zur Navigation zum Inhalt
© zentilia/fotolia.de
Gegen Mykobakterien sind Antibiotika nur manchmal sinnvoll.
 
Pulmologie 14. September 2015

Lungen-Rasen

Die Behandlung von nichttuberkulösen Mykobakterien ist komplex, langwierig und variabel.

Mykobakterien machen es dem Arzt nicht einfach die passende Therapie zu finden. Eine Behandlung ist stets von der Spezies abhängig. Nicht immer sind Antibiotika angebracht.

Nichttuberkulöse Mykobakterien (NTM) kommen ubiquitär vor. Eine symptomatische Erkrankung tritt am ehesten bei COPD-Patienten oder Immunsupprimierten auf. Die Symptome umfassen Husten, Auswurf, Hämoptyse, Schweißausbrüche, Gewichtsverlust und Erschöpfung. Radiologisch werden fibrös-kavernöse und nodulär-brochiektatische Formen unterschieden.

„Die Behandlung ist langwierig und sollte nur bei Krankheitsnachweis und schwerer Symptomatik erwogen werden“, berichtete Prof. Dr. Claire Andréjak, Pneumologin am Uniklinikum Amiens in Frankreich. Für fast jede NTM-Spezies gebe es ein Schlüssel-Antibiotikum, das in Kombitherapien bis zur Sputumkonversion (oder klinisch-radiologischen Besserung) und noch ein Jahr darüber hinaus verordnet wird, so Andréjak beim ERS-Onlinekurs „Hot topics in the management of patients with NTM disease“, zu dem das Unternehmen Insmed eingeladen hat.

Drei verschiedene Erkrankungen

Bakterien des Mycobacterium avium-Komplexes (MAC) können drei verschiedene Erkrankungen verursachen. Nicht immer müssen hier Antibiotika gegeben werden. So genügt bei der durch Hypersensivität verursachten „Whirlpool-Lunge“ meist das Vermeiden der Keimexposition. Manchmal sind Steroide nötig, Antibiotika sollten aber nicht verordnet werden.

Beim „Lady-Windermere-Syndrom“, das oft schlanke ältere Patientinnen mit habitueller Unterdrückung des Hustenreizes trifft, kommt es dagegen vor allem auf die Clearance der Atemwege an; Antibiotika sind nur manchmal sinnvoll.

Dagegen stellen Antibiotika, namentlich Makrolide, bei der kavernösen MAC-Erkrankung den „Eckstein“ der Behandlung dar. Sie tritt häufiger bei COPD-Patienten auf. Kombiniert wird in der Regel mit Rifampicin und Ethambutol. In der Zweit- oder Drittlinie sind Fluorchinolone angezeigt. Amino-(glyko-)side wie Amikacin (ggf. + Clofazimin) sind ebenfalls eine Alternative und vor allem für Patienten mit schweren kavernösen Formen geeignet. „Neuerdings gibt es auch vielversprechende Daten zur MAC-Therapie mit Aminoglykosid-Liposomen im Vernebler“, so Andréjak.

Zum M. abscessus-Komplex gehören M. abscessus stricto sensu, M. massiliense und M. boletti. „Das Hauptziel ist bei M. abscessus nicht Heilung, sondern Symptomlinderung“, räumte Andréjak ein. Zwar gebe es viele Substanzen mit in-vitro-Aktivität wie Clarithromycin (nicht gegen M. abscessus stricto sensu), Amikacin, Beta-Laktame, Cefoxiti und Imipenem, Linezolid und Glycylcyclin, Clofazimin und Ciprofloxacin.

In einer retrospektiven Studie mit 107 Patienten und 42 verschiedenen Regimen mit durchschnittlich je vier bis fünf Antibiotika erreichten aber nur 71 Prozent der Patienten eine Sputumkonversion, bei jedem Zweiten kam es zum Rezidiv. „Oft setzen wir in der Initialphase Amikacin/Cefoxitin oder Amikacin/Imipenem ein“, erklärte Andréjak. Als Dauermedikamente für die Initial- und Erhaltungsphase kämen Clarithromycin oder auch Clofazimin, Linezolid, Tigecyclin/Tetracyclin und eventuell Ciprofloxacin in Betracht.

M. kansasii ist dagegen laut Andréjak „vielleicht M. tuberculosis am ähnlichsten und deshalb leicht zu behandeln, gerade mit den bewährten Tuberkulosemedikamenten.“ Das Schlüsselmedikament sei Rifampicin (auch Rifabutin). Es sollte vorzugsweise mit Ethambutol und Isoniazid kombiniert werden, wie in der Tb-Therapie. In der Zweitlinie stehen Clarithromycin, Moxifloxacin oder Linezolid.

Studie soll Klarheit bringen

Clarithromycin + Ethambutol + Rifampicin heißt die Standardkombi gegen M. xenopi. Auch das von der ATS in Zweitlinie gestellte Moxifloxacin hat eine günstige minimale Hemmkonzentration, in präklinischen Studien gab es keine Unterschiede zwischen CLA- vs. MXF-haltigen Kombinationen. Die Zugabe von Amikacin machte beide Therapieregime noch effektiver.

Allerdings ist laut Andréjak die i.v-Amikacingabe nicht gut verträglich und daher Patienten mit schwerer Erkrankung vorbehalten.

Ein Review über 48 klinische Studien mit insgesamt 188 M. xenopi-Patienten zeigte höhere Erfolgsraten für Therapieregime mit Fluorchinolonen, aber keinen Vorteil für die Zusatzgabe von Makrolidantibiotika. Die derzeit in Frankreich laufende CaMoMy-Studie soll Klarheit bringen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben