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Die Unschädlichkeit des Tabakgenusses durch den Wasserfilter ist nur eine Illusion.
 
Pulmologie 21. April 2015

Shisha statt Zigarette

Wasserpfeifen-Kultur boomt bei Jugendlichen.

In den letzten Jahren ist das Zigarettenrauchen bei Jugendlichen in Deutschland deutlich zurückgegangen. Für Österreich liegen keine aktuellen Zahlen vor. Allerdings werden Wasserpfeifen (Shishas) zum „Chillen“ immer beliebter – ganz besonders in dieser Altersgruppe. Die KiGGS-Studie hat untersucht, wie verbreitet ihr Konsum in Deutschland heute ist.

Lange ist man davon ausgegangen, dass der Tabakkonsum mittels Shisha aufgrund der Filterwirkung des Wassers weniger gesundheitsschädlich sei als das Rauchen von Zigaretten. Einige Studien legen allerdings mittlerweile nahe, dass auch der regelmäßige Wasserpfeifenkonsum Gesundheitsschäden wie Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs hinterlassen kann. Außerdem wirkt sich der Konsum negativ auf die Mund- und Zahngesundheit aus, und das enthaltene Nikotin sorgt für ein dem Zigarettenrauchen vergleichbares Sucht- und Abhängigkeitspotenzial. Gefördert wird dies durch den fruchtig-süßen Geschmack. Experten gehen zudem davon aus, dass das Wasserpfeifenrauchen den Einstieg in den Zigarettenkonsum begünstigt. Zu einem entsprechenden Ergebnis hinsichtlich Schädlichkeit und Suchtgefahr für regelmäßige Konsumenten kam das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits in einer Stellungnahme aus dem Jahr 2009.

Höchste Prävalenz bei Jungen mit niedrigem Sozialstatus

Im Rahmen der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 1) hat nun das Robert Koch-Institut den Wasserpfeifenkonsum bei 4.543 Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren untersucht.

Rund 29 Prozent der Befragten hatten schon einmal Wasserpfeife geraucht, die 12-Monats-Prävalenz lag bei 20,6 Prozent, und in den 30 Tagen vor der Befragung hatten 10 Prozent eine Shisha konsumiert. Von Letzteren berichtete etwa die Hälfte über einen einmaligen Konsum. Jeweils ein Viertel gab an, an zwei bzw. an drei oder mehr Tagen des vergangenen Monats Wasserpfeife geraucht zu haben. Täglich konsumierten nur 0,6 Prozent der Jugendlichen.

Während unter den 12- bis 13-jährigen Mädchen 4,9 Prozent eine Wasserpfeife probiert hatten, waren es bei den 14- bis 17-jährigen 37,3 Prozent. Bei den Jungen erreichten die entsprechenden Quoten 9,0 Prozent bzw. 42,7 Prozent. Insbesondere bei ihnen zeigte sich auch ein Zusammenhang zwischen Lebenszeitprävalenz und sozialem Status (niedriger Sozialstatus: 40,5%, mittlerer: 27,2%, hoher: 29,2%.) Diese Unterschiede erreichten allerdings keine Signifikanz. Die Ergebnisse der KiGGS-Befragung ergaben einen hohen Übereinstimmungsgrad mit den von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) 2011 erhobenen Daten.

Gefahr unterschätzt

Die aktuelle Studie macht unter anderem deutlich, dass der Wasserpfeifenkonsum von vielen Jugendlichen offenbar nicht als „Rauchen“ eingestuft wird. Denn auf die Frage zum Raucherstatus gaben ein Drittel der gelegentlichen Shisha-Raucher sowie ein Achtel der regelmäßigen Konsumenten an, Nichtraucher zu sein. Außerdem verkennen viele Jugendliche offenbar die Gefahren des Wasserpfeifenkonsums und stufen diesen als weniger gesundheitsschädlich ein als Zigaretten- oder Passivrauchen. Tabakpräventionskampagnen sollen nun verstärkt auch über die Risiken des Wasserpfeifenrauchens aufklären.

 

Originalpublikation: Kuntz, B. et al. Wasserpfeifenkonsum (Shisha-Rauchen) bei Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse der KiGGS-Studie – Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1); Bundesgesundheitsbl 2015, RKI, Berlin

springermedizin.de, Ärzte Woche 17/2015

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