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Dr. Karin Schelch sucht das Abenteuer Wissenschaft in Australien. Dort erwarten sie „neue Schwerpunkte“ und „offene Menschen“.
 
Pulmologie 15. Februar 2016

„In Australien spenden Angehörigen lieber für die Forschung, anstatt Kränze für die Beerdigung zu kaufen“

3 Fragen, 3 Antworten

Die Wiener Molekularbiologin Schelch hat von der internationalen Vernetzung der Mesotheliomforscher profitiert. Sie konnte auf Konferenzen Kontakte knüpfen und begegnete auf einem dieser Treffen auch dem Chef Ihres neuen Arbeitgebers: das Asbestos Diseases Research Institute in Sydney.

Was unterscheidet Austria von Australia?

Schelch:Hier ist es schwieriger, für ein Mesotheliomprojekt Geld zu bekommen als etwa für eine Arbeit über Brustkrebs. Es sind nicht so viele von ersterem Problem betroffen. Die Pharmafirmen fragen sich, warum sie da Geld investieren sollen, wenn sie ein Präparat nur 10.000-mal verkaufen können und ein anderes dafür fünf Millionen Mal. Bis vor ein paar Jahren galt das Mesotheliom noch als „orphan disease“, aber das hat sich mittlerweile geändert. In Australien ist es zwar genauso schwer Geld aufzustellen, allerdings bekommen australische Forschungsinstitute wie das EBI viele Spenden. Wenn ein Australier nachweisen kann, dass er wegen seiner Arbeit ein Mesotheliom bekommen hat, dann bekommen die Betroffenen extrem hohe Entschädigungen gezahlt, vom Staat und der Firma. Das hilft den Betroffenen nichts, aber die Angehörigen spenden dann das Geld für die Forschung. Damit werden Studien finanziert. Bemessungsgrundlage der Entschädigung ist die Lebensverdienstsumme des Patienten. Das können auch drei Millionen Dollar sein. Das ist schon ein Ausnahmefall, aber sonst macht es die Summe der Spenden aus. In Australien ist es üblich, dass die Angehörigen, statt Kränze für die Beerdigung zu kaufen, für die Forschung spenden.

Was reizt Sie an diesem Gebiet?

Schelch:Dass es wenige Patienten gibt, daher wird auch wenig geforscht. Das macht die Sache spannend. Weil es eine bösartige Erkrankung ist. Aufgrund der geringen Patientenzahl ist es schwer an Studienmaterial zu kommen. In Wien haben wir es relativ gut, weil wir mit den Chirurgen des AKH zusammenarbeiten.

Wieso machen Sie dann nicht in Wien auf der MedUni weiter?

Schelch: Es gibt eine starke Zusammenarbeit der Mesotheliomforscher weltweit, durch Kooperationen und das Tauschen von Patientenmaterial. Daher ist es wichtig, dass man zu Konferenzen geht. Da hatte ich als Biologin der Wahl das Glück, dass mich die Ärzte überall hin mitgenommen haben. Normalerweise fährt man als Dissertant in der Krebsforschung nur einmal zu so einer Konferenz – mit einem Budget von 700 Euro. Bei einer dieser Konferenzen habe ich den Leiter einer australischen Forschungsgruppe kennengelernt, bei dem ich ab März arbeiten werde.

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