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© Sharon Barnes / iStock / Thinkstock
 
Pulmologie 23. November 2015

Acht Wochen sind zuviel

Husten als wichtiges Symptom für COPD wird häufig ignoriert – gerade in der Erkältungszeit. Je früher jedoch COPD erkannt wird, desto besser kann man ihr Fortschreiten aufhalten.

Die COPD gibt einem eigentlich lange genug Zeit sie rechtzeitig zu erkennen, aber dennoch gehört sie zu den häufigsten unterdiagnostizierten Erkrankungen weltweit. Bei der Erstdiagnose sind meist bereits 50 Prozent des Lungengewebes zerstört. Die Krankheit ist nicht heilbar, deshalb ist eine möglichst frühzeitige Diagnose enorm wichtig. Denn wenn Patienten am Beginn der Erkrankung ihren Lebensstil ändern, können sie meist gut mit ihr leben. Deshalb sollten Patienten langandauernden Husten unbedingt ihrem Arzt mitteilen.

COPD, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, ist eine echte „Killerkrankheit“. Sie kostet weltweit jährlich mehr als fünf Millionen Menschen das Leben. Wer an COPD erkrankt ist, muss damit rechnen, dass seine Lebenserwartung um bis zu zehn Jahre verkürzt ist. Die Krankheit ist unter anderem deshalb so heimtückisch, da die ersten Symptome von den Patienten oft nicht richtig wahrgenommen, erkannt und somit auch dem Arzt nicht mitgeteilt werden.

Gerade in der Erkältungszeit wird länger anhaltender Husten oft nicht ernst genug genommen und dadurch COPD nicht rechtzeitig erkannt. Dabei gilt: Je früher der Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird, desto besser kann ihr Fortschreiten aufgehalten werden und desto höher ist die Lebenserwartung und auch die Lebensqualität der Patienten.

Husten wird oft nicht berichtet

Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie, ÖGP, startet deshalb mit einer Awareness-Kampagne, die unter anderem mit Radio-Spots darauf aufmerksam machen möchte, dass jeder Husten, der länger als acht Wochen besteht, ernst zu nehmen ist und unbedingt dem Arzt berichtet werden muss.

„Die Krankheit COPD ist deshalb so gefährlich, weil die Alarmsymptome wie chronischer Husten – mit oder ohne Auswurf – sehr lange nicht vom Patienten dem Arzt berichtet werden. Es herrscht also ein eklatantes ‚Underreporting‘.

Wir müssen darüber aufklären, dass Husten, der – auch außerhalb der Erkältungszeit – länger als acht Wochen andauert, unbedingt dem Arzt auch mitgeteilt werden muss“, sagt Prof. Dr. Meinhard Kneussl, Vorstand der 2. Med. Abteilung mit Pneumologie, Wilhelminenspital Wien, Medizinische Universität Wien, und Präsident der ÖGP.

Besonders in der kalten Jahreszeit tritt bei COPD-Patienten häufig eine akute Verschlechterungen des Gesundheitszustandes auf. Zu diesem Zeitpunkt aber ist „Husten“ das häufigste Symptom in den Ordinationen der Hausärzte. Wenn der Patient nun nicht berichtet, dass er schon lange Zeit hustet, Lungenfachärzte sprechen von einer Episode von mehr als acht Wochen andauerndem Husten, führt der behandelnde Hausarzt die Symptome auf die grassierende Verkühlungs- oder Grippewelle zurück.

Kneussl: „Oft sind die Patienten sehr krank, sie sind kurzatmig und unbelastbar – aber die richtige Diagnose geht durch die Infektionszeichen einfach unter. Es ist auch verständlich, dass sich COPD in der ‚Husten-Schnupfen-Heiserkeit-Zeit‘ besonders deutlich zeigt: 30 Prozent der Verschlechterungen dieser Krankheit werden nämlich durch sogenannte banale Viren ausgelöst. Das Fatale dabei: Da durch die Grunderkrankung COPD bereits eine chronische Entzündung der Atemwege vorliegt, können diese ‚Erkältungsviren‘ ihr zerstörerisches Werk umso leichter fortsetzen und weiter Lungengewebe zerstören. Die bei COPD bereits vorliegende chronische Entzündung der Atemwege wird durch eine Infektionsepisode also massiv angekurbelt.“

Zerstörerische Erkrankung

COPD ist eine chronische Krankheit, der eine genetische Veranlagung zugrunde liegt und die zur Zerstörung der Bronchien, der Lungenbläschen und der Lungengefäße führt. Ausgelöst und verstärkt wird COPD durch Schadstoffeinwirkung wie Feinstaub, Abgase, Rauchinhaltsstoffe (Aktiv- und Passivrauchen!) und eben Viren und Bakterien.

