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© Lukas Schulze/dpa
Laut Kirchbacher wäre es im Sinne des österreichischen Gesundheitssystems schon bei jungen Menschen eine intensive Aufklärung über die Schädlichkeit des Rauchens zu betreiben.
 
Pulmologie 5. April 2016

Kampf dem Lungenkrebs

Große Fortschritte in der Behandlung von Lungenkrebs, dennoch bleibt Raucherprävention wichtigste Maßnahme.

Geben moderne Krebstherapien – von der Chemotherapie über hoch-spezialisierte personalisierte Therapien bis hin zu der in Entwicklung stehenden Immuntherapie – bei verschiedensten Krebsarten zunehmend Hoffnung, steht bei fortgeschrittenem Lungenkrebs leider noch immer keine Heilbarkeit in Aussicht. Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie sieht als wichtigste Maßnahme, um die Mortalität des Lungenkarzinoms einfach und nachhaltig zu reduzieren, die Raucherprävention.

Das Lungenkarzinom ist weltweit die Krebstodesursache Nummer 1. Laut Statistik Austria erkrankten im Jahr 2011 in Österreich 4.130 Personen daran. Bei Männern ist es die zweithäufigste Krebserkrankung (nach Prostatakarzinom) und bei den Frauen die dritthäufigste (nach Brustkrebs und Dickdarmkarzinom). Leider werden 50 Prozent der Fälle erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert.

Zu spät erkannt

„Das große Problem beim Lungenkrebs ist, dass nach wie vor etwa 50 Prozent der Lungenkarzinome erst in einem unheilbaren Stadium diagnostiziert werden. Bis vor wenigen Jahren war bei einem entsprechend guten Allgemeinzustand eine Chemotherapie die Therapie der Wahl. Damit kann man in etwa 30 bis 40 Prozent die Tumorlast reduzieren und in weiteren 40 Prozent die Krankheit stabilisieren“, so der Lungenkrebsexperte Dr. Klaus Kirchbacher, Oberarzt der 2. Medizinischen Abteilung mit Pneumologie, Wilhelminenspital Wien.

Erst Anfang 2000 wurde eine Zweitlinientherapie zum Standard und vor einigen Jahren in bestimmten Situationen eine Erhaltungstherapie. Mittlerweile sind Viertlinientherapien keine Seltenheit mehr. Trotz aller dieser Verbesserungen im Bereich der Chemotherapie und der Begleittherapien sind ein Jahr nach der Diagnose nur mehr etwa 30 bis 40 Prozent der Erkrankten am Leben.

Um 2010 begann die Ära der personalisierten Therapie. Zuerst gelang es, für das Tumorwachstum verantwortliche aktivierende Mutationen des EGF-Rezeptors zu blockieren, später wurden weitere Angriffspunkte (EML4-ALK Translokationen) identifiziert und entsprechend blockierende Therapien entwickelt. Im Vergleich zur Chemotherapie zeigte sich hier eine deutliche Überlegenheit hinsichtlich der Ansprechraten, Dauer des Ansprechens und Nebenwirkungen.

Daher werden diese zielgerichteten Medikamente bei Vorliegen einer entsprechenden Veränderung an den Tumorzellen heute bereits als Erstlinientherapie eingesetzt. „Für diese Therapien sind aber leider nur etwa 15 Prozent der Patienten mit einem fortgeschrittenen Lungenkarzinom geeignet, wobei es sich hier im überwiegenden Ausmaß um Patienten handelt, die nie geraucht haben“, erläutert Kirchbacher.

Für den Einsatz in früheren Tumorstadien gibt es aktuell keine unterstützenden Daten. „Hervorzuheben ist auch die Tatsache, dass die Tumorzellen gegen diese Medikamente irgendwann eine Resistenz entwickeln, wobei diese Zeitspanne im Medianen etwa zwölf Monate beträgt“, so Kirchbacher weiter.

Immuntherapie birgt große Hoffnung

Die Immuntherapie in Form einer „Impfung“ gegen Lungenkrebs ist in den letzten Jahren intensiv beforscht und untersucht worden. Kirchbacher: „Die bisherigen Ergebnisse waren aber leider negativ.“ Erst mit der Blockade sogenannter Checkpointe des Immunsystems (beim Lungenkarzinom PD-1 und PD-L1) zeigten sich in bestimmten Konstellationen des fortgeschrittenen Lungenkrebses deutliche Verbesserungen im Vergleich zur Chemotherapie. Aktuell sind zahlreiche Studien im Laufen, unter anderem auch um jene Patienten zu identifizieren, die von einer derartigen Immuntherapie besonders profitieren.

Trotz aller Verbesserungen und großem Forschungsaufwand gelingt es bisher mit keiner der oben angeführten Therapieformen, Patienten mit einem fortgeschrittenen Lungenkarzinom zu heilen. Zudem sind gerade diese „neuen“ Medikamente auch mit sehr hohen Kosten verbunden.

Prof. Dr. Meinhard Kneussl, Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung mit Pneumologie, Wilhelminenspital Wien, Medizinische Universität Wien, und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), sieht ein zentrales Problem in der mangelnden Raucherprävention vor allem bei Jugendlichen: „Die sinnvollste und effektivste Maßnahme, die Mortalität des Lungenkarzinoms einfach und nachhaltig zu reduzieren, wird aus unserer Sicht zu wenig forciert: Die primäre Prävention im Sinne einer Reduktion des inhalativen Rauchens, denn etwa 80 Prozent der Lungenkarzinome sind darauf zurückzuführen!“ „Es wäre“, ergänzt Kirchbacher, „auch im Sinne des österreichischen Gesundheitssystems, entsprechend intensive Aufklärung über die Schädlichkeit des Rauchens schon bei jungen Menschen zu betreiben, da die Behandlung Tabak-assoziierter Erkrankungen – es geht ja nicht nur um Lungenkrebs – horrende Summen an Geldmitteln erfordert.“

Diese Kampagnen sollten fixer Bestandteil des Schulunterrichtes ab etwa dem 12. Lebensjahr sein und auch im Erwachsenenalter verpflichtend und regelmäßig in Betrieben durchgeführt werden, um so eine möglichst hohe Motivation zu erzielen, nie zu Rauchen zu beginnen beziehungsweise damit aufzuhören.

Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören

Mehrere Untersuchungen belegen einen beträchtlichen „Rückgewinn“ an Lebenszeit, selbst wenn man das Rauchen erst mit 55 Jahren beendet. Es gilt aber selbstverständlich das Motto: „Je früher man aufhört, desto besser und am besten erst gar nicht damit anfangen.“

Kneussl: „Es ist daher von allen ärztlich tätigen Personen zu fordern, bei jeder sich bietenden Gelegenheit eine Raucherberatung anzubieten. Nur so wird man in Zukunft weniger Lungenkrebstote beklagen und nicht mehr so häufig miterleben müssen, wie diese oft jungen Menschen mit einer in den meisten Fällen leicht vermeidbar gewesen Erkrankung in oft kurzer Zeit versterben.“ Kirchbacher abschließend: „In diesem Sinne: Lasst uns weiter nach besseren Therapien forschen, aber niemals auf die Wurzel des Übels vergessen.“

Quelle: Medienaussendung der ÖGP anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar 2016; Urban & Schenk medical media consulting

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