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Pulmologie 23. November 2015

Lungenschaden durch Aroma im Dampf

Ob Nugat oder Cappuccino – E-Zigaretten gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Dass diese Aromastoffe gefährlich für die Lunge sein können, zeigt ein Fall aus den USA.

Nicht immer sind es Nikotin und Teer, die der Lunge beim Tabakkonsum am stärksten zusetzen: Manche Menschen reagieren besonders empfindlich auf Zusatzstoffe, und davon finden sich auch reichlich in der Flüssigkeit für die recht populären E-Zigaretten. Solche E-Liquids gibt es in einer großen Vielfalt an Geschmacksrichtungen – von Nugat über Cappuccino bis zu Pistazien. Gerade in süßlich schmeckenden E-Liquids wird häufig die nach Butter riechende Ketonverbindung Diacetyl verwendet – eine Substanz, die für Überempfindlichkeitsreaktionen durchaus bekannt ist.

Hypoxie und Rasselatmung

Möglicherweise wurde eine solche E-Zigarette einem 60-jährigen Mann zum Verhängnis, der sich mit Atembeschwerden im VA Medical Center in White River Junction vorstellte. Der Mann fühlte sich schwach und klagte über starken Husten sowie Schüttelfrost. Kollegen um Dr. Graham Atkins und Dr. Frank Drescher fanden jedoch keinerlei radiologische Auffälligkeiten. Sie behandelten den Mann mit Ceftriaxon plus Azithromycin und konnten ihn drei Tage später entlassen (Chest 2015; 148 (4_MeetingAbstracts): 83A). Etwa einen Monat später tauchte der Mann mit ähnlichen Symptomen erneut auf. Dieses Mal hatte er zudem 38,6 °C Fieber und war deutlich hypoxisch: Sein Sauerstoffpartialdruck lag bei nur 48 mmHg. Die Ärzte vernahmen zudem Rasselgeräusche und veranlassten erneut ein Lungen-CT. Dabei fanden sie beidseitig im oberen Lungenflügel milchglastrübe Infiltrate. Die Anamnese ergab, dass der Patient vorher stark aromatisierte E-Zigaretten geraucht hatte. Die Ärzte behandelten den Patienten erneut mit Antibiotika. Innerhalb eines Tages gingen Dyspnoe und Fieber zurück, nach drei Tagen waren auch die Infiltrate verschwunden.

Auslöser E-Liquid

Selbst wenn der definitive Beweis fehlt, so halten die Ärzte eine exogen-allergische Alveolitis (Hypersensitivitätspneumonitis) verursacht durch Substanzen in dem E-Liquid für den wahrscheinlichen Auslöser der Beschwerden. Sie empfahlen dem Patienten, auf E-Zigaretten zu verzichten. Eine CT drei Monate später zeigte keine Auffälligkeiten.

Die Ärzte um Atkins gehen davon aus, dass etwa 70 Prozent der süßlich aromatisierten E-Liquids Diacetyl enthalten. Die Chemikalie hat in der Vergangenheit bereits als mutmaßlicher Auslöser einer anderen Erkrankung, der „Popcorn-Lunge“ für Aufsehen gesorgt. Dabei handelt es sich um eine Bronchiolitis obliterans bei Popcorn-Konsumenten und Arbeitern in Popcornfabriken. Die Substanz ist jedoch in den USA und der EU als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Sie steckt etwa in Fetten oder Snacks und wird meist als „Butteraroma“ deklariert.

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