zur Navigation zum Inhalt
 

Epidemiologische und ökonomische Aspekte der Polytraumaversorgung in Österreich

EINLEITUNG: In Österreich hat sich eine flächendeckende Schwerstverletztenversorgung etabliert, die zwar einen erheblichen finanziellen Aufwand bedeutet, jedoch im internationalen Vergleich eine Versorgung auf internationalem Niveau gewährleistet. Eine national und international kontrovers diskutierte Frage, ob polytraumatisierte Patienten ausschließlich in Zentren oder in Schwerpunktkrankenhäusern behandelt werden sollten, bleibt weiterhin umstritten. Beide Systemvarianten haben Vor- und Nachteile, gemeinsames Prädikat ist und bleibt die Frage der hohen finanziellen Belastung des Gesundheitssystems. Ziel dieser Arbeit ist die Erfassung der Polytraumaversorgung an den österreichischen unfallchirurgischen Abteilungen im internationalen Vergleich. MATERIAL UND METHODIK: Es erfolgte an den 54 österreichischen unfallchirurgischen Abteilungen eine Datenerhebung mittels Fragebogen. Dabei wurden Personalzahlen, Infrastruktur und Versorgungsmöglichkeiten erfragt. ERGEBNISSE: 96,3 % der befragten unfallchirurgischen Abteilungen retournierten den Fragebogen. In Level I Traumazentren beträgt der unfallchirurgische Bettenanteil 11 % der gesamten Spitalsbettenkapazität, 13 % in Level II Zentren und 18 % in Level III Einheiten. Level I Zentren sind durchschnittlich 35 % der Intensivbetten mit unfallchirurgischen Patienten belegt. 53 % und 51 % ist dieser Anteil bei den Level II und III Zentren. In Level I Krankenhäuser haben durchschnittlich 28,3 unfallchirurgische Ärzte, in Level II und III Abteilungen sind durchschnittlich 14,0 bzw. 7,5 unfallchirurgische Ärzte beschäftigt. Durchschnittlich werden 94 % der Patienten in Notarztbegleitung in die Krankenanstalten eingeliefert. 94 % der unfallchirurgischen Einheiten setzten Thoraxdrainagen, 70 % führen Schädeltrepanationen und Gefäß-Nervenrekonstruktion durch. Jede dritte Abteilung führt Replantationen durch. DISKUSSION: Die erhobenen Daten belegen das breite Spektrum der Polytraumaversorgung an österreichischen Unfallabteilungen. Die viel diskutierte Notwendigkeit der Zentralisation der Schwerstverletztenversorgung kann aufgrund dieser Daten nicht begründet werden. Limitierend aus medizinischer Sicht ist jedoch die mangelnde Vergleichbarkeit der Versorgungsqualität aufgrund derzeit fehlender objektiver Qualitätskriterien.

Silke Aldrian, Simon Wernhart, Lukas Negrin, Gabriel Halat, Elisabeth Schwendenwein, Vilmos Vécsei, Stefan Hajdu, Wiener klinische Wochenschrift 3/4/2012

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben