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Zahl der Todesopfer auf 21 gestiegen - "Ich empfand die Situation als surreal"

Dr. Frank Marx, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes Duisburg, war nach der Massenpanik bei der Loveparade als einer der ersten am Unglücksort.

Die schrecklichen Ereignisse bei der Loveparade am vergangenen Samstag in Duisburg gehen offenbar auf Fehler beim Sicherheitsmanagement zurück. Dagegen hat eines bei der Großveranstaltung sehr gut funktioniert: die Arbeit der Ärzte und Sanitäter vor Ort. "Ich bin froh, dass selbst bei einem so schlimmen Vorfall die medizinische Versorgung so reibungslos geklappt hat", sagt Dr. Frank Marx, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes Duisburg.

Marx war durch Zufall als einer der ersten an der Unglücksstelle und konnte so sofort eingreifen. Er ließ sich durch einen Einstieg von der darüber liegenden Autobahn in den Tunnel herab. Als er eintraf, sah er Polizeibeamte und Kollegen, die bewusstlose junge Menschen wiederbelebten. Andere Personen kauerten weinend auf dem Boden oder starrten apathisch vor sich hin - und einige Meter entfernt wiederum gab es Gäste, die nichts bemerkt hatten und unbefangen weiterfeierten."Ich empfand die Situation als surreal", sagt der Arzt.

Die Patienten am Unglücksort hatten unter anderem Knochenbrüche, Schädel-Hirn-Traumata oder Thoraxquetschungen. "Es gab erstaunlicherweise zu keinem Zeitpunkt einen Mangel an Einsatzkräften", sagt Marx.

Unabhängig von der Panik hatte die Einsatzleitung 16 Rettungsfahrzeuge in Richtung der Unglücksstelle geschickt, die deshalb schnell verfügbar waren. Dort richtete der Arzt eine Befehlsstelle ein. Polizisten sorgten dafür, dass sich der Tunnel schnell leerte und die Zufahrtswege frei wurden. So konnten die Mediziner vor Ort die Patienten rasch versorgen und die Weiterbehandlung in einem Krankenhaus veranlassen.

Die für die medizinische Betreuung Verantwortlichen hatten sich auf das Techno-Spektakel mehr als sechs Monate akribisch vorbereitet. "Wir hatten in 60 Kliniken in der Umgebung 750 Betten avisiert", berichtet Marx. Die Zusammenarbeit der Rettungskräfte sei sehr gut verlaufen. Allein der Sanitätsdienst umfasste insgesamt 1450 Personen, hinzu kamen 59 Notärzte und Hilfskräfte von Feuerwehr und örtlichen Rettungsdiensten.

Die Koordination des Einsatzes lag beim Malteser Hilfsdienst. "Insgesamt waren 2300 Personen im Einsatz", sagt Kai Vogelmann, Sprecher der Malteser.Die Hilfsdienste seien auf die besonderen Anforderungen des Einsatzes vorbereitet gewesen. "Wir wissen, dass dieses Ereignis anders zu bewerten ist als eine Wallfahrt", sagte er. „Alle Einsatzkräfte vor Ort wussten, was geschehen war", berichtet Vogelmann. Für sie war die Lage ausgesprochen schwierig.

Die Verantwortlichen hatten sich nicht nur auf die Behandlung körperlicher Verletzungen vorbereitet, sondern auch auf psychische Krisenfälle. Das bewährte sich nach der Massenpanik, Augenzeugen und Einsatzkräfte bekamen schnell Hilfe.

Unabhängig von der Versorgung der Menschen, die bei der Katastrophe zu Schaden gekommen waren, musste die reguläre Betreuung der Loveparade weitergehen. Auch ohne einen Unglücksfall ist das eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, sagt Vogelmann. Zu den üblichen Verletzungen gehören Schnittwunden, Prellungen, Erschöpfungszustände und Kreislaufprobleme. Insgesamt gab es bei der Loveparade 6500 Patientenkontakte.

Die Zahl der Todesopfer nach der Massenpanik bei der Duisburger Loveparade in Deutschland hat sich mittlerweile auf 21 erhöht. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juli erlag eine 25 Jahre alte Deutsche im Krankenhaus ihren Verletzungen, sagte der Duisburger Staatsanwalt Rolf Haverkamp.

>> Volltext des Artikels auf Ärztezeitung.de

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"Panik als Massenphänomen" von Prof.W. R. Dombrowsky, Katastrophenforschungsstelle (KFS), Universität, Kiel

 

Anja Krüger/ Ärztezeitung.de

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