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Innere Medizin 20. Februar 2008

Fiebersenkung: Positiv oder negativ?

„Gebt mir die Macht, Fieber zu erzeugen, und ich heile jede Krankheit“ sagte der griechische Philosoph Parmenides (540-480 AD). Und es scheint, als hätte diese Aussage auch heute noch Gültigkeit. Warum das so ist, erläuterte Doz. Dr. Christoph Wenisch, Leiter der 4. Medizinischen Abteilung mit Infektions- und Tropenmedizin am Kaiser Franz Josef Spital in Wien, im Rahmen der Antibiotikatagung 2008 im Jänner in Wien.

„Was ist Fieber?“ fragte Wenisch zu Beginn seines Vortrags. „Eine komplexe physiologische Reaktion auf eine Erkrankung, die einen Zytokin-mediierten Anstieg der Kerntemperatur, eine Freisetzung von Akut-Phase Proteinen und die Aktivierung verschiedener physiologischer Systeme nach sich zieht“, lautete seine Antwort. Seit Jahren wogt die Diskussion, ob Fieber etwa bei intensivpflichtigen Patienten gesenkt werden soll oder nicht – und wenn ja, auf welche Weise diese Fiebersenkung geschehen soll. Eindeutig beantwortbar ist die Frage, so Wenisch, auch heute noch nicht. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass eine Fiebersenkung in vielen Fällen sogar kontraproduktiv sein kann.

Fieber ist positiv

Fieber hat durchaus auch positive Wirkungen auf den erkrankten Organismus – das erkannte schließlich sogar schon der eingangs zitierte Parmenides. So induziert die gestiegene Körpertemperatur die Heat Shock Response. „Der Organismus produziert dabei auf zellulärer Ebene das heat-shock-protein“, erläuterte Wenisch. „Dieses HSP wurde 1962 erstmals beschrieben und verleiht dem fiebernden Organismus eine Abwehrkraft.“ HSP hemmt den nuklären Faktor ?B, was die proinflammatorische Cytokinproduk-tion verringert. Zudem intensiviert Fieber die Immunantwort und wirkt bakteriostatisch. Dabei wird die Funktion weißer Blutzellen verbessert bzw. der Stoffwechsel der Bakterien negativ beeinflusst – das bedeutet, Fieber wirkt wie ein natürliches Antibiotikum.

Fieber ist negativ

„Wer fiebert, verliert 300 bis 500 ml Flüssigkeit pro Grad pro Tag durch perspiratio insensibilis und da sich die Atemarbeit erhöht“, hielt Wenisch die negativen Auswirkungen des Anstiegs der Körpertemperatur fest. „Das belastet Herz und Lunge.“ Zudem konnte festgestellt werden, dass Fieber durch die Veränderungen der Blut-Hirn-Schranken-Durchlässigkeit zu einem vasogenen Hirnödem führen kann (siehe Kasten). „Fieber unter 41 Grad Celsius, bei ausreichender Sauerstoff- und Energieversorgung, führt allerdings nicht zu pathologisch relevanten neurochemischen Veränderungen“, erläuterte Wenisch.

Sinnvolle Fiebersenkung?

Zwei Ansätze existieren zur Fiebersenkung, die medikamentöse Fiebersenkung und die physikalische Kühlung. Die letztere Methode, die mittels forcierter Luftzirkulation, Kühlmatten oder endovaskulärem Wärmeaustauschkatheter funktioniert, hat als Voraussetzungen die Sedierung und Relaxierung des Patienten. Am wachen Patienten scheitert diese Methode, da eine periphere Kühlung vom Organismus mit einer vermehrten Wärmeproduktion beantwortet wird. „Es stellt sich die Frage, ob diese Methode sinnvoll ist, da der Energieverbrauch dabei ansteigt und das kardiopulmonale System eher zusätzlich belastet wird“, hielt Wenisch fest.
Die Möglichkeit der Fiebersenkung mit Hilfe einer antipyretischen Therapie ist ebenfalls umstritten. So zeigte eine Studie von Gozzoli et al. an zehn Patienten mit Fieber, dass durch die Gabe von Metamizol die CO2-Produktion geringfügig gesenkt werden konnte. Alle anderen Parameter blieben allerdings unverändert.1 Wenisch kommt zum Schluss: „Es lässt sich also feststellen, dass nach jetziger Datenlage durch physikalische sowie durch medikamentöse fiebersenkende Maßnahmen eine nachhaltige Senkung des Energieumsatzes nicht oder nur unter Billigung ernster Nebenwirkungen gelingt, auch dann, wenn eine Reduktion der Körpertemperatur erreicht wird.“

 Fieberwirkungen

Literatur:
1 Gozzoli et al. Intensiv Care Med 2004; 30:401-407.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 8/2008

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