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Pulmologie 13. Juni 2016

Soll GOLD-Kategorie 0 wieder eingeführt werden?

Vor zehn Jahren wurde sie abgeschafft, jetzt fordern einige ihre Wiederbelebung: Die GOLD-Kategorie 0, zu der Patienten gehören, deren Lungenfunktion noch nicht die Diagnose COPD erlaubt, die aber als hochgefährdet eingestuft werden müssen.

„Wer sich sklavisch an das geltende diagnostische Kriterium Post-Bronchodilatator FEV1/FVC < 0,7 hält, riskiert, Patienten zu verpassen, die echte Probleme haben“, betonte Prof. Dr. Prescott G. Woodruff, University of California, San Francisco. Als Beleg zitierte er die kürzlich von ihm als Erstautor veröffentlichte Beobachtungsstudie SPIROMICS (Subpopulations and Intermediate Outcome Measures in COPD; NEJM 2016; 374:1811–21 - siehe Artikel „Normale Lungenfunktion und trotzdem COPD-krank), in der Raucher und Ex-Raucher mit erhaltener Lungenfunktion mit Nie-Rauchern verglichen worden waren.

Raucher und Ex-Raucher zeigten deutlich häufiger eine hohe Symptomlast. Sie benötigten sechs- bis achtmal mehr Bronchodilatatoren oder inhalative Steroide und hatten eine deutlich schlechtere Prognose als asymptomatische Patienten oder Nie-Raucher. Das gilt sowohl für die jährliche Exazerbationsrate als auch für die körperliche Leistungsfähigkeit.

GOLD 0 neu definieren

Woodruff wünscht sich nicht GOLD 0 nach der alten Definition zurück, sondern eine neue COPD-Klasse für die vielen Raucher und Ex-Raucher mit erhaltener Lungenfunktion und ausgeprägter Symptomatik: „Die Spirometrie allein reicht nicht aus, um diese Patienten zu identifizieren.“

Prof. Dr. Roberto Rodriguez-Roisin, Universität Barcelona, hält nicht viel davon: „GOLD 0 wurde eingeführt, um Risikokandidaten zu erkennen, aber es konnte nicht gezeigt werden, dass und wie man sie vor Progression schützen kann“, so der spanische Pneumologe. Der natürliche Verlauf der Erkrankung sei viel variabler, als die gängigen Grafiken glauben machen. Deshalb sei es nahezu unmöglich, im Einzelfall eine Vorhersage zum Krankheitsverlauf zu treffen.

Rodriguez-Roisin will betroffene Patienten aber nicht sich selbst überlassen. „GOLD 0 ist weggefallen, aber die Botschaft bleibt: Husten und Auswurf sind nicht normal, sondern sollten Anlass sein, nach Ursachen zu suchen und zu behandeln, wenn der Patient eine Therapie braucht.“ Allerdings ist derzeit völlig unklar, was sich den Patienten außer Raucherentwöhnung und symptomlindernder Medikation noch anbieten lässt.

Auf Spirometrie nicht verzichten

Auch Woodruff plädierte für eine adäquate Diagnostik: „Die Botschaft an die niedergelassenen Kollegen kann nicht sein, auf die Spirometrie zu verzichten und nur nach Symptomen zu schauen“, betonte er. Betroffene Patienten zeigen meist schon 10 bis 15 Jahren vor Diagnose Symptome – „die müssen wir finden, bevor sie den Bach runtergehen“.

Außerdem wies er darauf hin, dass die Rückkehr von GOLD 0 noch aus einem anderen Grund wünschenswert ist: Um den Patienten wirksam helfen zu können, braucht es klinische Studien, und dafür wird eine Definition benötigt, wer darin eingeschlossen werden soll.

Quelle: Kongress der American Thoracic Society, San Francisco, USA, 13. bis 18. Mai 2016

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 24/2016

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