bis zu 2 Jahren deutlich reduziert, es können auch langfristige Beeinträchtigungen der Hirnfunktion entstehen, wie etwa Änderungen im Kurzzeitgedächtnis, der Konzentrationsfähigkeit bzw. gibt es Zusammenhänge mit einem später auftretenden Demenzsyndrom.

"Daher ist es entscheidend, dass eine Sepsis ähnlich wie ein akuter Herzinfarkt oder Schlaganfall frühzeitig erkannt wird. Aktuelle Studien zeigen, dass beim Auftreten eines septischen Schocks jede Stunde Zeitverzögerung bei der Antibiotikatherapie die Mortalität um ca. 8% erhöht. Bei der bakteriellen Meningitis kann etwa eine Zeitverzögerung der Behandlung von 2 - 4 Stunden bereits über das Schicksal eines Patienten entscheiden", so Valentin.

Bewusstseinsfördernde Maßnahmen und Früherkennung sind entscheidend

Die ersten Symptome der Sepsis sind oft sehr unspezifisch und werden daher auch unterschätzt. Typische erste Frühsymptome sind ein allgemeines Krankheits- und Schwächegefühl, das rasch stärker wird und eine beschleunigte Atmung und Atemnot. Dazu kommt beim Großteil der Patienten eine erhöhte oder abfallende Körpertemperatur und zunehmende Schmerzen im Bereich von Bauch, Flanken und der Gelenke. 50 - 60 Prozent der Sepsis treten nach einer Lungenentzündung auf und der Rest verteilt sich Magendarm-Infektionen.

"Es begann mit Schulterschmerzen, ich war nicht mehr in der Lage mich zu konzentrieren und selbst zu erkennen wie schlecht es mir geht", sagt Prof. Hasibeder, der selbst an einer Sepis erkrankt war und durch eine intensive Antibiotikatherapie geheilt werden konnte. Dieses Beispiel zeigt, dass es auch für die Ärzte selbst nicht immer leicht ist, eine Sepsis zu erkennen. Das Wesentliche ist dabei die rechtzeitige Behandlung und Diagnose, "wenn PatientInnen Kreislaufprobleme haben, die sich zunehmend verschlechtern und es auch zu Veränderungen des Bewusstseins kommt, dann sollte ein Arzt aufgesucht werden, auch wenn es im Endeffekt unbegründet sein sollte", ergänzt Metnitz. International gibt es verschiedene Pilotprojekte, um die Schnittstellen zu optimieren und das Bewusstsein für die rechtzeitige Diagnose der Sepsis zu schaffen. "Wenn jemand eine Sepsis hat, dann muss diese Person in ein Krankenhaus, Intensivmedizin wirkt umso mehr je früher diese eingesetzt wird, mit dem Ausbau von Erstversorgungszentren, wird die Diagnose rasch bereits an der Spitalstür gestellt", sagt Prof. Valentin. Zunehmend werden auch intensivmedizinische Notfallteams im Krankenhaus eingesetzt um die intensivmedizinische Kompetenz in Diagnostik und Therapie kritischer Erkrankungen wie der Sepsis rasch zum Patienten zu bringen.

Es gibt immer mehr Sepsis-Fälle weltweit, dafür gibt es unterschiedliche Gründe - wie der mangelnde Zugang zu keimfreien Wasser in den Entwicklungs- und Schwellenländern oder die zunehmende Altersverschiebung in den westlichen Ländern, die zu einer Zunahme der Risikogruppe mit vorbestehenden Erkrankungen führt. Die Prognose für die PatientInnen hat sich in den letzten Jahren verbessert, es werden aber auch über die Hälfte der Ressourcen an der Intensivmedizin für Sepsis-Behandlungen verbraucht. Sepsis verursacht in Österreich pro Jahr Kosten von 400 und 600 Millionen Euro.

Die Intensivmedizin ist der zentrale Fachbereich für die Behandlung septischer Patienten

Für Prof. Andreas Valentin - Präsident der FASIM (Verband der intensivmedizinischen Gesellschaften Österreichs) - ist die FASIM, die alle intensivmedizinischen Fachgesellschaften und intensivmedizinischen Arbeitsgruppen Österreichs repräsentiert, die ideale Plattform um die Zusammenarbeit noch besser zu koordinieren, was zum Beispiel die Erarbeitung gemeinsamer Standards für Behandlungsabläufe und Qualitätskontrolle betrifft und er setzt auch auf den Welt-Sepsis-Tag: "Hier können alle Mitgliedsgesellschaften, Krankenhäuser und Einzelpersonen die Initiative tatkräftig unterstützen".

"Stop sepsis, save lives" - soll die Öffentlichkeit informieren und die Aufmerksamkeit auf diese oft tödlich verlaufende Erkrankung lenken.

http://www.fasim.at  

http://www.world-sepsis-day.org  

APA-OTS/IS, springermedizin.at

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