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Pulmologie 21. April 2015

„Auch an das linke Herz denken“

Aktuelle Daten zu Ursachen der Sterblichkeit von COPD-Patienten zeigen eine dreifach erhöhte Mortalität bei gleichzeitiger koronarer Herzkrankheit oder Arrhythmie.

Bei COPD ist die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität hoch und belastet die Prognose. In der Therapie müssen deshalb beide Komorbiditäten berücksichtigt werden, fordern nun Experten.

Am 19. März 2015 fand der 56. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. in Berlin statt. Im Symposium Clinical year in Review wurde die „kardiorespiratorische Interaktion – Mechanismen und klinische Relevanz“ thematisiert.

Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) geht mit einer hohen kardialen Morbidität und Mortalität einher. Das zeigen die Daten der ECLIPSE-Studie, die die Komorbiditäten von 2.164 Patienten mit klinisch stabiler COPD, 337 Rauchern und 245 Nicht-Rauchern mit normaler Lungenfunktion untersuchte. Herzbeschwerden, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen waren bei COPD-Patienten häufiger als bei Rauchern. Und sie waren prognoserelevant. Die Mortalität bei Herzinsuffizienz und ischämischer Herzerkrankung, war erhöht, wenn gleichzeitig eine COPD vorliegt.

Dabei gilt: je mehr Komorbiditäten, umso stärker die Gefahr für den Patienten. Aktuelle Daten zur Ursache der Sterblichkeit von COPD-Patienten auf der Intensivstation bestätigen die Bedeutung kardiovaskulärer Begleiterkrankungen mit einer knapp dreifach erhöhten Mortalität bei gleichzeitiger koronarer Herzkrankheit oder Arrhythmie.

Relevant sind kardiovaskuläre Begleiterkrankungen auch im Zusammenhang mit Exazerbationen. In einer Analyse von knapp 10.000 Patienten mit COPD, die wegen einer Exazerbation stationär behandelt wurden, wurde bei einem Viertel eine koronare Herzkrankheit diagnostiziert. 10 Prozent litten unter Arrhythmien, 6,4 Prozent unter einer Herzinsuffizienz und 33 Prozent unter einem Cor pulmonale.

„Bei Exazerbationen sind nicht nur Infektionen relevant, sondern auch kardiale Probleme“, betonte Prof. Dr. Heinrich Worth, Ärztlicher Leiter der Medizinischen Klinik 1 in Fürth, Bayern. Das bestätigen auch echokardiografische Alterationen, die bei Patienten mit COPD bei stationärer Aufnahme wegen Exazerbation gefunden wurden:

Immerhin 64 Prozent zeigten Herzveränderungen, wobei Störungen des rechten Herzens etwa doppelt so häufig waren wie Störungen des linken Herzens. Bei knapp zwei Drittel war bis dato keine Herzerkrankung bekannt. Worth betonte zudem, dass besondere Aufmerksamkeit auch auf das linke Herz gelegt werden müsse. Dabei verwies er auf eine Analyse von 218 COPD-Patienten, von denen 17 Prozent eine linksventrikuläre Dysfunktion hatten – mit einem deutlich schlechteren Outcome.

Angesichts dieser Daten stellte Prof. Dr. Stefan Andreas, Chefarzt der Lungenfachklinik Immenhausen, die Frage nach der kardiovaskulären Sicherheit von Bronchodilatatoren. Er verwies auf umfangreiche randomisierte Studien mit kardiovaskulären Endpunkten, nach denen neuere Bronchodilatatoren kein Risiko für das Herz bedeuten. Möglicherweise, so die Hypothese von Andreas, reduzieren Bronchodilatatoren die kardiovaskuläre Mortalität durch positive Effekte auf die Gefäßsteifigkeit.

Etwas vorsichtiger ist die Einschätzung von Wirth. Aus seiner Sicht sind Bronchodilatatoren sicher, wenn der Patient kardial stabil ist. Er forderte Studien auch an COPD-Patienten mit Herzproblemen.

 

Literatur:

[1] Miller et al. Comorbidity, systemic inflammation and outcomes in the ECLIPSE cohort. Respir Med 2013; 107: 1376-1384

[2] Miller et al. Comorbidity, systemic inflammation and outcomes in the ECLIPSE cohort. Respir Med 107: 1376-1385

[3] Ongel EA et al. How do COPD comorbidities affect ICU outcomes? Into J Coped; 2014; 9: 1187-1196

[4] Roberts CM et al. COPD 2011; 8:354-361

[5] Freixa X et al. Echocardiographic abnormalities in patients with COPD at their first hospital admission. Eur Respir J 2013; 41:784-791

[6] Machia A et al. Unrecognised ventricular dysfunction in COPD. Eur Respir J 2012; 39:51-58

springermedizin.de, Ärzte Woche 17/2015

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