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Pulmologie 31. August 2015

Vernachlässigte Lunge

COPD – eine verbreitete Krankheit wird wenig wahrgenommen.

Auch wenn die COPD nicht heilbar und unterdiagnostiziert ist, sind die therapeutischen Möglichkeiten verbesserungsfähig – aktuell durch neue Produktentwicklungen im Bereich der Bronchodilatatoren.

Immer mehr Menschen erleiden Einbußen an Lebensqualität infolge ihrer COPD. Über die drastischen Folgen für das Individuum hinaus ist die volksgesundheitliche Dimension der Erkrankung nicht zu unterschätzen: Weltweit sind rund 210 Millionen Menschen betroffen. Laut Schätzungen der WHO wird im Jahr 2030 COPD die dritthäufigste Todesursache sein und stellt damit schon heute ein veritables Gesundheitsproblem dar.

Rauchern, die an COPD erkrankt sind, den schwarzen Peter zuzuschieben und sie mit einem „selber schuld“ zu stigmatisieren, ist zwar leider alltäglich, mit Sicherheit aber kein konstruktiver Beitrag zur Lösung eines Problems, das längst nicht mehr nur für (ehemalige) Nikotinkonsumenten relevant ist. Da definitionsgemäß die Diagnose COPD zurzeit noch zwingend an eine Aktivraucheranamnese geknüpft ist, seien derzeit wohl rund 40 Prozent aller Menschen, die an COPD leiden ohne Therapie, weil sie als Nichtraucher eben nicht entsprechend diagnostiziert sind, wie Prof. Dr. Klaus Rabe von der deutschen Lungenklinik Grosshansdorf betonte.

Bekanntlich ist die COPD, nach Definition der Global Initiative For Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD), durch eine irreversible, progrediente Einschränkung der Lungenventilation gekennzeichnet, die mit einer überschießenden Entzündungsreaktion auf schädliche Partikel oder Gase einhergeht. Dass dazu auch Umweltbedingungen nicht unwesentlich beitragen, bleibt in der Praxis oft unbeachtet. Von Passivrauchen gar nicht erst zu reden. Differenzierte Diagnosestellung zur exakten Abgrenzung zwischen obstruktiven Erkrankungen, Asthma bronchiale, COPD oder Emphysem sind jedenfalls Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapiestrategie.

Zum Arzt kommen Patienten, die in der Folge mit COPD diagnostiziert werden, selten wegen Lappalien wie einem hartnäckigen Reizhusten. Meist ist es der merkliche Verlust von Leistungsfähigkeit, der ihnen Sorgen macht. Wenn zum Beispiel plötzlich die paar Stiegen bis zur Wohnungstür nicht mehr ohne heftiges Schnaufen zu schaffen sind. Erst wenn Alltägliches nicht mehr machbar ist, stellt sich heraus, dass die Betroffenen schon lange jegliche körperliche Aktivität sukzessive reduziert bis eingestellt haben.

Je früher desto besser

Das Krankheitsbild der COPD kann als dynamisch bezeichnet werden, denn die Einbußen in der Lungenfunktion sind in anfänglichen Krankheitsstadien dramatischer als in fortgeschrittenen, der Krankheitsverlauf ist nicht linear. Auch wenn COPD inzwischen gut behandelbar ist, gilt doch: Je früher eine effiziente Therapie einsetzt, desto besser steht es um die Erfolgsaussichten.

Der Terminus „Vitalkapazität“ erhält in diesem Zusammenhang eine Bedeutung, die über den Lungenfunktionsparameter hinaus in die wörtliche hinein geht. Denn, wie Prof. Peter Calverley vom University Hospital Aintree in Liverpool betonte, die Messung der Vitalkapazität sei nach wie vor der wichtigste Prädiktor für die Überlebensprognose von Erkrankten. Immerhin, so Calverley weiter, würden jährlich doppelt so viele Menschen an COPD sterben wie an Lungenkrebs. Aber: Eine effiziente COPD-Therapie kann tatsächlich lebensverlängernd wirken, auch wenn die Krankheit als solche nicht heilbar ist.

Die Therapiestrategie in der Behandlung von COPD steht auf drei Säulen:

1. Risikoprofil senken: Eliminieren der schädlichen Noxen, wo dies möglich ist. Also jedenfalls sofortiger Nikotin-Stopp.

