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Prof. Dr. Wolfgang Popp (Leiter des Zentrums für Lungenerkrankungen und Langzeitbeatmung im Pflegewohnheim Donaustadt), Prim. PD Dr. Valerie Nell-Duxneuner (Leitung Klinikum Peterhof in Baden), Prof. Dr. Regina Roller-Wirnsberger (Expertin für Geriatrie a
© Martin Burger

Tagungsort Seitenstetten im Mostviertel: Lungengesundheit wird vor allem in den Städten zum Problem.

 
Pulmologie 26. April 2016

Das röchelnde Volk

COPD betrifft rund 400.000 Österreicher, viele wissen nichts davon.

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) wird 2020 die Nummer 3 unter den tödlichen Krankheiten sein. War früher Rauchen allein ursächlich, sind durch Klimawandel und Luftverschmutzung heute auch Nichtraucher betroffen.

Wir haben ein Riesenproblem mit COPD. Das war die Botschaft der heimischen Teilnehmer am Frühlings-Gesundheitsforum Praevenire in Seitenstetten, Spezialthema „Healthy Ageing“. Kein Wunder: Rund zehn Prozent der über 40-Jährigen sind betroffen, nur 20 Prozent der Fälle sind aber diagnostiziert, was die Voraussetzung für Therapie und Rehabilitation ist.

So zitierte Prof. Dr. Otto Burghuber, Abteilungsvorstand am Otto-Wagner-Spital, einen Befund der Weltgesundheitsorganisation, dass „die chronisch obstruktive Lungenerkrankung 2020 die dritthäufigste Todesursache in der westlichen Welt darstellen wird.“ Rund 400.000 Österreicher haben eine behandlungsbedürftige COPD. Auch eine Folge des demografischen Wandels.

Die COPD-Entwicklung beginnt meist mit chronischer Bronchitis und einer chronischen Entzündung der Bronchien. Es kommt zu einer schnellen Abnahme der Lungenfunktion, was schließlich zum Lungenemphysem führen kann.

Entscheidend wäre eine frühzeitige Diagnose, um die ständige Verschlechterung durch eine entzündliche und bronchienerweiternde medikamentöse Therapie rechtzeitig zu bremsen, sagte Burghuber.

Unbefriedigend ist die Rehabilitation von COPD-Patienten hierzulande. Laut Dr. Valerie Nell-Duxneuner, ärztliche Leiterin des Klinikums Peterhof in Baden, gibt es nur 545 Betten für eine stationäre Reha dieser Patienten. Das sei eine massive Unterversorgung, sagte sie.

Seit Jahren werde hierzulande der Aufbau ambulanter Rehabilitationseinrichtungen gefordert.

Klimawandel und Krebs

Überleben in veränderten Umwelten: In Seitenstetten wurden Programme für ländliche Gemeinden zusammengestellt. Aber aus einer Weltstadt kam der ungewöhnlichste Beitrag, jener des deutschen Pneumologen Prof. Dr. Christian Witt, der an der Charité in Berlin forscht: der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Lungenkrebs.

Bei Lungenkrebs gebe es weltweit pro Jahr 1.350.000 Neuerkrankungen – beim Mann die häufigste tumorbedingte Todesursache. Inzidenzfaktoren seien die Altersstruktur der Bevölkerung, der Gender Shift und der frühe Rauchbeginn. Mit steigenden Temperaturen seien aber auch mehr Feinstaub, Ozon und Allergene in der Luft. In den Städten bilden sich Hitzeinseln. Hitzewellen und Trockenheit erhöhen die Mortalität, Asthma, Allergien und Krebs stehen damit in Zusammenhang, sagte Witt. „Die Lunge ist von Umweltveränderungen des Klimawandels besonders betroffen. Steigt die Temperatur auch nur um ein Grad Celsius, hat dies schon große Auswirkungen auf die Mortalität. Lungenkrebs und der Klimawandel stehen im urbanen Bereich im engen Zusammenhang. Die wärmere Luft ist in der Lage, mehr Teilchen aufzunehmen, es sind mehr air pollutants vorhanden, mehr schmutzige Luft.“ War früher COPD eine reine Raucherkrankheit, sind heute auch Nichtraucher von der Erkrankung betroffen, bedingt durch Luftverschmutzung und Klimawandel, sagt der seit 1998 an der Charité tätige Witt. „Was in der Lunge passiert, ist ganz klar. Die Hitze führt zu mehr Bronchokonstriktion, die Hitze treibt die Bronchitis an.“ Alte und chronisch Kranke seien viel stärker betroffen als gesunde 18-Jährige, „falls es so was noch gibt“. Auslöser für Witts Forschungen war der Hitzesommer 2003.

Wenn diese Entwicklung etwas Gutes habe, dann dieses: „Je höher die Temperaturen, desto mehr Aufnahmen. Es gibt immer welche, die mit dem Schwert auf unsere pneumologischen Betten losgehen. Jetzt können wir sagen: ,Stopp‘. Wir werden es (Anm.: die Folgen des Klimawandels) alle nicht mehr erleben, aber ist das so klug, was ihr da vorhabt? Da ist der Klimawandel ein wunderbares Argument“, meinte der Lungenforscher.

Eine Gegenstrategie in kleinem Rahmen: klimatisierte Krankenhauszimmer. „Da gibt es seit einer Woche eine Ausschreibung für ein 100 Millionen Euro schweres Forschungsprogramm namens ,Zukunftsstadt‘, bei der es darum geht, wie wir unsere Städte gestalten wollen, insbesondere die wachsenden Städte. In Deutschland sind das Berlin, Leipzig und Dresden, Köln, Hamburg, München und Stuttgart. Das ist wichtig, weil wir werden auch in diesem Sommer wieder Hitzestress in der Downtown-Region bekommen. Es geht darum, wie gestalten wir urbane Krankenhäuser in verbauten Stadtteilen, wie reagieren wir da, nicht das gesamte Krankenhaus klimatisieren, aber zwei bis drei Zimmer. seien kein Problem.“

Martin Burger, Ärzte Woche 17/2016

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