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Unterschiede in der intensivmedizinischen Praxis zwischen einem Industrie- und einem Entwicklungsland

HINTERGRUND: Es stehen nur wenige Daten über die Patientenpopulationen und intensivmedizinischen Behandlungspraktiken in Entwicklungsländern zur Verfügung. METHODIK: In dieser prospektiven Studie wurden Unterschiede in Patientencharakteristika, intensivmedizinischer Praxis und Outcome zwischen einer Intensivstation in einem mongolischen Universitätskrankenhaus mit 400 Betten (MonICU) und einer Intensivstation in einem österreichischen Schwerpunktkrankenhaus mit 429 Betten (AutICU) untersucht. Demographische Daten, Vorerkrankungen, klinische Parameter, Behandlungs- und Erkrankungsschweregradscores sowie die Sterblichkeit wurden bei allen Patienten, die an der MonICU bzw. AutICU aufgenommen wurden, während fünfeinhalb Monaten erfasst. Standardtests und eine multiple Regressionsanalyse wurden zur statistischen Auswertung herangezogen. ERGEBNISSE: Zweihundertdrei kritisch kranke Patienten wurden an der MonICU aufgenommen, 257 an der AutICU. MonICU Patienten wiesen weniger Vorerkrankungen als AutICU Patienten auf (0.9 ± 0.8 vs. 2.7 ± 1.5, p < 0.001), aber litten öfters an Tuberkulose (2.5 vs. 0%, p = 0.01) und waren häufiger vor ihrer Aufnahme auf die Intensivstation nie medizinisch untersucht worden (10.8 vs. 0%, p < 0.001). Die Aufnahmediagnosen unterschieden sich zwischen den beiden Intensivstationen sowohl in Art als auch relativer Häufigkeit (p < 0.001). MonICU Patienten wurden häufiger ungeplant aufgenommen (69 vs. 50.2%, p < 0.001) und waren schwerer erkrankt, erhielten aber weniger therapeutische Interventionen als AutICU Patienten. Die Gesamtsterblichkeit war in der MonICU höher als in der AutICU (19.7 vs. 6.2%, p < 0.001). ZUSAMMENFASSUNG: Patientencharakteristika und intensivmedizinische Praktiken unterschieden sich signifikant zwischen den beiden Intensivstationen. Die Sterblichkeit auf der Intensivstation war bei in der MonICU behandelten Patienten deutlich höher, besonders dann wenn die Patienten an einem Multiorgandysfunktionssyndrom litten. Strategien zur Verbesserung der Behandlung von kritisch kranken Patienten in der MonICU sollten sich auf system- und personalbezogene Probleme, eine Erhöhung der Akzeptanz der Intensivmedizin bei Ärzten anderer Disziplinen sowie auf eine verbesserte Ausbildung des Personals der Intensivstation konzentrieren.

Martin W. Dünser, Otgon Bataar, Ganbat Tsenddorj, Ganbold Lundeg, Christian Torgersen, Jacques-André Romand, Walter R. Hasibeder, Wiener klinische Wochenschrift

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