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© Gregor Fischer/dpa
Die Fälle von multiresistenter Tuberkulose sind hierzulande in den vergangenen Jahren stabil geblieben.
 
Pulmologie 17. Mai 2016

Lorbeer für Tbc-Heilanstalt

Neue österreichisch-deutsche Studie zeigt: Hohe Heilungsraten bei multiresistenter Tuberkulose in Wien.

Eine individuelle medikamentöse Therapie bei multiresistenter Tuberkulose hat eine hohe Erfolgsrate. Das hat eine Studie mit Daten des Otto-Wagner-Spitals in Wien ergeben. Die Ausheilungsrate liegt bei mehr als 70 Prozent.

Deutsche und österreichische Wissenschafter haben die Ergebnisse der Behandlung von 90 Kranken mit multiresistenter Lungentuberkulose zwischen Jänner 2003 und Dezember 2012 analysiert. Alle Patienten stammten nicht ursprünglich aus Österreich, 70 Prozent aus Staaten der Ex-UdSSR. 14 der Betroffenen litten an der sehr schwierig zu behandelnden extrem resistenten Tbc.

In den vergangenen Jahren wurden gerade bei Patienten mit resistenter und extrem resistenter Tuberkulose die individuelle Abstimmung der verwendeten Medikamente auf die Charakteristika der beim einzelnen Patienten isolierten und in Kultur für die notwendigen Untersuchungen gezüchteten Erregerkeime (Mycobacterium tuberculosis) immer wichtiger. Das führt dazu, dass im Einzelfall nur noch solche Arzneimittelkombinationen verwendet werden, bei denen ein Ansprechen der Kranken erwartet werden kann.

Im Falle der 90 Tbc-Patienten, deren Daten im Nachhinein analysiert worden sind, ergab sich folgendes Bild: Insgesamt wurden 88 verschiedene Medikamentenkombinationen verwendet. Elf Prozent der Kranken mussten zusätzlich operiert werden. Bei 65 Betroffenen (72,2 Prozent) war die Behandlung erfolgreich, acht Personen stiegen aus der Therapie aus, drei (3,3 Prozent) der Kranken starben. Acht Patienten setzten ihre Behandlung in einem anderen Land fort, sechs waren bei Abschluss der Erhebungen noch in Therapie.

Ein wichtiges Ergebnis, wie die Wissenschafter vor Kurzem in den „Annals“ der amerikanischen Pneumologengesellschaft schrieben: Die Erfolgsraten bei den Kranken mit extrem resistenter Tuberkulose waren genauso hoch wie bei Patienten mit noch immer besser behandelbaren multiresistenter Tuberkulose ( http://bit.ly/24RQR0h ).

„Wir haben in den vergangenen 60 Jahren eine extreme Reduktion der Fälle in Österreich gehabt“, sagt Dr. Alexander Indra, Leiter der Referenzzentrale für Tuberkulose am Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

1954 wurden in Österreich noch fast 12.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. 2014 sind 582 Fälle festgestellt worden. 2015 waren es wahrscheinlich etwa ebenso viele Fälle.

Einen Durchbruch hat das Next-Generation-Sequencing gebracht, welches von den AGES-Experten unter Alexander Indra zur Decodierung und Analyse der gesamten Erbsubstanz der aus der Erregerkultur gewonnenen Keime verwendet wird.

Die Ergebnisse können bereits binnen zwei Stunden vorliegen. Damit lassen sich Resistenzbestimmungen sehr schnell durchführen. Entscheidend ist das für die zielgenaue Therapie.

Bei Erregern ohne Resistenzen werden die Patienten drei bis acht Wochen stationär mit vier Medikamenten (Rifampicin, Isoniazid, Pyrozinamid und Ethambutol; Anm.) behandelt. Bei Patienten mit Resistenzen wird mit mehr Arzneimitteln drei bis sechs Monate lang stationär behandelt. Bei beiden Formen folgt dann eine weitere längere ambulante Therapie, die genau überwacht werden muss.

Die Fälle von multiresistenter Tuberkulose sind hierzulande in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Indra sagt dazu folgendes: „2014 hatten wir 18 Fälle multiresistenter Tuberkulose und zwei Fälle von extrem resistenter Erkrankung. 2015 (vorläufige Zahlen; Anm.) waren es zwölf Fälle multiresistenter Tuberkulose und kein Fall einer extrem resistenten Erkrankung.“

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