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Foto: wikipedia / Nevit Dilmen
Die Kenntnis des Verletzungsmusters spart Zeit.
 
Intensiv- und Notfallmedizin 9. Dezember 2009

Komplett gesehen

Ganzkörper-Computertomografie verbessert Prognose bei Schwerverletzten.

Bei schwer verletzten Unfallopfern waren die Sterberaten einer Studie zufolge niedriger als prognostiziert, wenn frühzeitig eine Ganzkörper-CT durchgeführt worden war.

 

Die Überlebenschancen schwerverletzter Unfallopfer steigen deutlich, wenn in der initialen Schockraumversorgung die Ganzkörper-Computertomografie zur Diagnostik eingesetzt wird. Dafür sprechen Ergebnisse einer Studie der Forschungsgruppe „Polytrauma“ der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Für die Studie wurden im Traumaregister der DGU gespeicherte Daten von 4.621 schwer verletzten Patienten mit stumpfem Trauma retrospektiv ausgewertet. Von diesen Patienten waren 1.494 (32 Prozent) nach Klinikeinlieferung frühzeitig mittels Ganzkörper-CT untersucht worden.

Auf der Basis validierter Risikoscores (TRISS, RISC) zur Graduierung der Verletzungsschwere berechneten die Studienautoren die erwartete Mortalität und verglichen sie mit der tatsächlich beobachteten Mortalität. Bei Patienten ohne Ganzkörper-CT stimmten prognostizierte und beobachtete Mortalität weitgehend überein. In der Gruppe der Schwerverletzten mit Ganzkörper-CT waren die Sterberaten dagegen je nach verwendetem Risikoscore um 13 Prozent respektive 25 Prozent niedriger, als prognostiziert worden war. Die Erklärung dafür könnten der erhebliche Zeitgewinn und die frühe und zielgerichtete Behandlung in Kenntnis des kompletten Verletzungsmusters sein.

„Bereits heute“, so Dr. Stefan Huber-Wagner von der Chirurgischen Klinik der Uni München, „wird im Rahmen der durch die DGU initiierten Traumanetzwerkbildung für die Zertifizierung einer Klinik als überregionales oder regionales Traumazentrum die 24-Stunden-Verfügbarkeit einer Ganzkörper-CT in Schockraumnähe gefordert. Der Trend wird sicherlich dahin gehen, leistungsstarke Computertomografen baulich in den Schockraum zu integrieren. Somit können Verzögerungen durch lange innerklinische Transportwege reduziert werden.“

 

Quelle: Huber-Wagner, S. et. al.: The Lancet 2009; 374(9685): 198–199x.

doi: 10.1016/S0140-6736(09)61325-8

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