2. Aktivitätslevel anheben: Körperliche Aktivität ist unbedingt notwendig, auch wenn das den Betroffenen schwerfällt, weil sie ja genau hier subjektiv am stärksten eingeschränkt sind. Dyspnoe und Erschöpfung sind die limitierenden Faktoren. Rabe berichtete aus der Praxis, dass, mit einem Trainingspensum von 15 bis 20 Minuten täglich, die Lebensqualität seiner Patienten eine deutliche Verbesserung erfahre.

3. Pharmakotherapie: Effiziente Bronchodilatation verfolgt das Ziel, die Lungenfunktion zu verbessern und Dyspnoe zu vermindern. Sie soll körperliche Aktivität wieder möglich machen, die Lebensqualität verbessern und es soll das Risiko für das Auftreten von Exazerbationen reduziert werden.

Zur Bronchodilatation von Patienten mit COPD haben sich Parasympatholytika wie Tiotropium zweifelsfrei bewährt. Als first-line-Basistherapie verbessert dieses die Lungenfunktion von Patienten mit moderater bis sehr schwerer COPD, welche bei den meisten Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose bereits massiv eingeschränkt ist. Neu zugelassen wurde kürzlich eine Fixkombination mit Beta-2-Sympatholytikum, nämlich Tiotropium plus Olodaterol als langwirksame Dauertherapie zur einmal täglichen Inhalation.

Verbesserung der Lebensqualität

Im Rahmen der Studien zur Zulassung konnte an 15.000 Patienten nachgewiesen werden, dass Spiolto® gegenüber der Monotherapie mit Spiriva® die Lungenfunktion signifikant verbessert. Am stärksten ausgeprägt war dieser Effekt bei GOLD-II-Patienten, die eine COPD-Basistherapie benötigten. Bei Patienten, die bisher keine solche erhalten hatten, konnte die Lungenfunktion um mehr als das Doppelte verbessert werden. Das Air-Trapping wurde signifikant vermindert, die Atemnot reduziert, was zu einem geringeren Verbrauch an Notfallmedikation führte. So kam es zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität bei guter Verträglichkeit. Die Verabreichung des Kombipräparats erbrachte in entsprechenden Vergleichsstudien auch signifikant bessere Ergebnisse als die gemeinsame Gabe der jeweiligen Mono-Substanzen.

Prof. Dr. Tobias Welte von der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover fasste zusammen: „Die Daten zeigen, dass die Verbesserung der Lungenfunktion noch größer ist, wenn Spiolto®Respimat® bei Patienten ab GOLD-Stadium II von Anfang an als maximierte Basistherapie eingesetzt wird. Es ist damit eine vielversprechende neue Therapieoption in der COPD. Eine optimale Basistherapie von Anfang an kann den Patienten die beste Möglichkeit bieten, lange aktiv zu bleiben, ihre Symptome zu kontrollieren und damit von einer deutlich verbesserten Lebensqualität zu profitieren.“

Das Präparat wird über den sogenannten Respimat® verabreicht, der die Inhalation für die Patienten dadurch erleichtert, dass eine feinvernebelte Sprühwolke langsam freigesetzt wird. Sie erlaubt es den Patienten, ohne forciertem Atemzug – sozusagen „normal“ einzuatmen und zu inhalieren. Die Wirkstoffpartikel gelangen so in hoher Konzentration bis in die peripheren Atemwege, ohne schon vorzeitig an der Rachenwand hängen zu bleiben.

Jedenfalls sei, und darin waren sich die anwesenden Experten einig, umfassende Aufklärung und Bewusstseinsarbeit in Sachen COPD gefragt. Nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch bei den ärztlichen Kollegen, die als erste mit den Beschwerden der Betroffenen konfrontiert sind und einen wesentlichen Beitrag zu frühzeitiger Diagnose und Therapie leisten können. Damit Lebensqualität und Prognose von Patienten mit COPD verbessert werden kann.

Quelle:

Inspired Today, Aspiring for Tomorrow – Media Launch Event

Hofburg International Congress & Event Centre, Wien am 1 Juli 2015

Literatur:

1. Decramer M, et al. J COPD 2004; 1:303-312

2.WHO Dokument

http://bit.ly/1Ngdhys

3. O’Donnell D-E-, et al. Eur Respir J 2004; 23(6):832-40

4. Buhl R, et al. Am J Respir Crit Care Med 191, A5755, Abst P 522(2015)

5. Buhl R, et al. Eur Respir J 2015; 45(4):969-79

6. Casaburi R Am Thorac Soc 2011; 8(4):343-7

7. Ferguson GT, et al. Adv Ther 2015 (akzeptiert; noch nicht publiziert)

Claudia Mainau, Ärzte Woche 36/2015

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