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Oldest old Patienten und intensivmedizinische Betreuung: Prognose und therapeutischer Aufwand

HINTERGRUND: Patienten, älter als 84 Jahre werden im englischen medizinischen Sprachgebrauch als "oldest old" bezeichnet. Angesichts wachsender ethischer Diskussionen und der zunehmenden Limitierung der finanziellen Mittel im Bereich der intensivmedizinischen Betreuung ist es Ziel der präsentierten Untersuchung einen deskriptiven Überblick über die Prognose und den therapeutischen Aufwand von "oldest old" Patienten auf Intensivstationen im Vergleich zu Patienten jüngeren Alters zu geben. PATIENTEN UND METHODEN: 3069 Patienten, die innerhalb eines Zeitraumes von 7 Jahren an einer Intensivstation zur Aufnahme gelangten, wurden in 4 Altersgruppen unterteilt: jünger als 65 Jahre (48%), 65 bis 74 Jahre (26%), 75 bis 84 Jahre (22%) oder älter (5%; "oldest old"). Zuweisungsdiagnose, Länge des Intensivaufenthaltes, Schweregrad der Erkrankung, gemessen anhand des "simplified acute physiology score (SAPS)-II", Ausmaß des Therapieaufwandes, gemessen anhand des "simplified therapeutic intervention scoring systems (TISS)-28", und Vitalstatus zum Zeitpunkt der Entlassung wurden dokumentiert. ERGEBNISSE: Die Mortalität von Intensivpatienten im Alter von 85 Jahren oder älter war signifikant höher als jene von Patienten jünger als 65 (OR der Mortalität: 1,8, p < 0.001). Insgesamt hatten Patienten, die nicht überlebten höhere SAPS-II-Werte (auch nach Ausschluss der Punkte für Lebensalter), während sich höhere mittlere Tages-TISS-Werte nur bei verstorbenen Patienten jünger als 85 fanden. Es zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen mittleren Tages-TISS-Werten und dem Lebensalter (r = −0,03; p < 0,001) und signifikant niedere TISS-Tages-Werte bei "oldest old" Patienten im Vergleich zu den Patientengruppen jüngeren Alters (p < 0,001). "Oldest old" Patienten hatten einen signifikant kürzeren mittleren Krankenhausaufenthalt (median: 2; Interquartilenabstand [IQA] 1–3, p < 0,001) als die Patientengruppen jüngeren Alters. SCHLUSSFOLGERUNG: Bei "oldest old" Patienten ist der Faktor Lebensalter ein wichtiger und eigenständiger Prediktor der Mortalität, aber der akute Schweregrad der Erkrankung ist noch stärker mit der Mortalität assoziiert. Zusammenfassend ist das Lebensalter per se ungeeignet als entscheidendes Kriterium für die Zuteilung von ICU-Ressourcen.

Sophie Brunner-Ziegler, Georg Heinze, Martin Ryffel, Marion Kompatscher, Jörg Slany, Andreas Valentin, Wiener klinische Wochenschrift

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