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In zwei Drittel der Fälle führten Überdosierungen zum Notfall.
 
Intensiv- und Notfallmedizin 14. Dezember 2011

Allerweltsmedikamente sind meist schuld

Eine Studie untersuchte Arzneimittel-Notfälle bei Senioren.

Notfallmäßige Klinikaufnahmen von über 65-Jährigen wegen unerwünschter Arneimitteleffekte gehen nur selten auf Hochrisikomedikamente zurück. Auslöser sind in zwei von drei Fällen Vitamin-K-Antagonisten, Insuline, Thrombozytenaggregationshemmer oder orale Antidiabetika – allein oder in Kombination.

 

Diese Erkenntnis ist Frucht einer Studie des US-Centers for Disease Control and Prevention. Zwar stammen alle Daten aus den USA. Doch allein schon die beteiligten Präparate legen nahe, dass die Situation in Europa bzw. Österreich nicht viel anders aussehen dürfte.

In einer einschlägigen Datenbank identifizierten Budnitz und sein Team gut 5.000 Fälle, da Frauen oder Männer ab einem Alter von 65 wegen eines arzneibedingten Notfalls stationär hatten behandelt werden müssen. Auf die Jahre 2007 bis 2009 hochgerechnet, wären in den Vereinigten Staaten insgesamt rund 100.000 Personen betroffen gewesen. Die Hälfte der Eingelieferten hatte bereits das 80. Lebensjahr überschritten. In zwei Drittel der Fälle hatten Überdosierungen das Unglück verursacht.

Multimedikation als Problem

Vier Medikamente oder Medikamentenklassen waren – einzeln oder kombiniert – zu 67 Prozent in die Malaise verwickelt: Warfarin (33,3%), Insuline (13,9%), orale Plättchenhemmer (13,3%) und orale Blutzuckersenker (10,7%). Hochrisikomedikationen hingegen spielten nur in 1,2 Prozent der Ereignisse eine Rolle. Als hochriskant stufen die Autoren beispielsweise das Antipsychotikum Thioridazin, den Kalziumkanalblocker Nifedipin und einige lang wirkende Benzodiazepine wie Diazepam ein.

Besseres Management der antithrombotischen und antidiabetischen Therapie könnte laut Budnitz helfen, Klinikeinweisungen wegen Arzneinebenwirkungen zu vermeiden. Wie dringlich die Lage ist, verdeutlichen die Wissenschaftler mit weiteren Zahlen. So nehmen 40 Prozent der über 65-Jährigen fünf bis zehn Medikamente ein. 18 Prozent schlucken täglich sogar zehn oder mehr verschiedene Präparate. Durch die zunehmende Lebenserwartung der Menschen und die Überalterung der Gesellschaft könnte sich das Problem der Polypharmazie künftig noch verschärfen.

 

 

Budnitz DS et al. Emergency hospitalizations for adverse drug events in older Americans. N Engl J Med 2011; 365: 2002–12

SpringerMedizin.de, Ärzte Woche 50 /2011

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