zur Navigation zum Inhalt
 
Pulmologie 15. Mai 2008

Mögliche Asthma-Ursache

Die Belastung der Luft mit freien Radikalen stellt eine mögliche Ursache von Asthma und anderen Atemwegserkrankungen dar. Das haben Dr. Duanne Sigmund und Dr. Uta Wille vom Centre of Excellence for Free Radical Chemistry and Biotechnology an der Universität Melbourne herausgefunden. Den Untersuchungen der beiden Chemikerinnen zufolge können atmosphärische Nitratradikale irreversible Schäden an Aminosäuren im menschlichen Körper verursachen. Diese Zerstörung der Bausteine für das menschliche Protein sehen die Forscherinnen als potenzielle Ursache für das Auftreten von Atemwegserkrankungen. Freie Radikale sind bekanntlich Atome oder Moleküle, die im Gegensatz zum Elektronenpaar beim normalen Molekül einzelne ungepaarte Elektronen haben und daher sehr reaktionsfreudig sind. Nitratradikale bilden aus dem Emissionsprodukt Stickstoffdioxid und dem Treibhausgas Ozon, das für den Menschen gesundheitsgefährdend ist. Besonders abends und in der Nacht, wenn die UV-Strahlung der Sonne nachgelassen hat, steigen die Konzentrationen dieses Radikals. „Wir wollten herausfinden, was diese Nitratradikale im menschlichen Körper anrichten, wenn wir sie nachts einatmen“, erklärt Sigmund.
So beobachteten die Wissenschaftlerinnen, dass die Nitratradikale mit den menschlichen Aminosäuren zu verschiedenen Verbindungen reagierten, welche wiederum bei bestimmten Atemwegserkrankungen eine gesteigerte Immunantwort hervorrufen. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Nitratradikale wirklich mitschuldig an respiratorischen Erkrankungen sein könnten“, meint Sigmund. „Dennoch wurde dem Nitratradikal bis zu dieser Studie keine Bedeutung für das Entstehen von Atemwegserkrankungen wie Asthma beigemessen.“
Im nächsten Schritt werden die Wissenschaftlerinnen den Fokus ihrer Untersuchungen auf die Zellmembranen legen. „Wir prüfen, ob diese Radikale in Zellen hineingelangen und dort Schaden anrichten können“, fügt Wille hinzu. Wenn dem wirklich so wäre, müsste die Rolle der Nitratradikale zukünftig bei der Untersuchung von Atemwegserkrankungen miteinbezogen werden, so die Forscherinnen. Die Studie der australischen Chemikerinnen wird im Fachblatt Chemical Communications der britischen Royal Society of Chemistry veröffentlicht.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben