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Pulmologie 15. Mai 2008

Zigarette weg – Risiko gesenkt

Das Risiko, permanent mit dem Rauchen anzufangen, ist in Orten mit strengem Rauchverbot in Lokalen um ganze 40 Prozent geringer als dort, wo der Qualm im Gasthaus zum Schneiden ist.

Rauchverbote in Lokalen werden nach und nach in vielen Ländern der Welt Usus, die Vereinigten Staaten waren auf diesem Gebiet Vorreiter. Umgekehrt machen sich Forscher allerorten Gedanken darüber, wann und warum junge Menschen am ehesten zu rauchen anfangen.
„Das zu erkunden ist äußerst wichtig“, sagt Dr. Michael Siegel von der Boston University School of Public Health. Denn mit diesem Wissen könnte man Mittel und Wege finden, die Jugendlichen davon abzuhalten, zum Glimmstängel zu greifen und sie so vor einer möglicherweise lebenslangen und oft tödlichen Sucht bewahren.
Siegel und seine Forschertruppe interviewten zu diesem Zweck 3.834 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren, 2.791 davon wurden zwei Jahre später und 2.217 vier Jahre später noch einmal befragt.1 In Massachusetts, wo die Studie durchgeführt wurde, bestimmen die Gemeinden selbst, ob in Gaststätten geraucht werden darf oder nicht.
Insgesamt 9,3 Prozent von der befragten Jugendlichen waren über die Jahre Raucher geworden – 9,6 Prozent von jenen, die in Orten mit laxen Rauchverboten lebten, 9,8 Prozent von jenen in Orten, wo Rauchen nur in ganz bestimmten Bereichen gestattet ist, und 7,9 Prozent von den Jugendlichen, die in Gebieten lebten, wo Rauchen in Lokalen völlig untersagt ist. Das zeigt zwar, dass sich die jungen Menschen auch durch ein striktes Rauchverbot nicht ganz vom Rauchen abhalten lassen. Doch die Gefahr, dass aus dem Probieren eine Gewohnheit wird, ist laut den Autoren um 40 Prozent höher, wenn es kein striktes Rauchverbot gibt.

Siebenfach erhöhtes Krebsrisiko

Ebenfalls in Massachusetts untersuchten Dr. Stacey A. Kenfield und Kollegen von der Harvard School of Public Health, wie schnell sich für die Gesundheit positive Effekte bemerkbar machen, wenn es Frauen gelingt, das Rauchen sein zu lassen.2
Bekannt ist, dass Rauchen zu den häufigsten vermeidbaren Todesursachen zählt. Die viel zitierte Nurses‘ Health Study mit rund 100.000 Krankenschwestern zeigte, dass bei Raucherinnen 64 Prozent der vorzeitigen Todesfälle auf die schädlichen Auswirkungen des Rauchens zurückgehen. Diese Langzeitstudie unterzog Kenfield einer neuen Analyse: Dabei stellte sich heraus, dass von den 12.483 zwischen 1980 und 2004 verstorbenen Studienteilnehmerinnen 29 Prozent bis zum Tod geraucht hatten, 35 Prozent hatten irgendwann damit aufgehört – damit gab es mehr Todesfälle unter den Raucherinnen bzw. Ex-Raucherinnen als unter jenen Frauen, die nie geraucht hatten. Und: Das Risiko einer tödlichen Krebserkrankung ist bei Raucherinnen fast siebenmal so hoch wie bei Nichtraucherinnen. Allerdings sank unter jenen Frauen, die sich das Rauchen abgewöhnten, das Gesamtsterberisiko in den ersten fünf Jahren um 13 Prozent, die Gefahr eines Herzinfarkts halbierte sich sogar. Nur das Risiko eines Lungenkrebses bleibt noch 30 Jahre nach der letzten Zigarette erhöht.

1Siegel M et al: Local Restaurant Smoking Regulations and the Adolescent Smoking Initiation Process. Arch Pediatr Adolesc Med. 2008; 162(5):477-483.
2Kenfield SA et al: Smoking and Smoking Cessation in Relation to Mortality in Women. JAMA. 2008; 299(17):2037-2047.

Elisabeth Tschachler-Roth, Ärzte Woche 20/2008

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