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Foto: MedUni Wien
Unter der Leitung von Priv. Doz. Dr. Clemens Aigner wird die Ex-vivo-Lungenperfusion seit Kurzem am Wiener AKH erfolgreich angewandt. Österreich ist somit eines der ersten Länder weltweit, die das neue Konzept einsetzen.
 

Optimierte Spenderorgane

Lungen, die früher für eine Transplantation nicht verwendet worden wären, können nun in Schuss gebracht werden.

Ein spektakuläres neues Verfahren zur Verbesserung von Spenderlungen vor der Transplantation wird nun auch in Österreich angewandt. Die Lunge wird bei der sogenannten Ex-vivo-Perfusion an ein Schlauchsystem ähnlich einer Herz-Lungenmaschine und an ein Beatmungsgerät angeschlossen und unter einer Kunststoffkuppel beurteilt. Hierbei konnten bei den ersten drei auf diese Weise am Wiener AKH untersuchten Lungen dramatische Funktionsverbesserungen während der Ex-vivo-Perfusion erzielt werden. Alle drei Lungen wurden danach erfolgreich transplantiert und die Patienten sind wohlauf.

 

Österreich gehört weltweit zu den ersten Ländern, in denen Ex-vivo-Lungenperfusion angewandt wird. Das Konzept wurde in der aktuellen Form 2007 in Schweden entwickelt und nur in Kanada bereits in größeren Zahlen eingesetzt.

Mehr Organe verfügbar

Der Hintergrund der Entwicklung der Ex-vivo-Lungenperfusion ist der Mangel an für die Transplantation geeigneten Spenderorganen. Es würden wesentlich mehr Patienten eine Lungentransplantation benötigen als derzeit Spenderlungen zur Verfügung stehen, sodass manche der davon Betroffenen auf der Warteliste für ein Organ versterben. Außerdem gibt es immer wieder auch Fälle, in denen Spenderorgane für eine Transplantation nicht verwendet werden können, weil Zweifel an der Funktion bestehen und eine detailliertere Beurteilung bisher nicht durchgeführt werden konnte. Mit dem Ex-vivo-Lungenperfusionssystem kann die Lunge nun genau beurteilt und verbessert werden. Lungen, die früher nicht für eine Transplantation verwendet worden wären, zeigen an diesem System eine beeindruckende Erhöhung der Organfunktion und können danach in einem optimalen Zustand transplantiert werden.

Alle mit diesem System von Doz. Dr. Clemens Aigner durchgeführten Transplantationen verliefen problemlos und die Empfänger sind wohlauf. Durch die Ex-vivo-Lungenperfusion kann somit die Zahl der verfügbaren Spenderorgane deutlich erhöht werden.

Das frühere Prinzip der „kalten“ Organkonservierung zur Reduzierung des Zellstoffwechsels und Minimierung des Schadens durch den Sauerstoff- und Nährstoffmangel wird durch diese neue Technik revolutioniert.

Revolution unter der Kuppel

Die Perfusion wird mit einer blutlosen Lösung bei Körpertemperatur durchgeführt. Die Spenderlunge wird anfänglich wie bisher üblich gekühlt in den Operationssaal gebracht. Dann wird sie nach einem genauen Schema an die Perfusion angeschlossen und über einen Zeitraum von 30 Minuten aufgewärmt. Die Beatmung wird erst begonnen, nachdem die Lunge auf Körpertemperatur aufgewärmt ist, um Schäden am Organ zu vermeiden. Während der Ex-vivo-Perfusion werden laufend entscheidende Parameter wie Sauerstoffaufnahme, Elastizität der Lunge und Beatmungsdrücke überwacht und damit die Organfunktion kontrolliert. Die Lunge wird durch eine spezielle Lösung mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt und der Flüssigkeitshaushalt optimiert.

Immunologische Vorbehandlung

Für die Zukunft entstehen daraus unzählige Möglichkeiten, die Lunge vor der Transplantation zu behandeln und zu optimieren. Denkbar sind insbesondere auch immunologische Vorbehandlungen des Spenderorgans zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen. Die so gewonnenen Erkenntnisse können auch zur Behandlung von Patienten mit akutem Lungenversagen von unschätzbarem Vorteil sein.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Walter Klepetko zählt Wien mit jährlich rund einhundert durchgeführten Transplantationen bereits seit vielen Jahren zu den drei größten Lungentransplantationszentren weltweit. Seit Jänner 2010 ist das Lungentransplantationsprogramm in der neu gegründeten Abteilung für Thoraxchirurgie angesiedelt.

 

MedUni Wien/PH, Ärzte Woche 18 /2010

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