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Blick auf das Everest-Massiv: Der Däne Mogens Jensen, der an chronischem Asthma leidet, schaffte es 2007 bis ganz nach oben.

 
Pulmologie 29. Juni 2015

Es muss nicht immer Triathlon sein

Menschen mit pneumologischen Vorerkrankungen müssen weder auf Urlaub noch Leistungssport verzichten.

Wer gut vorbereitet und im Umgang mit seiner Notfallmedikation geübt ist, dem legt auch der Lungenfacharzt nichts in den Weg. Sogar gegen Aufenthalte in der Höhe spricht grundsätzlich nichts.

Höhenaufenthalte für Patienten mit Vorerkrankungen sind möglich. So sind z. B. Patienten mit Asthma durchaus in der Lage, auch höhere Gipfelziele zu erreichen. Im Gegensatz dazu sind Patienten mit chronisch-obstruktiver Atemwegserkrankung in der Höhe größeren Gefahren ausgesetzt. Patienten sollten nur in einer stabilen Krankheitsphase, mit optimaler Medikation und einem detaillierten Notfallplan hoch gelegene Bergziele aufsuchen. Dazu zählen auch die Information der Begleiter, sowie deren Schulung für Notfallsituationen. Bei den höhenmedizinischen Notfallpräparaten Acetazolamid, Prednisolon, Nifedipin und Phosphodiesterasehemmern müssen Nebenwirkungen und Kontraindikation je nach Vorerkrankung überprüft werden.

Bergwandern und Bergsteigen wird in der Regel ja als eine gesundheitlich positive Aktivität angesehen, allerdings wird dabei häufig übersehen, dass der Aufenthalt im Gebirge für Menschen mit bereits vorbestehenden Erkrankungen ein Problem darstellen kann. Leider gebe es für die meisten der folgenden Empfehlungen keine Studien. Nur in wenigen Fällen sei zuletzt versucht worden, hier Evidenz auf Studienbasis zu erreichen. Das schreibt Prof. Dr. Rainald Fischer aus München in seinem Beitrag „Bergsteigen und Bergwandern mit Vorerkrankungen“ (in: Berghold et al.: Alpin- ind Höhenmedizin, Springer Verlag 2015).

In der Folge wird dargestellt, welche spezifischen Bedingungen im Gebirge bzw. in der Höhe herrschen, die möglicherweise einem Patienten mit Vorerkrankungen Probleme bereiten können. Hierzu zählen:

• Die Wahrscheinlichkeit der Verschlechterung einer bestehenden Erkrankung im Gebirge oder bei einem Höhenaufenthalt.

• Die Erhöhung der Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Patienten typische Höhenkrankheiten durch seine Vorerkrankung leichter auftreten können.

• Eine mögliche Gefährdung durch die mit zunehmender Höhe zunehmende Hypoxie

• Die Möglichkeit einer Limitation der Leistungsfähigkeit des Patienten durch die Höhe, z. B. bei einer vorbestehenden Anämie

• Eine mögliche Gefährdung des Patienten durch Kälte, trockene Luft oder schlechtes Wetter

• Die Frage, ob die Grunderkrankung auch in Gegenden mit schlechter oder gar keiner medizinischer Versorgung suffizient behandelt werden kann

Ganz allgemein müsse bei Patienten mit Vorerkrankungen immer gewährleistet sein, dass vor der Abreise die Krankheit in einem stabilen Zustand ist, und es sich nicht beispielsweise um eine aktuelle Asthma-Exazerbation handelt oder vor Kurzem ein Herzinfarkt erlitten wurde.

Zum Beispiel Asthma

Asthma ist eine häufige Erkrankung. Oft wird die Frage gestellt, ob eine asthmatische Vorerkrankung ein Problem für einen Höhenaufenthalt darstellt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die bronchiale Obstruktion durch Kälte, Anstrengung, Hypoxie, Hypokapnie und vermehrten Ventilation zunehmen kann. Alle diese Punkte können prinzipiell zur Verschlechterung eines Asthma bronchiale führen. Positiv für Asthmatiker ist dagegen, dass die Allergendichte (Pollenflug, Hausstaubmilben) in der Höhe deutlich abnimmt. Zudem vermindert sich auch die Feinstaubbelastung. Asthmatiker können daher durchaus in große und extreme Höhen vorstoßen. So wie der Däne Mogens Jensen, der 2007 am Gipfel des Mount Everest stand

Allerdings sollten die Patienten in Bezug auf ihre Erkrankung gut geschult werden. Denn wenn auch gezeigt werden konnte, dass bei Asthmatikern keine vermehrten Exazerbationen in der Höhe auftreten, so besteht doch das Risiko einer zunehmenden bronchialen Obstruktion. Aus diesem Grund sollte eine regelmäßige Peak-Flow-Messung erfolgen, allerdings nur mit Geräten mit turbinometrischem Messverfahren, da die klassischen Peak-Flow-Meter den Atemfluss in größerer Höhe oder Kälte unterschätzen.

Darüber hinaus sollten die Patienten im Umgang mit ihrer Notfallmedikation (Prednisolon, Theophylin, Betamimetika) geschult sein. Günstig ist es auch, Pulver-Inhalatoren mitzuführen, da deren Deposition auch in größerer Höhe im Gegensatz zu Druckgasinhalatoren nicht reduziert ist.

Fischers Fazit: Höhenaufenthalte für Patienten mit Vorerkrankungen sind möglich und sollten nicht generell abgelehnt werden.

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