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Variabilität der Strukturen auf deutschen Intensivstationen – eine repräsentative, bundesweite Erhebung

HINTERGRUND: Strukturen in der Intensivmedizin sind charakterisiert durch die vorhandenen humanen und materiellen Ressourcen, der Organisation und dem Management. Ein variabler Zusammenhang mit Prozessen und Ergebnissen besteht. Die Strukturen deutscher Intensivstationen (ICU) wurden auf der Grundlage einer repräsentativen Querschnittsstudie evaluiert.

METHODEN: Die Erhebung wurde vom deutschen Kompetenznetz Sepsis (SepNet) durchgeführt. Alle Daten wurden im Rahmen einer prospektiven, repräsentativen Querschnittsstudie deutscher Krankenhäuser erhoben. Strukturmerkmale wurden in Relation der Ergebnisse (Überleben/Versterben) von Patienten mit schwerer Sepsis und septischem Schock betrachtet. Die Stichprobe wurde entsprechend der Krankenhausgröße in 5 Gruppen stratifiziert.

ERGEBNISSE: Am Stichtag wurden in 454 ICU insgesamt 3.877 Patienten betreut, darunter 415 Patienten (11 %) mit schwerer Sepsis bzw. septischem Schock. Pro ICU standen im Mittel 10,4 Betten zur Verfügung, im Verhältnis 1 Intensivbett pro 27 Krankenhausbetten, mit signifikanter Variabilität in Abhängigkeit von der Krankenhausgröße. In 81 % war ein Arzt durchgehend auf der ICU anwesend (Spannweite 66 % bis 98 % in Abhängigkeit der Krankenhausgröße, p < 0,001). Pro Schicht betreute eine Pflegekraft im Mittel 2,7 Patienten (Früh 1:2,3; Spät 1:2,6; Nacht 1:3,3 Patienten) mit signifikanter Variabilität (kleine Krankenhäuser 1:2,9; Universitätskliniken 1:2,1; p < 0,001). Mehr als die Hälfte der deutschen Intensivstationen stehen unter anästhesiologischer Leitung. Es bestand kein Zusammenhang zwischen der Anzahl des ärztlichen oder pflegerischen Personals und der Sterblichkeit der Patienten mit Sepsis.

ZUSAMMENFASSUNG: Im Rahmen einer bundesweiten, repräsentativen Querschnittsstudie deutscher Intensivstationen zeigte sich eine erhebliche Variabilität der Strukturen in Abhängigkeit von der Krankenhausgröße. Diese Variabilität ist bei der Erstellung von Standards, Refinanzierungsstrategien und im Rahmen des allgemeinen Qualitätsmanagements zu beachten.

Jürgen Graf, Andrea Reinhold, Frank M. Brunkhorst, Max Ragaller, Konrad Reinhart, Markus Loeffler, Christoph Engel, Wiener klinische Wochenschrift 19/20/2010

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