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Intensiv- und Notfallmedizin 27. Februar 2009

Erste-Hilfe-Check am Schlüsselbund

Sensor misst Atmung und Puls in Sekundenschnelle.

Ein neuer Sensor zeigt Ersthelfern in wenigen Sekunden an, ob eine Wiederbelebung von Herzinfarkt- oder Unfallopfern sinnvoll ist oder nicht. Diese Entwicklung des Instituts für Biomedizinische Technik am Karlsruher Institute of Technology ist so klein wie eine Nussschale und steht kurz vor der Serienreife.

 

Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems sind in den Industrieländern die häufigste Todesursache und führen allein in Deutschland jährlich bei etwa 100.000 Menschen zum plötzlichen Herzstillstand. Ob die Betroffenen überleben, entscheidet in vielen Fällen die schnelle und korrekte Reaktion der Ersthelfer vor Ort. Dabei zählt jede Minute, denn zehn Minuten nach einem Kreislaufstillstand gibt es kaum mehr Überlebenschancen. Statistiken zeigen, dass sich nur jede siebte Person, die zufällig bei einem Notfall mit Herz-Kreislauf-Stillstand anwesend ist, die Reanimation zutraut. Da jedoch nur wenige Ersthelfer den Puls korrekt ertasten können, erfolgt die Reanimierung nur etwa bei jedem zehnten Herz-Kreislauf-Stillstand-Notfall korrekt.

Die Karlsruher Entwicklung soll das Erkennen des lebensbedrohenden Zustands schneller und sicherer machen. Der Helfer legt dazu dem Betroffenen den Sensor an den Hals. „Mehrere Halsregionen eignen sich dafür, bei Männern etwa die Stelle unterhalb des Adamsapfels“, erklärt Projektkoordinator Marc Jäger. Der Sensor erfasst durch nicht-lineare Methoden gleichzeitig die Signale der kleinsten Hebungen und Senkungen, die das Atmen auslöst, sowie auch das Pulsieren der Adern. Zehn Sekunden später teilt ein optisches oder akustisches Signal dem Helfer mit, ob die Reanimation empfohlen wird oder nicht.

Noch wenige Monate bis zur Serienreife

Die Zuverlässigkeit des Geräts, die derzeit bereits bei 90 Prozent liegt, soll noch weiter gesteigert werden, ehe es laut dem Karlsruher Entwickler in den nächsten Monaten Serienreife erlangt. Nach Abschluss klinischer Tests soll der Sensor in zwei Jahren am Markt erscheinen. „Die erste Zielgruppe sind Feuerwehrleute und Sanitäter. Doch auch Privatpersonen sollen das Gerät nutzen können“, so Jäger. Dafür entscheidend seien die niedrigen Kosten und die Handlichkeit. „Der Preis wird weniger als 20 Euro betragen. Das Gerät kann am Schlüsselbund getragen oder in den Verbandskasten integriert werden“, so Jäger.

 

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.ibt.uni-karlsruhe.de

PTE/KK , Ärzte Woche

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