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Schweres Schädelhirntrauma in Österreich III: Präklinischer Status und Erstversorgung

ZIELE: Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, präklinischen Status und präklinisches Management von Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) darzustellen. PATIENTEN UND METHODEN: Es standen Datensätze von 396 Patienten mit schwerem SHT (Glasgow Coma Scale < 9) zur Verfügung, die von 5 österreichischen Zentren in die Studie inkludiert worden waren. Analysiert wurden Inzidenz und Schweregrad typischer klinischer Symptome und die Häufigkeit der Verwendung verschiedener Behandlungsoptionen, und der Zusammenhang mit dem Behandlungsergebnis. Für Symptome und Behandlungsoptionen wurden ICU- und 90-Tage-Mortalität, Endzustand nach 6 oder 12 Monaten (gut = Normalzustand oder leichte Behinderung, schlecht = schwere Behinderung, vegetativer Zustand oder Tod), und die O/E ratio (Verhältnis von beobachteter zu erwarteter Mortalität) erhoben. Statistik: Es kamen Chi2-test, t-test, Fisher's exact test, und logistische Regression zur Anwendung; ein p < 0,05 wurde als signifikant angesehen. ERGEBNISSE: Die Mehrzahl (72%) der Patienten war männlich, das Alter betrug 49 ± 21 Jahre, der mittlere injury severity score (ISS) war 27 ± 17, die mittlere GCS betrug 5,6 ± 2,9, und die erwartete Überlebensrate lag bei 63 ± 30%. Die ICU-Mortalität lag bei 32%, und die 90-Tage-Mortalität bei 37%. Das Ergebnis war "gut" bei 35%, "schlecht" bei 53%, und unbekannt bei 12% der Patienten. Es fand sich, dass Alter > 60 a, ISS > 50, GCS score < 4, bilaterale Pupillenveränderungen, Atemfrequenz < 10/min, SBP < 90 mm Hg, und Herzfrequenz < 60/min mit signifikant erhöhter ICU- und 90-Tage-Mortalität und schlechtem Ergebnisses einhergingen. Zur Klassifikation von Patienten mit SHT können anstelle der gesamten Punktezahl der GCS auch nur die Punkte für die motorische Antwort verwendet werden. Die Gabe von > 1000 ml Volumen sowie Hubschraubertransport waren mit besserem Ergebnis als erwartet assoziiert, während die endotracheale Intubation weder einen positiven noch einen negativen Effekt hatte. Unterlassen der Volumentherapie oder Gabe von < 500 ml Volumen hatte ein schlechteres Ergebnis als erwartet zur Folge. Das Ergebnis war besser als erwartet bei den wenigen Patienten (5%) die hypertones NaCl erhalten hatten. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Für das Behandlungsergebnisse dürften vor allem Alter, ISS und initialer neurologischer Zustand wesentlich sein. Hypotension muss vermieden werden. Es sollte rasch ausreichend Volumen gegeben werden, um einen SBP > 110 mm Hg zu erreichen oder zu halten. Für schwer verletzte Patienten mit SHT sollte ein Hubschraubertransport arrangiert werden.

Lucia Lenartova, Ivan Janciak, Ingrid Wilbacher, Martin Rusnak, Walter Mauritz, Wiener klinische Wochenschrift

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