COPD nimmt den Betroffenen nicht nur Lebensjahre, COPD nimmt vor allem Lebensqualität: Die Patienten leiden unter quälender Atemnot, Invalidität und vor allem auch sozialer Isoliertheit – Angst und Depression sind die Folgeerscheinungen dieser Erkrankung, die einem eigentlich lange Zeit gibt, sie zu erkennen, die aber dennoch zu den häufigsten unterdiagnostizierten Erkrankungen weltweit gehört.

Dr. Sylvia Hartl, Vorstand der 2. Internen Lungenabteilung am Otto Wagner-Spital Wien und Steering member of the European COPD Audit Group: „Lange Zeit ist Husten das primäre Symptom, aber es wird von den Patienten leider meist auch lange ignoriert bzw. bagatellisiert. Husten ist nämlich auch jenes Symptom, über das dem Arzt am häufigsten nicht berichtet wird, wenn es nicht um Erkältungen geht. Ein Umstand, der es dem Hausarzt nahezu unmöglich macht, COPD zu entdecken!“

Kein Wunder also, dass es in 90 Prozent der Fälle erst dann zur Diagnose COPD kommt, wenn bereits Atemnot – und diese auch meist bereits bei geringer Anstrengung – vorliegt. „In der Regel ist zu diesem Zeitpunkt aber bereits 50 Prozent der Lungenstruktur angegriffen oder unwiederbringlich zerstört“, stellt Hartl klar.

COPD ist nicht heilbar. Aber gerade deswegen ist eine möglichst frühzeitige Diagnose – mit Lebensstiländerung und Therapie – so wichtig. Denn wenn man möglichst am Beginn der Erkrankung seinen Lebensstil ändert – z. B. mit dem Rauchen aufhört – kann man gut mit ihr leben. Der Zeitpunkt des Beginns der Therapie aber macht den Unterschied!

Doch welche Auswege gibt es aus diesem Dilemma, das sich darin zeigt, dass Anfangssymptome bagatellisiert werden, eine möglichst frühzeitige Therapie aber äußerst wichtig ist?

Gilt noch immer als harmlos

Kneussl: „Husten immer ernst nehmen und dem Arzt berichten. Wer über seine Symptome nicht spricht, läuft Gefahr, die Diagnose zu ‚verschlafen‘! Husten, der nach einer Erkältung länger als acht Wochen besteht, verbirgt eine Krankheit, die vermutlich chronisch ist – und die häufigste chronische Krankheit, die sich hinter so lange andauerndem Husten verbirgt, ist COPD!“ Hartl: „Husten gilt in Gesellschaft als störend, nach Möglichkeit unterdrückt man ihn und wer eine gute Kinderstube genossen hat, meint auch, darüber nicht sprechen zu dürfen. Husten ist aber kein harmloses Symptom, denn immer, wenn Husten chronisch vorliegt, ist dies Zeichen einer Erkrankung in den Bronchien und daher das einzige Frühsignal der Lungen, die Erkrankung anzuzeigen.

Die Experten der ÖGP raten daher dringend, zur Hustenzeit genauer hinzuhören und nicht zu akzeptieren, wenn der Husten nicht mehr aufhört.

Die Kampagne „Pusten statt Husten“ umfasst Radio-Spots, die Anfang Dezember auf Radio Ö3 zu hören sein werden und dazu anhalten sollen, Husten ernst zu nehmen und von sich aus dem Arzt darüber zu berichten.

„Im Rahmen einer zweiten Kampagnenwelle“, sagt Kneussl, „wollen wir dann auch noch all jene erreichen, die über die Erkältungszeit hinaus husten.“

Quelle: Aussendung der ÖGP; Urban & Schenk

Betroffene finden Unterstützung und Möglichkeiten zum Austausch bei der Selbsthilfegruppe COPD, Lungenfibrose und Langzeit-Sauerstoff-Therapie: www.selbsthilfe-lot.at

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